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Weltkonferenz der Religionen
für den Frieden
World Conference on Religion
and Peace (WCRP)
WCRP / Hannover
Dr. HELGARD JAMAL
ZUR
BEDEUTUNG INTERRELIGIÖSER GESPRÄCHE
Die einzelnen verschiedenen
Religionen der Stadt Hannover haben sich vorgestellt. Warum ist das Gespräch
untereinander bedeutsam? Wie soll es geführt werden? Welche Motive
gibt es, miteinander ins Gespräch zu kommen oder auch dem Gespräch
auszuweichen?
Interreligiöse Gespräche
konzentrieren sich auf drei Hauptanliegen:
1. Durch die Begegnung und
das Miteinanderreden wird das eigene W i s s e n über andere
Religionen erweitert, ggf. korrigiert, und es wird eine multikulturelle
/ multireligiöse Situation direkt zur Kenntnis genommen. Die hilfreichen
Weisheiten in den Religionen für ein mitmenschliches Handeln können
das Verständnis untereinander vergrößern. Es fördert
das interreligiöse Gespräch, wenn der Mensch im Mittelpunkt steht
und nicht nur die Religionszugehörigkeit. Menschen haben grundsätzlich
ähnliche Erfahrungen wie z.B. im persönlichen Bereich: Leid,
Freude, Haß, Liebe, Krankheit, Gesundheit, Geburt und Tod, oder im
gemeinsamen Erleben sind es z.B. die Klimaveränderung, die Verschwendung
von Rohstoffen, die Berichterstattung weltweiter Ereignisse, Krieg und
Frieden.
2. In interreligiösen
Gesprächen wird jede/jeder vom persönlichen Glauben erzählen,
das führt zu einem tieferen Verstehen der eigenen I d e n t i t
ä t. In dem die eigene Religion erklärt wird, Vergleiche
mit der anderen Religion gezogen werden, wächst auch das Verständnis
für den persönlichen Glauben. Für Menschen, die sich keiner
Religion zugehörig fühlen, kann ein Interesse für religiöse
Werte entstehen. Innerhalb der Vielfalt weltanschaulicher, politischer,
gesellschaftlicher und religiöser Werte wird der persönliche
Lebenssinn in interreligiösen Gesprächen diskutiert und reflektiert.
Diese Gespräche erfordern Offenheit und die Bereitschaft, das Andere
anders sein zu lassen. Die Menschenwürde ist höher zu achten
als der eigene Wahrheitsanspruch.
3. Ein Dialogklima, in dem
der Glaube des Anderen respektiert wird und keine abschließende Bewertung
stattfindet, zeichnet sich durch Empathie aus. Ohne die eigene Überzeugung
aufzugeben, wird sich in die Lebens- und Glaubenswelt des Anderen hineinversetzt.
Dadurch kann ein „Füreinander - eintreten" selbstverständlicher
werden. Die aktive H a n d l u n g für ein gleichberechtigtes
Miteinander der Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen kann
die Frucht des interreligiösen Gespräches sein. Wer daran Interesse
hat, wird dem interreligiösen Gespräch nicht ausweichen.
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ZIELE
UND ORGANISATION DER WELTKONFERENZ DER RELIGIONEN FÜR DEN FRIEDEN
(WCRP)
Die „Weltkonferenz der Religionen
für den Frieden" (WCRP) hat - wie ihr Name
aussagt - Friedensziele.
Die Friedensarbeit bezieht
sich einerseits auf einen individuell - ethischen Ansatz d.h. das Ziel
des Weltfriedens soll durch die Veränderung des Bewußtseins
des einzelnen Menschen erreicht werden. So heißt es in der Riva -
Erklärung vom 9.11.1994: „Wir werden mit allen Kräften danach
streben, den menschlichen Geist zu fördern und auszustatten, um Leiden
zu mildern und Familien, Gemeinschaften, Nationen und eine Welt zu schaffen,
die auf der Achtung jedes einzelnen menschlichen Wesens aufbauen. Auf dieses
Ziel hin möge jede und jeder von uns demütig nach Mut, Geduld,
Weisheit und Mitleid streben.“
Andererseits wird
die Veränderung sozialer, ökonomischer und politischer
Ungerechtigkeiten gefordert: Strukturen der Unterdrückung sollen erkannt,
benannt und verändert werden. Arme und unterdrückte Menschen
sollen von Religionsgemeinschaften direkt unterstützt werden. Beide
Ziele, der innere Frieden des einzelnen Menschen und der äußere
Weltfrieden, werden angestrebt. Es wird natürlich die individuelle
Friedensfähigkeit des Menschen als notwendige Voraussetzung für
den Weltfrieden gesehen. Das Ziel des Friedens findet sich in allen großen
Religionen, deshalb kann auf dieser Basis gemeinsame Verantwortung für
den Weltfrieden übernommen werden. Das Friedenspotential der verschiedenen
gläubigen Menschen soll geweckt und verstärkt werden und zu gemeinsamen
mitmenschlichen Handlungen führen.
Die Weltkonferenz der Religionen
für den Frieden (WCRP) ist in allen Kontinenten
mit nationalen und lokalen
Gruppen vertreten. Das internationale Präsidium besteht
z.Zt. aus über 30 Repräsentantinnen
und Repräsentanten der großen Religionen aus verschiedenen Kontinenten
und Ländern. Es wird jeweils auf den Weltversammlungen gewählt.
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SECHS
WELTVERSAMMLUNGEN DER WELTKONFERENZ DER RELIGIONEN FÜR DEN FRIEDEN
(WCRP)
Die 1. Weltkonferenz
der Religionen für den Frieden
in Kyoto / Japan vom 16.
- 21.10.1970
Hier trafen sich zum ersten
Mal Vertreter und Vertreterinnen der Weltreligionen und bekannten in ihrer
Botschaft: "Als gläubige Männer und Frauen bekennen wir in Demut
und Reue, daß wir sehr oft unsere religiösen Ideale und Verpflichtungen
zum Frieden verraten haben. Es ist nicht die Religion, die sich gegen die
Sache des Friedens verging, sondern die Anhänger der Religionen taten
dies. Dieser Verrat der Religionen kann und muß korrigiert werden."
Diese Weltkonferenz kann
als Geburtsstunde von WCRP gelten, obwohl es in den USA, Japan, Indien
und auch in Deutschland schon vordem interreligiöse Sitzungen gegeben
hat. In Kyoto wird die WCRP als Organisation gegründet. Die anschließenden
Aktivitäten finden hauptsächlich in den USA, Japan und Indien
statt
und beziehen sich auf konkrete
Konfliktgebiete: Vietnam und Ostpakistan. Die
Kontakte zu Europa werden
nach der Konferenz verstärkt.
Die 2. Weltkonferenz
der Religionen für den Frieden
in Leuven / Belgien vom
27.8. - 03.09.1974
Auf dieser Konferenz ist
auf dem Hintergrund der Ölkrise 1973 und der UN - Bevölkerungskonferenz
in Budapest 1994 die Verantwortung der Religionen für die Bewahrung
der Lebensgrundlagen für alle Menschen das wichtigste Thema. Die weiteren
Aktivitäten konzentrieren sich u.a. auf die Mitarbeit im Rahmen der
UNO an einer Erklärung über Religionsfreiheit, die 1981 von der
UNO verabschiedet wird.
Die 3. Weltkonferenz
der Religionen für den Frieden
in Princeton / USA vom 29.08.
- 07.09.1979
Im Vorfeld dieser Konferenz
wird deutlich, daß ein verstärktes Interesse an der spirituellen
Basis von der WCRP besteht. Die Spiritualität bedeutet hier die Suche
nach inneren und äußeren Frieden. So werden auf dieser Konferenz
verschiedene Leitlinien gegeben: 1. Unfriedenssituationen in menschlichen
Gemeinschaften, auch den Religionsgemeinschaften, sollen deutlich dargestellt
werden. 2. Es gibt die Überzeugung vieler Menschen, daß Frieden
gerade aus religiöser Überzeugung möglich ist. 3. Friedensfördernde
Elemente sind Meditation / Gebet, Verzicht auf Aggressionen und persönliche
religiöse Erfahrungen.
Die 4. Weltkonferenz
der Religionen für den Frieden
in Nairobi / Kenia vom 23.
- 31.08.1984
Die Basisarbeit wird auf
dieser Konferenz in Gang gesetzt. Schon die Vorkonferenzen von Frauen und
jüngeren Menschen zeigen an, daß diese in der WCRP - Arbeit
stärker einbezogen werden. Es wird der Aufbau von breiter Basisarbeit
durch die Gründung von nationaler und lokaler Sektionen geplant. Die
jüngere Generation organisiert im Weiteren interreligiöse Jugendlager
und die Fahrt eines „Peace Bus" von London nach Moskau.
Die 5. Weltkonferenz
der Religionen für den Frieden
in Melbourne / Australien
vom 21. - 28.01.1989
Auch hier gibt es im Vorfeld
Frauen- und Jugendtreffen, so daß es auf dieser Konferenz u.a. um
die Situation von Frauen und Kindern geht. Dieses führt z. B. 1990
zu einer gemeinsam mit UNICEF organisierten Konferenz: “Die Religionen
der Welt für die Kinder der Welt", diese steht im Zusammenhang mit
der UNO - Konvention über die Rechte der Kinder und dem Weltgipfel
für Kinder in New York. WCRP wird international als „Repräsentantin
der Religionen" von UNO - Organisationen für die Koordinierungsarbeit
gebraucht.
Die 6. Weltkonferenz
der Religionen für den Frieden
in Riva del Garda / Italien
vom 03. - 09.1 1.1994
Hier waren fast tausend Teilnehmerinnen
und Teilnehmer aller großen Religionen aus 65 Ländern vertreten:
Hindus und Buddhisten verschiedener Richtungen, Juden, Christen, Muslime,
Baha'i und Gläubige einheimischer Religionen Afrikas, Amerikas und
Ozeaniens. Sie setzten sich mit dem Thema: „Auf dem Weg zu einer heileren
Welt - Religionen für den Frieden (Healing the World - Religion for
Peace)" auseinander. Es wurden sechs Themenkreise behandelt. 1. Isolierung
und Gleichgültigkeit: Suchen nach einer gemeinsamen Ethik. 2. Gewalt
und Krieg: Aufrichten von Frieden und Sicherheit. 3. Ungerechtigkeit und
Armut: Ringen ungerechte und erhaltende Entwicklung. 4. Unterdrückung
und Diskriminierung: Bejahen von Menschenrechten und verantwortlichen Pflichten.
5. Vergeudetes Leben: Sich sorgen um das Kind. 6. Gefährdete Erde:
Wiederherstellen ökologischer Harmonie. Neben der Arbeit in diesen
sechs Kommissionen gab es verschiedene Gottesdienste und Meditationen.
Zn der 27jährigen Geschichte
ist die WCRP zu einer anerkannten Weltbewegung geworden und es ist nötig
und friedensfördernd, daß internationale Krisen auch durch die
Zusammenarbeit der Menschen unterschiedlicher Religionen bewältigt
werden. Dieses geschieht in der WCRP als Weltorganisation und in der basisorientierten
Bewegung.
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DIE
WELTKONFERENZ DER RELIGIONEN FÜR DEN FRIEDEN (WCRP)
IN DER BUNDESREPUBLIK
DEUTSCHLAND
Die Weltkonferenz der Religionen
für den Frieden lädt Menschen aller Religionen ein, um sich gemeinsam
für den Frieden einzusetzen. Die Friedensarbeit geschieht auf der
Grundlage der Kenntnis voneinander, dem Verständnis füreinander,
dem Dialog miteinander und dem Eintreten für Gerechtigkeit und Ökologie.
Die einzelne Religion wird in ihrer Eigenständigkeit anerkannt, eine
Vermischung der Religionen wird abgelehnt. Der Austausch und die Zusammenarbeit
der jungen Menschen wird gefördert (WCRP jüngere Generation).
Mitglied von WCRP kann jede
Person werden, die die Ziele von WCRP unterstützt. Der Jahresbeitrag
beträgt DM 50,00, für Nichtverdienende DM 20,00. Mitglieder erhalten
dreimal jährlich ein Heft „Informationen". Einmal jährlich findet
eine Mitgliederversammlung von der WCRP / BRD statt, diese wird von dem
Geschäfteführenden Ausschuß (GA) vorbereitet. Der GA entscheidet
über Anträge lokaler Gruppen auf Anerkennung in der WCRP / BRD.
Lokale Gruppen bestehen z.Zt. in folgenden Städten: München,
Stuttgart, Regensburg, Frankfurt, Nürnberg,
Tübingen, Witten, Köln/Bonn,
Berlin, Hannover, Osnabrück, Bamberg.
Die Weltkonferenz der Religionen
für den Frieden / BRD) ist auf Spenden angewiesen und nicht gewinnorientiert.
Die Gelder werden für Publikationen, Verwaltung, Aktionen, Veranstaltungen,
nationale und internationale Belange ausgegeben.
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DIE
WELTKONFERENZ DER RELIGIONEN FÜR DEN FRIEDEN (WCRP)
IN DER REGION HANNOVER
Die Gründungsversammlung
für die lokale Gruppe Hannover hat am 19.01.1995
stattgefunden. Die Leitung
hat eine Koordinierungsgruppe übernommen, sie ist für
die inhaltliche und organisatorische
Arbeit verantwortlich, ihr gehören an:
Knut von Borch (Christ,
ev.-luth.),
Ulrich Dorn (Christ, ev.-luth.),
Ali Faridi (Baha'i),
Dr. Helgard Jamal (Christin,
ev.-luth.),
Sami Khairy (Muslim),
Ernst-Wolf Kleinwächter
(Christ, ev.-luth.),
Aniko Lengyel (Jüdin),
Lothar Rieder (Buddhist),
Ewald Wirth (Christ, röm.-kath.).
Es gab bisher dreizehn Treffen
im Gemeindehaus der Neustädter Hof- und Stadtkirche, Hannover. Ein
z.T. wechselnder Kreis von zwanzig bis dreißig Personen diskutierte
nach Impulsreferaten verschieden gläubiger Menschen zu folgenden Themen
:
- Der Fastenmonat Ramadan
der Muslime
- Mein Verständnis
von Frieden als Hindu, Buddhist, Jude, Christ, Moslem und
Baha'i
- Weihnachten - Christen
feiern mit Menschen anderer Religionen
- Was kommt mit der EXPO
2000 Hannover auf uns zu?
- Verantwortliches und sozialverträgliches
Wirtschaften im Spiegel der Religionen
- Das „Gottesbild" der Religionen
- Der religiöse Anspruch
der Weltreligionen. Chance oder Hindernis für einen
interreligiösen
Dialog
- Abrahamische Ökumene
- „Gemeinsamkeiten" der
Religionen aus der Sicht verschiedener Gläubiger
Es fand eine 1. Gebetsstunde
der Religionen um Frieden für die Menschen statt.
Die Herausgabe dieser Broschüre
wurde geleistet, und es wird zusammen mit der
WCRP / BRD überlegt,
wie ein Beitrag für die EXPO 2000 Hannover gestaltet
werden kann.
Aktivitäten, Diskussionsthemen
und Termine können bei der WCRP / Hannover erfragt werden.
Alle Personen arbeiten ehrenamtlich
und ohne irgendwelche Zuschüsse, so sind wir
für jede Spende dankbar.
Konto:
WCRP / Hannover, (Kassenwart:
Ali Faridi),
EKK Hannover (Ev. Kreditgenossenschaft),
Kto. 61 736 9, BLZ 250 607
01.
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ADRESSEN
DER WELTKONFERENZ DER RELIGIONEN FÜR DEN FRIEDEN
(WCRP)
WCRP International:
Generalsekretär:
Dr. W. Vendley,
777 United Nations Plaza
New York, NY 10017, USA
Fax: ( 0012) 12-98 305 66
WCRP Europa:
Vorsitzender:
Prof. Dr. Norbert Klaes
Würzburg
Tel.: ( 0931)
265 27
Fax.: ( 0931) 888
48 75
Sekretariat:
Dr. Günther Gebhardt
Genf
14, chemin Auguste Vilbert
CH - 1218 Grand Saconnix
(GE)
Tel.: ( 0041) 22 -
79 85 162
Fax.: ( 0041) 22 - 79 10
034
WCRP Bundesrepublik Deutschland:
Vorsitzender:
Pfr. Franz Brendle, Stuttgart
Tel.: ( 0711) 53 90 209
oder ( 0711) 24 34 81
Sekretariat:
Stafflenbergstraße
46
70184 Stuttgart
Tel.: ( 0711) 24 34
81
Fax.: ( 0711) 236 00 10
WCRP Hannover:
Ernst-Wolf Kleinwächter
Arnswaldtstraße 25
30159 Hannover
Tel./Fax.: ( 0511) 363 25
85
Internet-Adresse:
www.wcrp-hannover.de
eMail: ewirth@wcrp-hannover.de
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LITERATUR
Günther Gebhardt:
ZUM FRIEDEN BEWEGEN.
FRIEDENSERZIEHUNG IN RELIGIÖSEN
FRIEDENSBEWEGUNGEN,
Hamburg 1994.
Helgard Jamal:
DIE BEDEUTUNG DES INTERRELIGIÖSEN
LERNENS,
Hamburg 1996.
Norbert Klaes:
ERFAHRUNGEN IN DER "WELTKONFERENZ
DER RELIGIONEN FÜR DEN FRIEDEN"
(WCRP),
in: Anton Peter (Hrsg.):
Christlicher Glaube in multireligiöser
Gesellschaft,
Immensee 1996, S. 91- 108
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