RELIGIONEN IN HANNOVER
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Römisch-katholische Kirche in der Region Hannover

HORST VORDERWÜLBECKE
 

Gemeinschaft 
- Merkmal der Römisch-katholischen Kirche 
Die Entwicklung der Katholischen Kirche 
in der Region Hannover nach der Reformation
Einrichtungen der Katholischen Kirche
Kontaktadressen
Literatur
           Propsteikirche Basilika St. Clemens 
 
       Fotos: Ewald Wirth, 2002

GEMEINSCHAFT -  MERKMAL DER RÖMISCH-KATHOLISCHEN KIRCHE 

Die römisch-katholische Kirche ist die unter dem Papst in Rom stehende christliche Kirche. Die katholische Kirche zählt etwa 645 Mio Gläubige, die fast alle zur lateinischen Kirche gehören; die unierten orientalischen Kirchen zählen etwa 8,5 Mio Christen.

Die katholische Kirche ist eine „Gemeinschaft von Menschen,  die durch ihr Bekenntnis des  gleichen christlichen Glaubens und durch die Gemeinschaft der gleichen Sakramente verbunden ist, und die unter der Leitung ihrer rechtmäßigen Hirten, besonders des Bischofs von Rom, steht.“ (nach Bellarmin).

Als eigentliche Geburtsstunde der Kirche gilt das Pfingstereignis (Apg 2). Die Verzweiflung über das Ende Jesu am Kreuz schlägt um in „Be-Geist-erung“ für Jesus und das, was er verkündet hatte. Die ersten Christen erkannten, daß es nicht umsonst gewesen war, was sie mit Jesus erfahren hatten. Sie bekannten ihren Glauben: „Jesus lebt - er ist auferweckt worden!“ 

Mit dem Anwachsen der Gemeinden bilden sich eigene Leitungs- und Dienstämter aus, z.B. das Bischofs-, Diakonats- und Priesteramt.
 
Kirche ist eine Gemeinschaft von Menschen, die an Jesus Christus glauben. Glaube an Jesus Christus heißt Nachfolge. Diese Nachfolge äußert sich in Gottesdienst und Verkündigung, Dienst am Mitmenschen und der Gesellschaft. Durch die Taufe wird der einzelne/die einzelne in die Kirche aufgenommen. Taufe, Eucharistie (Abendmahl) und Geistsendung sind das alle Christen auch über die einzelnen Konfessionen hinweg einigende Band. Die heute spürbare Tendenz zum „Privatchristentum“ geht am Kern christlichen Selbstverständnisses vorbei. Christ-sein und somit Glaube an Gott ist immer Sache von Gemeinschaft.

Die Kirche hat die Aufgabe, sich um das Wohl von Menschen zu sorgen, sie sieht, daß Menschen unter Schuld und Unvollkommenheit leiden. So versucht sie einen Weg zu zeigen, damit Leben gelingen kann. Für viele Christen ist die Gemeinde der Ort, an dem sie Kirche konkret erfahren 

können. Gemeinde ist nicht nur Teil der Gesamtkirche. In jeder Gemeinde, im Gottesdienst, in der Verkündigung, im gemeindlichen Leben verwirklicht sich die ganze Kirche. Wird dieses Verständnis ernstgenommen, dann zeigt sich die Bedeutung, die dahintersteckt: Durch das gemeinschaftliche Tun, durch das eigene Engagement in  der Gemeinde kann jeder dazu beitragen, Kirche mitzugestalten und ihr ein für alle sichtbares Profil zu geben.

Die katholische Kirche ist grundsätzlich territorial gegliedert. Norddeutschland gehört zur Kirchenprovinz Hamburg mit den Diözesen Osnabrück, Hamburg und Hildesheim. Letztere umfaßt das Gebiet östlich der Weser Niedersachsens mit dem Bischofssitz in Hildesheim. Diözesanbischof ist seit 2006 Norbert Trelle. Ihm stehen zwei Weihbischöfe zur Seite.

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DIE ENTWICKLUNG DER KATHOLISCHEN KIRCHE IN DER REGION HANNOVER

Wiederbegründung

Weihnachten 1665. Im großen Saal des Leineschlosses hat Herzog Johann Friedrich seine Familie und ein kleines Hofgefolge versammelt. Seit der im Jahre 1533 eingeführten Reformation wird zum ersten Mal in Hannover wieder die heilige Messe gefeiert. Diese Stunde bedeutet die Wiederbegründung der katholischen Kirche in Hannover nach der Reformation.
Der erste Seelsorger für die vornehmlich aus Italienern und Franzosen des Hofes gebildete junge Gemeinde wurde Valerio de Maccioni. Auf Betreiben des Herzogs wurde der italienische Geistliche 1667 zum apostolischen Vikar für das vom Herzog regierte Fürstentum Calenberg-Göttingen- Grubenhagen ernannt. Am Ostersonntag 1669 erhielt er die bischöfliche Weihe. 
Im Jahr 1669 wurde Bischof Maccioni das „Apostolische Vikariat des Nordens“ vom Papst übertragen und damit seine Jurisdiktion erheblich ausgeweitet. Zu dem ihm anvertrauten riesigen Gebiet gehörten die Städte Stockholm, Kopenhagen, Hamburg, Schwerin, Bremen, Minden, Hannover, Göttingen, Celle, Lüneburg, Braunschweig, Wolfenbüttel, Magdeburg, Halle, Berlin und Potsdam. Lebten hier auch nur wenige katholische Gläubige, so war es doch nach der Reformation der erste Versuch, die Katholiken seelsorglich zu betreuen. 

Bischofssitz Hannover

In Hannover, das im Mittelalter dem Bistum Minden angehört hatte, residierte nun zum ersten Mal ein Bischof. Als Seelsorger der jungen Gemeinde führte er bei einer der heiligen Messen am Sonntag den deutschen Gemeindegesang ein; von der ersten großen feierlichen Fronleichnamsprozession durch Hannovers Altstadt unter Teilnahme des Hofes wird 1670 berichtet. Alle Kosten, auch die Besoldung der Geistlichen und des Apostolischen Vikars, trug Herzog Johann Friedrich.
 
Nach dem Tod des ersten Apostolischen Vikars im Jahr 1676 blieb die junge Gemeinde nicht lange ohne Seelsorger. Wiederum auf Wunsch des Herzogs ernannte der Papst am 21.8.1677 einen Nachfolger: den dänischen Gelehrten und Naturwissenschaftlicher Niels Stensen. Durch seine Studien und durch Umgang mit katholischen Gelehrten, war der gläubige Lutheraner - Niels Stensen - in Kontakt mit der katholischen Welt gekommen. Nach jahrelanger, reiflicher Prüfung hatte er konvertiert.  Im November 1677 kam Niels Stensen nach Empfang der Bischofsweihe in Rom als zweiter Apostolischer Vikar des Nordens nach Hannover. Allein durch seine Erscheinung, seine Frömmigkeit und Armut und seine Freigebigkeit gegen Arme übte er einen nachhaltigen Einfluß aus und erwarb sich rasch die Hochachtung und Liebe vieler Menschen. In gelehrten Disputationen mit dem anderen Fürsten der Geisteswelt am Hofe - Leibniz - förderte er die Bestrebungen, die auf eine Union der Konfessionen hinzielten. An diesen Diskussionen nahmen auch geistliche Vertreter des evangelischen Bekenntnisses teil. Dieses segensreiche Wirken des Bischofs Niels Stensen nahm nach nur zwei Jahren ein jähes und unerwartetes Ende.
Portal der Basilika St. Clemens

Der Hof wird wieder protestantisch

Denn nach dem plötzlichen Tode Herzog Johann Friedrichs fiel das Fürstentum an dessen jüngsten Bruder Ernst August, der bis dahin als Lutheraner das Bistum Osnabrück regiert hatte. Die Schloßkirche wurde am 9.2.1680 für den katholischen Gottesdienst geschlossen. Stensen verließ den nunmehr wieder protestantisch gewordenen Hof. In den Folgejahren wirkte er in Münster, Hamburg und Schwerin. Er verstarb - erst 48jährig - im Jahr 1686. Ehe Weihbischof Niels Stensen Hannover verließ, ordnete er die Seelsorge neu. Die Betreuung der katholischen Bevölkerung übernahmen Jesuiten aus Hildesheim.
 
Herzog Ernst August und seine Gemahlin Sophie unterdrückten keineswegs die katholische Gemeinde - nur konnte diese jetzt nicht mehr den Anspruch auf die unter einem katholischen Fürsten innegehabten  Vergünstigungen erheben. In nüchterner Einschätzung dieses Tatbestandes riet Niels Stensen, Herzog Ernst August nicht zu bedrängen, da er ja auch Rücksicht auf seine Landstände nehmen müsse. Er hielt es aber für gut, daß die Gemeinde in Teile zerlegt würde. So mietete man in Privathäusern der Alt- und Neustadt größere Räume, die zu Kapellen eingerichtet wurden; 1682 finden wir jeweils eine für die italienisch, französisch und deutsch sprechenden Gläubigen - ein Spiegelbild der Internationalität der hannoverschen Gemeinde. Deutsch sprechende Katholiken waren zumeist Soldaten.

Die unter Herzog Johann Friedrich für die 

katholischen Kinder eingerichtete Volksschule wurde von den beiden jeweils in Hannover tätigen Jesuiten wieder eröffnet. 1684 wurden dort 70 Schüler unterrichtet. 1690 erwarb die katholische Gemeinde mit Zustimmung des Herzogs ein eigenes Haus in der Neustadt, in dessen Garten neben dem Haus eine Kapelle erbaut wurde. So war wieder ein katholischer Mittelpunkt mit Kapelle, Schule und Wohnung der Geistlichen geschaffen. Das Verhältnis zu den evangelischen Mitbürgern war vielfach freundlich im menschlichen Miteinander wie im theologischen Gespräch. Da auch der Kaiser in besonderes Interesse an der katholischen Kirche in Hannover nahm, wurde in einem Separat-Artikel bei den Kurverhandlungen 1692 festgelegt, daß der neue Kurfürst der Gemeinde in Hannover einen Bauplatz zuweise und den Bau einer Kirche erlaube. 

Verbot der Pfarramtshandlungen

Daß die vom Kaiser verlangte Garantie von großer Wichtigkeit werden sollte, zeigte sich bald. 1703 wurden den Priestern jegliche Pfarramtshandlungen untersagt. Taufen, Trauungen und öffentliche Beerdigungen durften nur durch die evangelischen Geistlichen vorgenommen werden. Keiner der Nachfolger Niels Stensens, die nie in Hannover wohnen konnten und sich dem Amt des Apostolischen Vikars nur neben anderen Verpflichtungen widmeten, vermochte hier Abhilfe zu schaffen.

Begründung und Neuordnung: Agostino Steffani

So richtete sich die Hoffnung der Katholiken Hannovers auf den 1709 neu ernannten Apostolischen Vikar: Agostino Steffani. Nach der Bischofsweihe kehrte er im November 1709 in die Stadt und an den Hof zurück, um die er sich bereits 1688 bis 1703 als Musiker und Diplomat große Verdienste erworben hatte. Kurfürst Georg Ludwig hob schon vor dessen Ankunft das Verbot der Pfarramtshandlungen auf. Hannover erlebte nach dem Weggang Niels Stensen zum erstenmal wieder einen Bischof bei 300 Firmungen am ersten Adventssonntag des Jahres 1709. Daß sich so rasch vieles änderte, war ausschließlich der Person des neuen Apostolischen Vikars zu verdanken, der auch nun wieder ein gern gesehener Gast bei Hofe war. Seine Hauptaufgabe sah Bischof Steffani darin, der katholischen Kirche eine dauernde Begründung und eine feste Ordnung, auch gegenüber der Regierung, zu geben. Grundlage der Verhandlungen bildete der Separatartikel, der bei der Erhebung des Herzogtums zum Kurfürstentum geschlossen war. Bischof Steffani griff mit Energie seine ersten Aufgaben an: Neuordnung der Seelsorge und rascher Kirchbau, damit die verstreute Gemeinde zusammenwachsen konnte. Von der katholischen Kirche war eine einzige Bedingung des Vertrages unerfüllt: die Seelsorge wurde noch von Ordensgeistlichen ausgeübt. Steffani versprach deshalb dem Kurfürsten, bald Weltgeistliche anzustellen. Im Gegenzug wurden die katholischen Priester steuerlich den evangelischen Geistlichen gleichgestellt. 1711-1728 waren in Hannover 16 Priester tätig. Viele seelsorgliche Reisen durch das hannoversche Kurfürstentum wurden unternommen. Wie früher war es auch jetzt Gewohnheit, auswärtige Geistliche zur Aushilfe zu holen; meist kamen die Zisterzienser aus Marienrode und die Kapuziner aus Hildesheim.

Eine Kirche für die Katholiken
Kuppel der Basilika 
St. Clemens,
im Vordergrund das Gebäude des Caritasverbandes Hannover e.V.
 


Kuppel von innen

Mit viel Tatkraft ging Steffani seine andere Aufgabe an: eine Kirche für die Katholiken Hannovers zu bauen. Es gelang schon 1710 ein Grundstück vor dem Clevertor zu erwerben. Bischof Steffani hatte bereits bei seiner Abreise von Rom im Mai 1709 eine große Anzahl von päpstlichen Schreiben mitgebracht, die man an einzelne geistliche oder weltliche katholische Fürsten sandte und in denen der Kirchbau in Hannover dringend empfohlen wurde. Noch niemals hatte ein Papst so viele Empfehlungsschreiben eines einzelnen Kirchbaues für eine mäßig große Gemeinde ergehen lassen, wie Clemens XI. es tat für Hannover. 

Nach erheblichen finanziellen Schwierigkeiten erhielt der Hofarchitekt Thomaso Giusti 1713 den Auftrag, eine Kirche zu bauen. Wegen Geldmangels mußte nur auf die geplante Kuppel verzichtet und ein einfaches Tonnengewölbe eingezogen werden. Am 4. November 1718 konnte der Apostolische Vikar die Kirche weihen. Aus Dank für die große Hilfe des Papstes Clemens XI. wurde als Kirchenpatron St. Clemens gewählt. 

Agostino Steffani festigte als Apostolischer Vikar und letzter in Hannover residierender Bischof die katholische Kirche. Er ordnete und gab der zerstreuten Gemeinde in einer Kirche mit Pfarrhaus und Schule einen Mittelpunkt katholischen Lebens, der sich bis hin zu den Zerstörungen des 20. Jahrhunderts erhalten sollte.

Unter Hildesheimer Verwaltung

Nach Bischof Steffanis Tod wurde dem Nachfolger abgeschlagen, in Hannover zu wohnen. Im Jahr 1739 kam es überdies zu einer offenen Auseinandersetzung zwischen ihm und der Regierung, die sich darüber beschwerte, daß sich der Bischof „Apostolischer Vikar“ nenne. 
Der Papst übertrug vom Jahr 1780 an das „Vikariat des Nordens“ dem jeweiligen Fürstbischof von Hildesheim, der somit das Erbe eines Niels Stensen und Agostino Steffani antrat. Damit wurde die katholische Gemeinde Hannover erstmalig in ihrer Geschichte von der nur 30 km entfernt gelegenen Bischofsstadt verwaltet.

Die Zahl der Hofbeamten verringerte sich ständig. Auch die Zusammensetzung der Gläubigen änderte sich grundlegend. Das Bild der Gemeinde prägten mehr und mehr die aus den katholischen Gebieten des Stiftes Hildesheim, des Eichsfeldes und des Bistums Paderborn Zugezogenen. Sie bewirkten, daß die katholische Kirche in Hannover das Fremdländische abstreifte. Die Gemeindezahl sank im Verlauf des 18. Jahrhunderts und im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts ständig. 1817 waren nur noch zwei statt bisher drei Priester tätig. 

Eingliederung in die Diözese Hildesheim
 
Nach der Neuordnung Europas im Wiener Kongreß (1815) wurde das Gebiet des Königreiches Hannover auch kirchlich neu geordnet, indem 1824 zwischen den Bistümern Osnabrück und Hildesheim - den einzigen Bischofssitzen im Land - aufgeteilt wurde. Die Grenze bildete die Weser.
Danach war die katholische Kirche in Hannover nicht mehr unmittelbar dem Papst in der „Nordischen Mission“ unterstellt, sondern in die neu umschriebene Diözese Hildesheim eingegliedert, der sie seither angehört. Hannover galt als so schwierige Diasporagemeinde, daß 1828 nacheinander zwei Priester das Angebot, hier Seelsorger zu werden, ablehnten, obwohl ihnen eine spätere Beförderung versprochen war, weil „Verdruß jeder Art zu fürchten sei“. Am 18.7.1825 wurde die Clemensgemeinde zur Pfarrgemeinde erhoben. 

Wachsen der Gemeinde

Das um 1850 einsetzende sprunghafte Wachsen der Hauptstadt Hannover 

hatte ein rasches Wachsen der katholischen Gemeinde zur Folge, deren Gemeindezahl sich vom Jahr 1852 bis zum Jahr 1885 annähernd verzehntfachte. Besonders in den Gründerjahren strömten zahlreiche Arbeitskräfte in die neu entstehenden Fabriken. Da die Stadt Hannover wegen der damit verbundenen Lärm- und Schmutzbelästigungen vielfach die Ansiedlung der Industrie unterband, wich diese in die Vororte nach Döhren und vor allem nach Linden aus. Deshalb entstanden hier ganze Kolonien katholischer Arbeiterfamilien, besonders aus dem katholischen Eichsfeld. Andere Gruppen kamen, gleichsam mit den neuen Maschinen importiert, aus dem wirtschaftlich fortgeschritteneren Rheinland und Westfalen, kleine Gruppen aus dem Stift Hildesheim und dem osnabrücker Raum - wiederum ein buntes Bild der hannoverschen Gemeinde, das zudem sehr gegenwartsnah anmutet. Außerdem stellte sich für die Priester der einzigen katholischen Kirche im Raum Hannover, St. Clemens, das heutige Problem des „Großraumes Hannover“ bereits vor über 100 Jahren! Denn es mußte das weite Gebiet um die Stadt seelsorglich mit betreut werden. Die nächsten katholischen Gemeinden waren in Celle, Nienburg, Hameln und Hildesheim. 

Dynamische Entwicklung

Die Einwohnerzahl wuchs rapide weiter. 1905 hatte die Stadt Hannover bereits 250 024, die Nachbarstadt Linden 57 941 Einwohner. So war es dringend geboten, neue Gemeinden zu gründen. Nach den Kriegswirren wurde 1872 festgelegt, daß in der Nachbarstadt Linden die zweite katholische Kirche gebaut werden solle. 1874 konnte sie zu Ehren des heiligen Bischofs von Hildesheim „St. Godehard“ geweiht werden.

Weiterhin galt es, in der Stadt Hannover und in ihrem Bannkreis einen Kranz von Kirchen zu bauen, um der großen Not abzuhelfen. Ein erster Ring wurde in den Jahren 1890-1902 gelegt: 1890 St. Marien, 1893 St. Bernward, 1895 St. Elisabeth, 1902 St. Benno. Diese Kirchen bildeten sogleich neue Außenstationen. Da die atemberaubende Entwicklung anhielt, mußte bald ein zweiter, weiter gezogener Kreis von katholischen Kirchen um die Mutterkirche St. Clemens gelegt werden: 1905 Herz-Jesu-Kirche in Misburg, 1911 St. Bonifatius in Gehrden, 1912 St. Josef in Hannover, 1913 Dreifaltigkeits-Kirche in Seelze.

Der oben skizzierte Kirchbau macht die ungeheure Dynamik des Wachsens der katholischen Kirche in diesen Jahren deutlich. Es galt nun, sie in ihrer Organisation und in ihrem inneren Ausbau zu stärken.

Dekanat Hannover

Die Jahre 1893 bis 1895 bilden hier einen Abschluß und zugleich einen Neubeginn. Durch Schreiben vom 10. Mai 1894 verlieh Papst Leo XIII. der St. Clemens-Kirche als Mutterkirche der katholischen Gemeinde die Würde einer Propstei; 1895 wurde das Dekanat Hannover gegründet. Der Propst wurde zugleich zum Dechanten bestellt. 

Die 1892 im Bistum Hildesheim gegründete Kongregation der Barmherzigen Schwestern (Vinzentinerinnen) entsandten ihre ersten Mitglieder 1862 nach Hannover. 1882 richteten sie ein Krankenhaus, das Vinzenzstift, ein, das bis auf den heutigen Tag besteht (in Kirchrode). Später kamen zahlreiche Niederlassungen hinzu.

Ursulinen übernahmen im Jahr 1860 eine 1853 gegründete höhere katholische Töchterschule, die sie - mit Unterbrechung durch die Verbote Bismarcks und Hitlers - noch heute leiten. 
Das kirchliche Vereinsleben stand an der  St. Clemens-Kirche in Blüte: Borromäusverein, Katholisches Kasino, Kolping Gesellenverein, St. Josefs Männerverein, Kaufmännischer Verein, Bernward Meisterverein. Ein katholisches Gesellenhaus bot 120 Gesellen ständige Wohnung. Der Volksverein eröffnete ein Büro im katholischen Vereinshaus, um in regelmäßigen Sprechstunden seinen Mitgliedern Auskunft und Rat zu erteilen. An der Technischen Hochschule und der Tierärztlichen Hochschule entstanden die ersten katholischen Studentenverbindungen. 
Nach dem Beispiel dieser Vereine entwickelte sich in den anderen katholischen Gemeinden ein reges kirchliches Leben. 

Neue Gemeinden

Die fortschreitende Technik ließ immer neue Werkshallen entstehen. Da aber die Menschen aus deutschen Landen die Arbeiter nicht stellen konnten, die man brauchte, wurden aus den polnischen Gebieten, die zu Preußen gehörten, die ersten „Gastarbeiter“ angeworben, die in der Landwirtschaft rings um Hannover, im Kanal- und Eisenbahnbau und in der Zementindustrie Misburgs beschäftigt wurden. Polnisch sprechende Priester betreuten sie. Ein erster polnischer Verein, St. Kasimir, wurde 1890 bei der St. Clemens-Kirche gegründet. Später entstanden aus den Ansiedlungen dieser Familien neue Gemeinden, wie z.B. die Herz-Jesu-Gemeinde in Misburg. Hannover wuchs weiter. Hatte die Zahl der Katholiken 1885 im Großraum Hannover 17 000 betragen, so war sie bis zum Jahr 1916 auf 47 300 gestiegen! Sie hatte sich in drei Jahrzehnten verdreifacht. 

Große seelsorgerische Aufgaben hatte die katholische Kirche in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen zu lösen - noch größere, wenn auch anders geartete, wurden ihr nach 1945 abgefordert. Von 1919 bis 1939, beginnend nach den Jahren der Inflation, wurde das Netz der Kirchen und Kapellen weiter ausgebaut. 

Besonders erwähnenswert ist, daß sich in Hannover zum ersten Mal wieder Ordensmänner niederließen. Franziskaner gründeten ein Kloster und die Pfarrkirche  St. Bruder Konrad (1928). In der überpfarrlichen, außerordentlichen Seelsorge wirkten seit 1928 Jesuiten. Ihr Haus mit der Herz-Jesu-Kapelle wurde bald ein Mittelpunkt katholischen Lebens. Doch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Jahre 1919-1932 und die politischen der Jahre 1933-1945 erschwerten den großzügigen Ausbau des Kirchensystems sehr.

Krieg und Wiederaufbau

Im zweiten Weltkrieg wurden von den neun Pfarrkirchen sechs völlig zerstört, die restlichen drei erheblich beschädigt. In die gleichfalls weitgehend zerstörte Stadt strömten nach Kriegsende die Evakuierten und Ausgebombten, die Vertriebenen und Flüchtlinge. Hannovers Hauptbahnhof erhielt als „Umschlagsplatz“ legendären Nachkriegsruhm. Ungeheure Aufgaben hatten die „Caritas“ und die „Bahnhofsmission“ allein in der Betreuung der vielen Flüchtlingstransporte. 

Infolge des zweiten Weltkrieges war die Anzahl der Katholiken in der Region Hannover durch Heimatvertriebene und Flüchtlinge erheblich gestiegen. Es waren neue Pfarrvikarien gegründet worden und vielerorts entstanden katholische Gotteshäuser. Diese Entwicklung machte eine völlige Neuordnung der alten Dekanatsstrukturen notwendig.

Dekanatsneugliederung

Bereits 1945 hatte sich das „Kuratorium der Katholikenausschüsse in der Stadt Hannover“ mit dem Ziel konstituiert, als Repräsentant der Laien kirchliches Leben mitzugestalten, die Interessen der Katholiken nach außen zu vertreten und auch in die politische Entwicklung einzugreifen. Ebenso waren als wichtiger Träger der caritativen Arbeit der örtliche Caritasverband und der Diözesancaritasverband wieder aufgebaut worden. Direkt in den Gemeinden konnten die kirchlichen Vereinigungen nach der Zeit ihres Verbotes während der NS-Zeit die Arbeit wieder aufnehmen.

Als die Anzahl der katholischen Seelsorgestellen infolge der günstigen Wirtschaftsentwicklung weiterhin gestiegen war, nahm Bischof Heinrich Maria Janssen (1957-1982) im Jahr 1958 eine weitere Dekanatsneugliederung vor. Hannover teilte er sektorenmäßig in drei Dekanate: Hannover-Mitte, Hannover-Nord und Hannover-Linden. 

Neben den Heimatvertriebenen waren es zunächst die Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone, die 1961 42% der hannoverschen Katholiken stellten. Aufgrund der seit Ende der fünfziger Jahre spürbaren Arbeitskräftemangels in der Bundesrepublik setzte der Zuzug von Katholiken aus Italien, Spanien, Portugal und dem ehemaligen Jugoslawien ein, deren Anteil an der katholischen Bevölkerung der Stadt Hannover 1979 mit 12.000 ca. 12% der Katholiken betrug. Das Bistum Hildesheim richtete ihrer Nationalität entsprechende Seelsorgestellen mit Sitz in Hannover ein.

Ein Bischof für Hannover

Als Bischof Heinrich Maria Janssen im Jahr 1967 den Hildesheimer Weihbischof Heinrich Pachowiak zum Bischofsvikar in Hannover ernannte, war es ungewöhnlich, daß eine der Bischofsstadt benachbarte und mit ihr im gleichen Bundesland liegende Stadt einen Bischof erhielt. Die Seelsorgesituation machte dies jedoch erforderlich. Denn in den 60 selbständigen Gemeinden des Großraums Hannover lebte damals ein Fünftel aller Katholiken des Bistums Hildesheim. Der Großraum mußte kirchlich enger zusammengefaßt werden, so daß hier neue Initiativen entstehen und regionale Probleme gelöst werden konnten.

Weihbischof Heinrich Pachowiak nahm sich dieser Aufgabe in der Region an. Fast zwei Jahrzehnte prägte er das Bild der katholischen Kirche in der Region Hannover. Besonders die ökumenische Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche förderte der Weihbischof.

Katholische Kirche in der Region Hannover (Dekanat Hannover)

Zusammen mit der Schaffung des Bischofvikarsamtes war mit Wirkung vom 1. Oktober 1967 die Region Hannover de facto errichtet worden. Nachfolger des Weihbischofs Heinrich Pachowiak wurde 1986 Propst Dr. Joop Bergsma, der als Regionaldechant die aus nunmehr sechs Dekanaten bestehende Region Hannover leitete. Der Regionaldechant übernahm - wie der Bischofsvikar - die Aufgaben im Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden in Hannover, wo er Vorsitzender und zugleich geborenes Mitglied des Caritasverbandes ist. Die Aufgaben als Regionaldechant legte Bischof Josef Homeyer (seit 1983) im 1993 herausgegebenen Statut für die Region Hannover im Bistum Hildesheim fest. Dr. Joop Bergsma wurde 1996 von Propst Klaus Funke im Amt des Regionaldechanten abgelöst. Er ist gleichzeitig Vorsitzender des Dekanatspastoralrates der Region Hannover.

In der Region Hannover (Stadt Hannover und Landkreis Hannover sowie Teile des Landkreises Nienburg) leben heute 160.000 katholische Christen (einschließlich ca. 16.000 Katholiken anderer Muttersprache) in 43 katholischen Kirchengemeinden. Eine Umstrukturierung der kirchlichen Region ist eingeleitet. Ab 2012 werden in der Region Hannover noch ca. 20 Gemeinden verbleiben.

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EINRICHTUNGEN DER KATHOLISCHEN KIRCHE

Katholische Kirche in der Region Hannover (Dekanat Hannover)
Clemensstraße 1
30169 Hannover
T. ( 0511) 16405-40 
FAX ( 0511) 16405-55

[ka : punkt]
Katholischer Kirchenladen in der City
Information - Begegnung - Beratung
Grupenstr. 8
30159 Hannover
T. ( 0511) 270 739-0

Hauptkirche: 

Propsteikirche St. Clemens, 
Goethestr. 33 
30169 Hannover
T.( 0511) 16405-20

Dekanatspastoralrat der Region Hannover
Clemensstraße 1 
30169 Hannover 
T. ( 0511) 16405-43

Caritasverband Hannover e.V. 
Leibnizufer 13-15 
30169 Hannover
T. ( 0511) 12600-0

Katholisches Internationales Zentrum (KIZH)
Marschnerstr. 34
30167 Hannover
T. ( 0511) 169 0317

Missione Cattolica Italiana 
Weidendamm 25 
30167 Hannover, 
T. ( 0511) 716089

Kroatische Katholische Mission
Vordere Schöneworth 10
30167 Hannover 
T. ( 0511) 708426

Polska Misja Katolicka 
Stilleweg 12 B 
30655 Hannover 
T. ( 0511) 6498504

Mision Catolica Espanola 
Paulstr. 13 
30167 Hannover 
T. ( 0511) 714852

Kathatholisch-Ukrainische Gemeinde St. Wolodymyr
Hannoversche Str. 122 
30627 Hannover
T. ( 0511) 573798
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KONTAKTADRESSE

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Internet-Anschrift:

Homepage: www.kath-kirche-hannover.de
eMail: info@kath-kirche-hannover.de
 

LITERATUR

Antes, Peter:
CHRISTENTUM -  EINE EINFÜHRUNG, 
Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1985

Bistum Hildesheim (Hrsg.):
HANDBUCH DES BISTUMS HILDESHEIM, 2 TEILE,
TEIL 2: REGION HANNOVER.
Hildesheim 1995

Homeyer, Josef/Steins, Georg:
KIRCHE - POSTMODERN "ÜBERHOLT"?
ERFAHRUNGEN UND VISIONEN IN EINER ZEIT DES UMBRUCHS,
München 1996

Knauer, Peter:
UNSEREN GLAUBEN VERSTEHEN,
Würzburg 1996

Küng, Hans:
DIE KIRCHE:
München 1977
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letzte Aktualisierung: 27. Dezember 2007

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