.
Russisch-Orthodoxe Kirche
Ausland
SERAPHIM KORFF
DIE
ORTHODOXE KIRCHE
Die Orthodoxe Kirche versteht
sich als die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, die von
Christus begründet, auf dem Zeugnis der Apostel beruhend, bis zum
Schisma von 1054 als die alleinige christliche Kirche ungeteilt in der
damaligen Ökumene bestanden hat. Das Wort „orthodox“ bedeutet: rechter
Glaube und rechter Lobpreis. Damit soll ausgedrückt werden: der richtige
Glaube offenbart sich in der richtigen Lobpreisung Gottes oder: der richtige
Lobpreis geht aus dem richtigen Glauben hervor.
Diesen richtigen Glauben,
diesen richtigen Lobpreis trägt die Orthodoxe Kirche über die
Jahrhunderte hinweg unversehrt und unverändert weiter durch Tradition
und apostolische Sukzession.
zurück
GESCHICHTE
DER RUSSISCH-ORTHODOXEN KIRCHE
Der Hl. Germanos nannte die
Orthodoxe Kirche - „Himmel auf Erden“ - eine Begegnungsstätte des
Himmlischen und des Irdischen.
So müssen es die Boten
des Kiever Fürsten (und späteren Heiligen) Vladimir empfunden
haben, als sie den orthodoxen Gottesdienst in Byzanz kennenlernten. Sie
beschlossen ihren Bericht darüber mit den Worten: „wir wissen, daß
Gott dort mit den Menschen ist. Ihr Gottesdienst ist besser als der aller
Länder, denn wir können seine Schönheit nicht vergessen“.
So kam das orthodoxe Christentum
aus Byzanz in die Kiever Rus, ein Ereignis, das im Jahre 1988 als Tausendjahrfeier
der Taufe Rußlands festlich begangen wurde.
Es gehört zum Wesen
der Orthodoxen Kirche, die Einheit in der Vielfalt zu bejahen. Und so war
es für die Kirche von Byzanz seit den Tagen der Heiligen Kyrill und
Method selbstverständlich, daß das „neugetaufte“ Land Glauben
und Gottesdienst in seiner slavischen Muttersprache empfangen durfte, damit
der Glaube sich verwurzeln konnte.
Russische Orthodoxie entwickelte
in den Jahrhunderten ihren eigenen unverwechselbaren Stil in Kirchengesang
und Frömmigkeit. Das taten auch die anderen orthodoxen Volks- und
Landeskirchen. Alle aber vereint der gleiche Glaube, der gleiche Ritus,
die gleiche Kirchenverfassung.
zurück
DIE
RUSSISCH-ORTHODOXE IN DEUTSCHLAND
In Deutschland entstanden
erste Russisch-Orthodoxe Kirchen im 18. Jahrhundert. Sie waren entweder
Botschaften angegliedert oder wurden als Hauskirchen in verschiedenen Residenzen
eingerichtet infolge verwandtschaftlicher Beziehungen zahlreicher deutscher
und russischer Adelsfamilien.
Mit der Entwicklung der Kurbäder
im 19. Jahrhundert wuchs auch die Zahl der russischen Kurgäste, die
nach seelsorglicher Betreuung verlangten. Es wurden russische Kirchen in
zahlreichen Kurorten gebaut.
Das Ende des zweiten Weltkrieges
brachte Zehntausende russischer Emigranten nach Deutschland. So gab es
nach 1945 in Westdeutschland 150 russisch-orthodoxe Gemeinden, betreut
von 200 Priestern. In den folgenden Jahren sanken diese Zahlen kontinuierlich
infolge der Auswanderungen in die Neue Welt.
Seit 1945 besteht auch die
russisch-orthodoxe Gemeinde in Hannover.
Wie die meisten russisch-orthodoxe
Gemeinden in den alten Bundesländern, gehört auch die hannoversche
Gemeinde zur Russisch-Orthodoxen Kirche im Ausland (ROKA).
zurück
RUSSISCH-ORTHODOXE
KIRCHE IM AUSLAND (ROKA)
Die ROKA entstand im Jahre
1920, als aufgrund eines Dekrets des damaligen Patriarchen Tichon jene
Teile der russischen Kirche, die aufgrund der politischen Wirren der Zeit,
ohne Verbindung zur kirchlichen Leitung standen, eine eigene oberste kirchliche
Verwaltung einzurichten aufgefordert wurden. Diese „Oberste Kirchenverwaltung“
befand sich zunächst in Konstantinopel, heute in New York.
Während der 70-jährigen
Verfolgung und Unterdrückung der Kirche in der russischen Heimat,
wurden kirchliches Brauchtum, Pflege der monastischen Ideale und religiöse
Erziehung weitgehend nur noch in der ROKA verwirklicht. Und auch dies nur
unter schwierigen Bedingungen.
zurück
GOTTESDIENST
Die Kirche als Ort, wo der
Gottesdienst stattfindet, ist nach orthodoxem Verständnis ein heiliger
Ort. Dort wird die Gegenwart Gottes erlebt. Auch in diesem Sinne verstehen
die heiligen Väter die Kirche als „Himmel auf Erden“, unabhängig
von architektonischer Vollkommenheit oder Mangelhaftigkeit.
Kultus und Dogma bilden im
orthodoxen Ritus eine Einheit, so daß man sagen kann, Gottesdienst
ist gefeiertes Dogma. Also Gegenwärtigsetzung der Heilstaten Gottes
in Wort und Gesang und Ritus. Wenn auch die eigentliche Wortverkündigung
zurücktritt, so wird doch der Gottesdienst für die Teilnehmenden
zu einer eindringlichen Katechese. Dies geschieht am sinnfälligsten
in der göttlichen Liturgie (Eucharistie), als symbolischer Vergegenwärtigung
des Erlösungswerkes Christi, angefangen von Seiner Geburt, bis zu
Seiner Verherrlichung zur Rechten des Vaters.
Ziel aller religiösen
Bemühungen ist die Verklärung des Seins, im Sinne der Worte des
hl. Athanasios: Christus wurde Mensch, damit wir vergottet würden.
zurück
FRIEDENSVERSTÄNDNIS
Wenn in der Kirche immer
wieder „um den Frieden der Welt und den Wohlbestand der heiligen Kirchen
Gottes“ gebetet wird, so auch deshalb, weil Frieden der Zustand ist, in
dem der Mensch Raum und Möglichkeit für seine religiösen
Bemühungen am ehesten finden kann.
Vorbedingung für den
äußeren „Frieden der Welt“ ist jedoch immer der innere Friede,
der Friede mit Gott. Von diesem Frieden sprach der Gesang der Engel von
Bethlehem. Wenn wir ohne den inneren Frieden (mit Gott) den äußeren
Frieden (der Welt) suchen, dann suchen wir Früchte auf einem entwurzelten
Baum.
zurück
KONTAKTADRESSE
Alexej
Gurjanov: AGurjanov@t-online.de
Russisch-Orthodoxe Christ-Geburt-Kirche:
Die
Gottesdienste finden z.Zt. in der Krypta der Serbischen Kirche (Mengendamm
16 C) statt.
Die
Gemeinde zieht bald in das neue Gebäude in Hannover-Vahrenwald um.
zurück
LITERATUR
Heitz, Sergius, Erzpriester
(Hrsg.):
MYSTERIUM DER ANBETUNG,
Köln 1986
Gogol, Nikolaj:
BETRACHTUNGEN ÜBER
DIE GÖTTLICHE LITURGIE,
Würzburg 1989
zurück
|