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Deutschsprachiger Muslimkreis
Hannover
SAMI KHAIRY
Die
besondere Situation des Dialogs
in Hannover |
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Der Dialog in Hannover (
im Kleinen Kreis ) ist mindestens 20 Jahre alt. Anfang 80ger
Jahre: Islam – Kreis in Limmer Thema: Friedhof. Für den
Kirchentag in Hannover 1983 gab keinen Islamischen Ansprechpartner.
Von der türkischen Gemeinde( Atalay) wurde Tag der Begegnung vier
Jahre geplant für vier Tagen mit dem Thema Religionsunterricht an
den deutschen Schulen für Muslime auf deutsch.
Der Attache des türkischen
Konsulats (Sayilir), der DITIP- Moscheen unter sich hat, war ein neuer
Ansprechpartner für die christliche Gemeinde.
Anstoß: Salman
Rushdie Es wurde gemeinsame Erklärung erarbeitet, die dann nicht veröffentlicht
wurde auf Wunsch des Konsuls. Aber es ergab sich Dialog über
verschiedene Themen: Familie, Drogen und Jugendkriminalität.
Wegen Sprachschwierigkeiten und Wechsel des Attaches wurde der Dialog nicht
weiter geführt.
Neuer Anstoß war der
Golfkrieg 1990 : Als Spielball der Großmächte im Iran
- Irak Krieg fühlte sich Saddam Hussein allein und an die Wand gedrängt.
Ihm blieb lediglich das Mittel „Aufruf zum Dschihad“ um auch sein kriegsmüdes
Volk zu begeistern.
Die Welt war erschüttert
und die Bevölkerung hatten Angst um den Frieden.
In vielen Pfarrkonventen
war der Islam plötzlich das haupt Thema. Der Islam wurde von
Christen für Christen erklärt. Aus der Angst um den Frieden wurde
gemeinsamen Friedensgebet im Pavilion arabischen Muslime mit Christen und
Juden für den Frieden regelmäßig gebetet. Es entstand
ein kleiner Gesprächskreis, der sich über einige Jahre noch getroffen
hatte.
1993 die Brandanschläge
auf Asylbewerberheime (Sollingen) führten zu Empörungen und Gründung
eines Aktionskreises der Kulturen und Religionen in Hannover.
1993 war der große
Sternmarsch gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass, der 120
000 Menschen in Hannover auf die Straße brachte, noch von einer Gruppe
deutscher und ausländischer Persönlichkeiten initiiert worden.
1994 und 1995 übernahm
der Aktionskreis die Gestaltung dieses Kampfes für Frieden und Toleranz
und gegen die Ausgrenzung der Fremden und stellte die Veranstaltung am
4. Advent auf ein Zusammenspiel von dezentraler Begegnung und zentraler
Abschlusskundgebung um. Dass die verschiedenen Religionsgemeinschaften
Subjekt auch des politischen Handelns in der Stadt würden, war dem
Aktionskreis wichtig.
1994 und 1995 fanden
auch verschiedene „Tage der Begegnung“ unter großer Beteiligung der
hannoverschen Bevölkerung im buddhistischen Tempel in Mittelfeld,
in der jüdischen Synagoge, in der Moschee in der Stiftstraße
und im katholischen Clemenshaus statt. Der Aktionskreis befindet
sich gegenwärtig in der zweiten Phase einer vertieften Annäherung
der Religionsgemeinschaften aneinander: durch Seminare über das unterschiedliche
Verständnis der Heiligen Schriften (1996) und der verschiedenen Betrachtung
der Vatergestalt des Abraham in den abrathamitischen Religionen (1997)
soll das Glaubensgespräch über die Religionsgrenzen hinaus gefördert
werden. In Vorbereitung auf das erhoffte große Religionsgespräch
auf der EXPO im Jahr 2000 hat der Aktionskreis weitere Großveranstaltungen
geplanen und durchgeführt.
Ferner wurde Tag der Begegnungen
in verschiedenen religiösen Stätten in Hannover : Synagoge, Pagode,
Kirche und Moschee in Zusammenarbeit mit der Stadtakademie
Geplant für gemeinsame
Dialog über bestimmten religiösen Themen z.B. Wenn Gott spricht,
Abraham , Menschenwürde usw.
In der Gemeinde Ahlem findet
seit drei Jahren Dialoge auf Gemeindeebene mit Kannenlernen über die
Themen Menschenbild, Sünde und Vergebung.
Auch gemeinsame feiern des
Fastensbrechens und Adventsfeier.
In der Region HANNOVER
wurde am 19.01.1995 die Weltkonferenz der Religionen für den
Frieden ( WCRP) gegründet.
Seit einigen Jahren bemühen
sich Aktionskreis und WCRP / Hannover, einen Beitrag zu einem besseren
Verständnis zwischen Menschen verschiedener Religionen und Kulturen
in unserer Stadt zu leisten und einen interreligiösen Dialog an der
Basis zu führen. Ziel aller Aktionen und Gesprächsrunden ist
die Förderung von Toleranz und Akzeptanz der unterschiedlichen religiösen
und weltanschaulichen Auffassungen, um ein friedliches Miteinander im gesellschaftlichen
Leben zu ermöglichen. Damit soll auch ein wirksames Zeichen gegen
Fremdenfeindlichkeit gesetzt werden.
Darüber hinaus haben
wir in unseren interreligiösen Gesprächskreisen aber auch erfahren,
dass bei der Beschäftigung mit anderen Religionen nicht nur der eigene
Horizont erweitert und Verständnis für das Fremde geschaffen
wird, sondern auch die eigene Religion in einem neuen Licht gesehen, Wesentliches
klarer erkannt und das eigene religiöse Bewusstsein durch den Dialog
mit den anderen entscheidend bereichert wird.
Die Zusammenarbeit der verschiedenen
Religionsgemeinschaften im Aktionskreis der Religionen und Kulturen hat
zu einem erkennbaren Zuwachs nicht nur an Erkenntnissen übereinander,
sondern auch an Vertrauen zueinander gebracht. Die Erkenntnis, dass die
Zukunft der Menschheit sehr stark an einem wachsenden Verständnis
zwischen den großen Religionen der Welt abhängt, dass Weltfriede
und Religionsfriede einander bedingen, ist der starke Impuls, der die Arbeit
des Aktionskreises weiterhin trägt.
Am 29. September 2001, in
der Universität Hannover wurde der Islamischer Religionsunterricht
(IRU ) - Arbeitskreis in Niedersachsen erfolgreich gegründet.
Am 3. Oktober 2001 wurden
die Türen der Moscheen weit geöffnet in Hannover und bundesweit
für den Tag der offenen Moschee geöffnet als Ausdruck der Durchlässigkeit
und Offenheit für den Dialog in der Gesellschaft.
Nach vorbereitenden Gesprächen
mit dem Kultusministerium und unter verschiedenen muslimischen Einrichtungen
im Sommer 2001 haben 38 muslimische Verbände und deutschsprachige
pädagogische Fachkräfte aus Niedersachsen jetzt den Arbeitskreis
Islamischer Religionsunterricht in Niedersachsen (AK-IRU) "aus der
Taufe" gehoben.
Dieser soll als Repräsentant
der großen Mehrheit der Muslime in Niedersachsen für die nächste
Zeit ständiger Gesprächspartner für das Kultusministerium
bei den vorbereitenden Arbeiten zur landesweiten Einführung des islamischer
Religionsunterrichts in den öffentlichen Schulen und eventueller Modellversuche
zum Islamischer Religionsunterricht sein.
Die Ereignisse vom 11.
September 2001 brachte Feindschaft und Hass gegen Islam und den Kampf
gegen den Terrorismus und für eine neue innere Weltordnung.
Wie erleben die Muslime
die Situation nach den Ereignissen vom 11.September?
Vereinzelt ist es in Hannover
zu Feindseligkeiten gegenüber hier lebenden Moslems gekommen. "Man
hat uns bespuckt, manche wurden in Läden nicht mehr bedient."
Nur wenige suchen das Gespräch
mit uns, manche üben sich im Ignorieren oder verteilen böse Blicke.
Und manchmal gibt es auch Beschimpfungen oder verächtliche Worte und
üble Anrufe.
Umsatzrückgänge
bei türkischen Geschäften wurden festgestellt von dem Bund Türkisch-europäischer
Unternehmer.
Nach Beginn der Rasterfahndung
werden Muslime massiv diskriminiert
Letztendlich hat die
Rasterfahndung in Hannover nichts gebracht als Unruhe und Ängste.
Kurz gesagt: Die meisten
Muslims leben in Angst.
Die Muslime sind enttäuscht
über die Weltmacht, die selber für ihre eigenen wirtschaftlichen
Interessen sorgt. Busch 1990 hatte nach dem Einmarsch in Iraq
eine neue Weltordnung versprochen, die bis heute noch nicht eingetreten.
Die Selbstopferattentäter in Palästina ist der Protest für
diese nicht eingetretene neue Weltordnung.
Die Muslime habe der Glaube
an die weltliche Gerechtigkeit verloren.
Sie haben das Gefühl,
dass sie als Sündenbock für den Terror in dieser Welt sind.
Sie verlieren langsam
an der Glaube und die Ideale der westlichen Demokratien.
Infolge dessen wurden viele
Veranstaltungen, Gespräche und Dialoge über die Ereignisse vom
11. September 2001 im Stande gekommen.
Am 3. Oktober wurde als
ein Tag der offenen Türe für die Moschee, um ein Zeichen zusetzen
„ wir haben nichts zu verstecken.“
Der
Islam verpflichtet uns zum Frieden, Liebe und Ehrlichkeit. Hier sind einige
überlieferte Aussprüche des Propheten.
Der Prophet Mohammed (Friede
sei mit ihm.) sagte:
'GOTT
hat keine Barmherzigkeit für jemanden, der keine Barmherzigkeit für
andere hat.'
'Niemand
von euch ist ein wahrer Gläubiger, bis er seinem Bruder das Gleiche
wünscht wie sich selbst.'
'Wer
sich satt ißt, während sein Nachbar hungrig ausgeht, ist kein
Gläubiger.'
'Der
ehrliche und vertrauenswürdige Geschäftsmann befindet sich in
der Gesellschaft der Propheten, Wahrhaftigen und Märtyrer.'
'Stark
ist nicht, wer den anderen niederschlägt, sondern wirklich stark ist,
wer sich im Zorn beherrscht.'
'GOTT
richtet nicht nach eurem Äußeren, sondern Er schaut in eure
Herzen und sieht eure Taten.'
'Ein
Mann ging seines Weges und fühlte großen Durst. Als er zu einem
Brunnen kam, stieg er hinab, stillte seinen Durst und kam wieder herauf.
Da sah er einen Hund, dessen Zunge heraushing und der den Schlamm leckte
um seinen Durst zu stillen. Dem Mann wurde bewusst, dass der Hund den gleichen
Durst empfand, wie er selbst. Er stieg nochmals in den Brunnen herab, füllte
seinen Schuh mit Wasser und gab es dem Hund zu trinken. Für diese
Tat vergab GOTT ihm seine Sünden. Der Prophet (friede sei mit ihm)wurde
gefragt: 'Gesandter GOTTES, werden wir für unsere Güte gegenüber
Tieren belohnt?' Er sagte: 'Es gibt eine Belohnung für die Güte
gegenüber jedem Lebewesen.'
Aus den Hadithsammlungen
von Buchari, Muslim, Tirmidhi und Bayhaqi.
- Warum ist die Akzeptanz
der Fremden in Deutschland schwieriger als in den anderen europäischen
Ländern? Wir haben einen ständigen Kampf gegen
Klischees.
Die zweite und dritte
Generation der Ausländer
Besonders problematisch
ist die Situation für die Jugendlichen und jungen erwachsenen muslimischen
Mitbürger. Sie geraten zunehmend in Konflikte durch das, durch die
islamische Tradition geprägte, elterliche Erziehungsideal und dem
diesen Ansprüchen völlig entgegenstehende Erziehungsideal der
westlichen Gesellschaft und deren Lebensweise. Durch ihre guten Deutschkenntnisse
und durch das sich innerhalb der schulischen Ausbildung herausgebildete
Selbstbewusstsein, fällt ihnen in der Familie die Aufgabe zu, zwischen
den Kulturen zu vermitteln. Viele Jugendliche werden überfordert durch
Dolmetschertätigkeiten, Erledigungen von Behördengängen
etc. Die neue Generation befindet sich in einer Umbruchsituation,
entfremdet sich in zunehmenden Maße von den familiären Vorstellungen
und sucht in der deutschen Gesellschaft, die sie zum großen Teil
geprägt hat, nach Identifikationsmöglichkeiten. Die
Entwicklung eigener Lebensvorstellungen stürzt sie in tiefe Identifikationskrisen,
sie sind zwischen den Aufprall zweier Welten geraten, die sich selbst und
der Lösung ihrer Probleme noch hilflos gegenüber stehen.
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