RELIGIONEN IN HANNOVER
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Evangelisch-lutherische Landeskirche - Stadtkirchenverband

HANS WERNER DANNOWSKI
 
Geschichte
Zur Reformation Martin Luthers
Glaubensauffassung der Lutheraner
Die Gemeinden in Hannover
Kontaktadresse
Literatur
Marktkirche
Fotos: Ewald Wirth, 2002
GESCHICHTE

Hannover war zu der Zeit, als die Evangelisch-lutherische Kirche entstanden ist, eine Stadt mit 5.000 Einwohnern. Das war nicht viel, aber es war auch nicht wenig, wenn man bedenkt, daß Städte mit 20.000 Einwohnern damals schon als Großstadt gelten konnten. Die Stadt war von Stadtmauern umschlossen, es war die heutige Altstadt. Und vier große mittelalterliche Kirchen ragten aus dem Gewirr der kleinen Häuser  in den Himmel: die Marktkirche, die Kreuzkirche, die Aegidienkirche und das Franziskanerkloster (an der Stelle, an der heute Schloß bzw. Landtag stehen).

Die Reformation in Hannover 
 
Luther hatte 1517 in Wittenberg seine reformatorische Wiederentdeckung des Evangeliums, daß der Mensch gerecht werde allein durch Gottes Gnade, durch seinen Thesenanschlag ins Gespräch gebracht. Luthers Schriften und Lieder kamen schon bald nach Hannover, aber die Einführung der Reformation geschah erst, als schon die meisten anderen Städte sich der Reformation angeschlossen hatten.

Zwei Dinge kennzeichnen die Einführung der lutherischen Lehre in Hannover. Wie in allen anderen Orten ist die Einführung der reformatorischen Lehre kein isoliert religiöser Vorgang, sondern verbunden mit sozialen und gesellschaftlichen Umwälzungen. Die im Rat unterrepräsentierten sog. "kleinen Ämter'', wie die Kramer und Wollenweber und die "Meinheit" als der Zusammenschluß der Bürger, die keiner Zunft angehörten, waren die Träger der reformatorischen Bewegung. So taucht in den 39 Artikeln der Meinheit, die 1532 als Petitionsschrift an den Rat der Stadt den Umschwung einleiten, die Forderung nach

der Predigt des "lauteren Evangeliums", nach "gelehrten Predigern" und nach der Erlaubnis der 
freien Bibellektüre mitten unter anderen Beschwerden auf, die auf Fragen des Fischfangs, der Viehhaltung, des Schützenfestes und des freien Weiderechtes eingehen. - Der andere herausragende Sachverhalt ist spezifisch für Hannover: die evangelisch-lutherische Lehre ist hier vom "Volk" von unten her durchgesetzt. Herzog Erich I., der ganze Rat und die gesamte Geistlichkeit standen auf der Seite der "alten Lehre". Kein einziger Theologe ist in Hannover auf Seiten der lutherischen Bewegung gewesen. Der erste lutherische Prediger mußte durch Luther von Braunschweig nach Hannover geschickt werden.
 
Die Einführung der Reformation vollzog sich in einem dramatischen, aber unblutigen Aufstand der Bürger dieser Stadt. Von dem Schwurverbund der Bürgeropposition auf dem Marktplatz vor dem Rathaus, neben der Marktkirche am 26. Juni 1533 ist uns ein anschaulicher zeitgenössischer Bericht überliefert. Darin heißt es u.a.: "Als man nun auf dem Markt zusammengekommen war, ist der Worthalter der gemeinen Stadt, mit Namen Diderik Arnsborch auf einen Block gestiegen und hat folgendes gesagt: Alle diejenigen, die vorhaben und fortan ein 'evangelischer Bruder' sein wollen, und wer den anderen nun als getreuen Bürger lieben will und
bei dem Evangelium Jesu Christi beständig bleiben will und dafür Leib und Gut einsetzen und nun im Namen Gottes fortfahren will, daß der ein sichtbares Zeichen... gebe und eine Hand in die Höhe aufhebe. Und das ist so geschehen. Und so kamen die Bürger diesen Tag wieder zur Einigkeit". Ferdinand Hodler hat diese entscheidende Szene in der Geschichte Hannovers in einem großen Gemälde gemalt, das im Hodler-Saal des Neuen Rathauses zu sehen ist. Der alte Rat und die Geistlichkeit flohen nach Hildesheim. Rat und Kirchenwesen wurden reorganisiert und in Stadtordnungen ab 1534 und in der Kirchenordnung des Urbanus Rhegius von 1536 festgeschrieben. Hannover war nun auf einhundert Jahre eine rein evangelisch-lutherische Stadt. 
 
Orthodox lutherische Altstadt und religiös tolerante Neustadt

Das begann sich, zunächst ganz langsam, zu ändern, als Herzog Georg I. seine Residenz 1636 nach Hannover legte. Da kamen Architekten, Künstler, Musiker aus anderen, meist katholischen Ländern; Herzog Johann Friedrich, einer seiner Söhne, der zum katholischen Glauben übergetreten war, kam für einige Jahre an die Regierung. Dies blieb eine Episode. Aber mit Kurfürstin Sophie kam eine Reformierte nach Hannover und gewann großen Einfluß. Und so spaltete Hannover sich konfessionell und geistig immer mehr in eine orthodox lutherische Altstadt, in der Angehörige anderer Konfessionen bis ins 19. Jahrhundert hinein noch keinen Grundbesitz erwerben durften. Und eine, vom Hof bestimmte, religiös tolerante Neustadt,  in der es am Ende des 19. Jahrhunderts sogar eine geheime "Straße der Toleranz" gab, mit der Reformierten und der Lutherischen Hof- und Stadtkirche, der großen jüdischen Synagoge und der katholischen Clemenskirche. 

Gesellschaftliche und kirchliche Umwälzungen

Das 19. Jahrhundert ist nach dem 16. Jahrhundert wieder das Jahrhundert der großen gesellschaftlichen und damit auch der kirchlichen Umwälzungen. Um 1830 hat Hannover' als Residenzstadt fast noch einen kleinstädtischen Charakter. Die Volkszählung von 1826 zählt 27.800 Einwohner, von denen 26.600 lutherisch sind. Die Lutheraner verteilen sich auf  die Marktkirche (6000 Gemeindeglieder), auf die Aegidienkirche und die Neustädter Kirche (je 4000), auf die Kreuzkirche (2000), auf die Garnisonkirche als Militärgemeinde (5000 Gemeindeglieder!), die Schloß- und Gartenkirchengemeinde ( je 2000) und die Steintorgartengemeinde, die nach Hainholz eingemeindet ist (1300 Gemeindeglieder). Die Stadt und das Leben in den Kirchengemeinden ist überschaubar.

Hier setzt nun um 1840/50 durch die industrielle Entwicklung, durch die Umwälzungen im Handels- und Verkehrswesen, durch den Umbau des Geld- und Kreditwesens, durch das Gesetz über Freizügigkeit und freie Wahl des Wohnsitzes eine Entwicklung ein, die innerhalb von 60 Jahren das Bild dieser Stadt von innen und außen total verändert und die die Erinnerung an das alte Hannover wie einen fernen Traum erscheinen läßt. 1856 hat sich die Einwohnerzahl von Hannover verdoppelt, 1875 sind die ersten 100.000 überschritten. Die Volkszählung von 1890 stellt eine Einwohnerzahl von 63.593 fest, und weitere Eingemeindungen wie weiteres Wachstum stehen vor der Tür.
 

 Im gleichen Umfang wachsen die lutherischen Gemeinden. Die Christuskirchengemeinde hat bei ihrer Gründung bereits 16.100 Gemeindeglieder, 10 Jahre später sind es 32.000. 1876 werden in dieser Gemeinde 1.300 Kinder getauft, 400 Kinder konfirmiert, 359 Paare getraut und 600 Personen beerdigt. Ständig neue Gemeinden werden gegründet, ständig neue Kirchen gebaut: Tochter-, Enkel-, Urenkel-Gemeinden. Am Ende werden es auf dem Stadtgebiet von Hannover über 50 evangelisch-lutherische Gemeinden sein. 1902 wird der Stadtkirchenverband gegründet als eine erste Form des kirchlichen Zusammenschlusses und der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Stadt. Das Ende des 1. Weltkrieges bringt mit der Weimarer Republik die Auflösung der engen Verbindung von Staat und Evangelischer Kirche.

Evangelisch-lutherischer Landeskirche Hannovers

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers wird gegründet, mit einem Bischof an der Spitze. Hannover wird erstmals in seiner Geschichte Bischofsstadt, am 28. Juni 1925 wird Landesbischof D. August Marahrens in der Marktkirche eingeführt. Der Nationalsozialismus bringt auch die lutherische Kirche in der Stadt in die Bewährungsprobe; eine Zeit, die die Kirche zwar als "intakte" Kirche, aber im Rückblick mit viel zu vielen Kompromissen behaftet doch relativ schlecht besteht.  Die Luftangriffe legen fast alle Kirchen in Trümmer. Der Wiederaufbau der Kirchen fängt mit der Marktkirche schon sehr früh wieder an (Wiedereinweihung 1952). Die großen Flüchtlingsströme bringen neues Leben, aber auch eine neue konfessionelle Mischung in die Stadt.

Evangelisch-luhterischer Stadtkirchenverband

1902 als eine erste Form des kirchlichen Zusammenschlusses und der Zusammenarbeit gegründet, sind heute im Evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverband (der in Richtung Langenhagen und Garbsen/Seelze über die Stadtgrenzen hinausgeht, aber ohne Laatzen und Wettbergen) 80 Gemeinden mit etwa 280.000 Mitgliedern zusammengefaßt. Das sind etwa 48% der Gesamtbevölkerung Hannovers. Neben den Ortsgemeinden, die mit Gottesdienst, Unterricht, Kindergartenarbeit, Seelsorge und Diakonie sich an die in ihrem Bereich wohnenden Menschen wenden, ist eine Fülle von Spezialdiensten entstanden. Telefonseelsorge und Beratungsstellen, Industriepfarramt und Arbeitslosenzentrum, Jugendzentren und Stadtjugenddienst, Stadtmission und Stadtakademie weisen mit vielen anderen Diensten darauf hin, daß der Mensch in der Großstadt in vielen verschiedenen Lebensbereichen lebt und ganz unterschiedliche Hoffnungen, Wünsche und Sorgen hat. Das große Diakonische Werk mit seinen spezialisierten Arbeitszweigen von der Obdachlosenarbeit über die Senioren- und Sozialarbeit bis zur Suchtberatung weist immer wieder auf die starken sozialen Spannungen hin, die diese Stadt durchziehen. Die Diakoniestationen versuchen, den Menschen in ihren Krankheiten nahe zu sein und zu helfen, wo es geht. 

In einer modernen Großstadt hat es gerade eine Großkirche, zu der noch immer viele Mitglieder kommen, schwer, ihr Profil zu gestalten und sich den Menschen mit der Botschaft des Evangeliums verständlich zu machen. Die Mitarbeit in allen Medien durch das Öffentlichkeitsreferat des Stadtkirchenverbandes gehört dazu. Kirchenaustritte, die wahrscheinlich ihren Höhepunkt überschritten haben, schmälern die finanzielle Basis der Kirche. Kirche im Umbruch: das ist der Gesamteindruck der Evangelisch-lutherischen Kirche in Hannover. 
 
Zukunft

Ob es künftig noch 80 Kirchengemeinden mit 8 Kirchenkreisen geben wird, wird sich bald zeigen. Aber in welcher Struktur auch immer: in einem offenen Geist wird die evangelisch-lutherische Kirche in die nächsten Jahre gehen, um gemeinsam mit den anderen Kirchen und in einem Miteinander mit den anderen Religionsgemeinschaften davon Zeugnis abzulegen, daß der Mensch mehr ist als das, was man von ihm sieht, und in weitere und tiefere Dimensionen hineinreicht, als viele glauben wollen. Und daß wir alle miteinander eine Vision haben von der einen

Welt in Frieden und Freiheit, in der Vielfalt und Bereicherung der Traditionen und der Geschichte, die jeder und jede mit sich bringt.

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ZUR REFORMATION MARTIN LUTHERS

Martin Luther hatte keine eigene Kirche gründen wollen. Es ging ihm um die Reformation der einen Kirche, die damals freilich schon in einen östlichen Bereich, aus dem langsam die selbständigen orthodoxen Kirchen wurden, und in einen westlichen Bereich mit dem Mittelpunkt Rom geteilt war. Die 95 Thesen, die Martin Luther am 31. Oktober 1517 an die Schloßkirche in Wittenberg schlug, waren Teil einer Disputation über den Ablaß in dieser einen Kirche, dessen verheerende Auswirkungen Luther als Seelsorger oft genug erfahren hatte. Das ewige Heil des Menschen war nicht durch Geld und durch den Kauf von Ablaßbriefen zu erreichen, so seine Meinung darüber. Und so lautet die berühmte 1. These: "Wenn unser Herr und Meister Jesus Christus sagt:  'Tut Buße'  (Matth. 4,17), so will er, daß das ganze Leben seiner Gläubigen auf Erden eine stete Buße sein soll". 

Die damalige Kirche wollte sich nicht reformieren lassen. Luther wurde in Acht und Bann gesetzt. Da sich aber reichlich kirchlicher und gesellschaftlicher Sprengstoff angesammelt hatte, breitete sich die Reformation Martin Luthers vor allem in den Städten aus und führte zur Einführung der "neuen Lehre" fast überall in Deutschland und darüber hinaus. Lange Zeit schien es, es würde das ganze Deutsche Reich protestantisch werden. Aber politische Verwicklungen und das Erstarken der Gegenreformation führten am Ende in den verheerenden 30jährigen Konfessionskrieg (1618 - 1648), an dessen Ende die Aufteilung Deutschlands in römisch-katholische und protestantische Gebiete stand. Cuius regio eius religio, war die Formel. Die Konfession der Herrscher sollte auch die Konfession der Untertanen bestimmen. Nach Auswanderungsbewegungen hier und dort war damit das kirchlich zweigeteilte Gesicht der deutschen Lande geschaffen. Die Protestanten gliedern sich dann noch auf in lutherische, reformierte und unierte Territorien (uniert: Lutheraner und Reformierte zusammen in einer Kirche). Bis in das 19. Jahrhundert, in dem durch die Industrialisierung und dann später im 20. Jahrhundert die Flüchtlings- und Einwanderungsströme eine noch stärkere konfessionelle Mischung brachten, galt: der Norden Deutschlands ist stärker protestantisch, der Süden stärker katholisch.
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GLAUBENSAUFFASSUNG DER LUTHERANER 

Für die Glaubensauffassung der Lutheraner sind drei Kurzformeln charakteristisch geworden und geblieben. Auf lateinisch: sola scriptura, sola gratia, sola fide. 

Sola scriptura (allein die Heilige Schrift.): 

Gegen die starke Betonung der Tradition in der Geschichte der Kirche, die der Katholizismus lehrte und praktizierte, setzte Luther die Auffassung, daß alles, was der Christ glauben müsse und dürfe, sich aus der Bibel ergeben müsse. Auch Konzilien können irren, hatte Luther schon früh erkannt. Das bedeutete nicht, daß die Geschichte der Kirche irrelevant würde. Die Glaubensbekenntnisse der alten Kirche werden noch heute in den lutherischen Kirchen akzeptiert und in den Gottesdiensten gesprochen. Luther war von Haus aus Augustinermönch, und von Augustinus und anderen großen Männern und Frauen der Kirche hat Luther viel gehalten. Aber eine normative Kraft konnte er der Tradition nur zugestehen, wenn sie durch die Auslegung der Bibel gedeckt war. Das ist bis heute so geblieben. Das Lesen der Bibel und die Auslegung der Bibel, etwa in der Predigt, spielt in den lutherischen Kirchen eine entscheidende Rolle. Dabei ist zu beachten, daß natürlich die Aussagen der Bibel oft vielgestaltig und gelegentlich auch widersprüchlich sind. Da wird es darum gehen, die Kernaussagen der Bibel herauszuarbeiten. "Was Christum treibet", ist Luthers Faustformel gewesen, das ist entscheidend. Vieles andere, etwa die Zeremonialgesetze, konnte er beiseite lassen.

Sola gratia (allein aus Gnaden)

das ist die zweite Kurzformel, die das Denken der Lutheraner charakterisiert. Luther hatte es als Mönch stark mit der Werkgerechtigkeit zu tun und ist daran verzweifelt, vor Gott nur dann bestehen zu können, wenn er durch gute Werke bei Gott annehmbar würde. Bis ihm beim Studium des Römerbriefes aufging, daß es Paulus bei der Beschreibung der Gnade gar nicht um die von den Menschen durch gute Werke zu erwerbende Gnade ging, sondern um die Gnade als Geschenk Gottes. Gott macht den Menschen gerecht durch das Geschenk seiner Gnade, "ohn' all mein Verdienst und Würdigkeit". Und auf einmal fingen die großen Gleichnisse des Neuen Testaments wieder zu leuchten an, etwa das Gleichnis vom "Verlorenen Sohn" (Lukas 15), in dem der Vater dem Sohn, der nichts mehr vorzuweisen hat, entgegenläuft und ihn in die Arme nimmt. So handelt Gott, und so hat Jesus Menschen angenommen, hat Zöllner, Sünder und Huren um sich versammelt und hat aus ihnen seine Gemeinde gebaut.Die guten Werke sind damit nicht abgetan, nein, ganz im Gegenteil. Das Verhältnis von Gnade und Werken faßt Luther in das Bild vom Baum und seinen Früchten: Nicht die Früchte machen den Baum, sondern ein guter Baum bringt gute Früchte, ein fauler Baum bringt keine.  Das  protestantische Prinzip der "Rechtsfertigungslehre" ist daraus geworden, das noch heute als das Zentrum des lutherischen Glaubens gilt.  In einer Zeit, die den Menschen primär nach seinen Leistungen und nach seinem Einkommen und Vermögen mißt, wird dieser Ausblick auf die Rechtfertigungslehre immer wichtiger. Es ist etwas anderes, was den Menschen als Person auszeichnet, als das, wozu er sich macht. Sein Personsein bekommt er von Gott geschenkt, wie immer es ihm geht und wer er auch ist. Es kommt dann freilich darauf an, ob er das annehmen kann, und was er daraus macht.
Daraus ist dann die dritte Kurzformel entwickelt: 

sola fide (allein durch den Glauben).

Der Glaube nimmt das Geschenk der Gnade an. Auch der Glaube ist kein Werk des Menschen, ist die Einwohnung des göttlichen Geistes in uns. Aber der Glaube ist ein gestaltendes Prinzip. Der Glaube ist der Ausdruck dessen, daß die Gnade den ganzen Menschen erfaßt, ihn bewegt und in Bewegung setzt. Der Glaube ist darin deutlich vom Wissen abgesetzt. Wissen
kann ich etwas ohne Einsatz meiner ganzen Person. Den Glauben kann ich
dem Anderen nur unter Einsatz meiner ganzen Person weitergeben. Sehr schön
hat der Philosoph Karl Jaspers einmal den Unterschied zwischen Glauben und
Wissen an den Gestalten Galilei und Giordano Bruno aufgewiesen. Beide waren
der Ketzerei angeklagt. Galilei widerrief seine Aussage, daß sich die Erde
um die Sonne drehe, und die Legende legt ihm in den Mund, daß er hinterher gesagt habe: Und sie bewegt sich doch. Er konnte darauf vertrauen, daß
sich diese Erkenntnis als Wissen einmal wie von selbst durchsetzen würde.
Giordano Bruno widerrief seine Ansichten über das Wesen des Glaubens und
die Reform der Kirche nicht und ließ  sich dafür verbrennen. Beide, so
Jaspers, taten ihrer Wahrheit jeweils ganz Entsprechendes. Der Glaube ist
das Wagnis des Herzens und der ganzen Person, seine Hoffnung und seine
Zukunft ganz auf Gott und seine Gnade zu setzen. Daraus erwachsen Konsequenzen für das ganze Leben: für den Kampf um den Frieden beispielsweise, für eine Gerechtigkeit zwischen arm und reich, für die Bewahrung der Schöpfung. Nichts anderes kann zur Richtschnur unseres Lebens werden als das, was Gott mit dieser Erde, die er geschaffen hat, und mit dem Menschen als seinem Ebenbild gewollt hat.
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GEMEINDEN IN HANNOVER
 

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Internet-Adressen:
Homepage: www.kirche-hannover.de
eMail (Leitungsbüro): Elke.Sommer@evlka.de
 
 

LITERATUR

Dannowski, Hans Werner/Röhrbein, Waldemar R.:
GESCHICHTEN UM HANNOVERS KIRCHEN,
Hannover 1983

Müller,  Siegfried:
KIRCHE UND REFORMATION
DAS BEISPIEL DER LANDSTADT HANNOVER,
Hannover 1987
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letzte Aktualisierung: 20.August 2002

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