RELIGIONEN IN HANNOVER
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.Das buddhistische  Kloster "Vien Giac" in Hannover

LOTHAR RIEDER
 
Kurzer Überblick über
Lehre und Geschichte des Buddhismus
Das buddhistische Kloster Vien Giac in Hannover
Kontaktadresse
Literatur
     Kloster Vien Giac, Karlsruher Strasse 6
Fotos: Ewald Wirth, 2002 .

KURZER ÜBERBLICK ÜBER LEHRE UND GESCHICHTE DES BUDDHISMUS

Als es um 600-500 v. Chr. in Indien zu zahlreichen Reformbewegungen des im Opferkult erstarrten Brahmanismus kam, entstand auch eine Bewegung, die man später nach ihrem Urheber Buddha (d.h. der Erwachte) Buddhismus nannte. Der Buddha wurde im Jahre 563 v. Chr. (neuerdings setzen Forscher die Geburt etwa 150- 220 Jahre später an) als Siddharta (Zielverwirklicher) aus der Familie Gotama in Lumbini geboren, Sohn eines dem König von Kosala tributpflichtigen Fürsten einer Adelsrepublik aus dem Stamm der Shakyas (= Löwen), weshalb der Buddha auch Shakyamuni (Weiser aus dem Löwengeschlecht) genannt wird. Als er dem Leiden der Welt in Form  von Alter, Krankheit und Tod begegnet war, wurde er des Lebens als Prinz überdrüssig und verließ Palast, Gattin und Sohn, u, als Wanderasket die Wahrheit hinter den Dingen zu suchen. Doch Studien bei zwei Meistern (sanskr. Guru) sowie strenge Askese fruchteten nichts; erst als er Meditation übte, kam er unter einem Bodhibaum bei Bodhgaya zur Erleuchtung. Im Gazellenhain von Sarnath (bei Benares) hielt er seine erste Lehrrede und zog fortan 45 Jahre   lehrend   durch   Indien,  wobei er eine große Zahl von Mönchs- und Laien-anhängern um sich sammelte.

Was hatte der Buddha erkannt?
 
Die vier "Edlen Wahrheiten": die Wahrheit vom leiden, seiner Entstehung, seiner Aufhebung und dem Weg dazu: den "Edlen Achtfachen Pfad": rechte/r/s Erkenntnis, Entschluß, Rede, Handeln, Lebenserwerb, Anstrengung, Achtsamkeit, Meditation. Aufhebung der Geistesgifte Gier, Haß und Verblendung führt zum Nirvana: der es zu Lebzeiten erreicht, ist ein Heiliger (Arhat). Die drei Säulen des Buddhismus sind Ethik (Shilas, keine Gebote, sondern sittliche Empfehlungen), Meditation (im Laufe der Zeit entstanden etliche Formen) und Weisheit (Philosophie und vor allem Intuition). das nachtodliche Paranirvana wurde vom Buddha nicht näher definiert und wird deshalb verschieden ausgelegt, es ist jedoch kein Paradies im Sinne anderer Religionen.

Der Buddhismus kennt keinen Schöpfergott, u.a. deshalb, weil die Ursache eines Weltsystems das Karma einer vorhergehenden Welt ist. Karma (sanskr. Handlung) ist ein zentraler Begriff des Buddhismus, der auch die Wiedergeburt (sanskr. Samsara = Kreislauf) bestimmt.

Im Unterschied zu anderen Lehren wird die Wiedergeburt   jedoch nicht als "Wanderung einer unsterblichen Seele" angesehen, sondern als Bewußtseinsfolge (Kausalnexus) angenommen, wie er in der "Entstehung in Abhängigkeit" dargelegt ist. Die Wiedergeburt kann in sechs verschiedenen Welt-systemen erfolgen, also nicht nur als Mensch auf der Erde.
 
Hinayana

Bald nach dem Tode des Buddha (mit 80 Jahren) spaltete sich der Buddhismus in 22 Schulen, die aber alle zum sog. Hinayana" (= kleines Fahrzeug) gehörten. Von diesen Schulen existiert heute nur noch das Theravada (Lehre der Älteren), vornehmlich in Sri Lanka, Burma, Thailand, Loas und Kambodscha. Diese Schule war es, die zuerst in Europa bekannt wurde durch Übersetzungen aus dem Pali. Die ersten Anhänger des Buddhismus in Europa waren Gelehrte, Dichter, Philosophen (Schopenhauer: "Ich bin ein Buddhaist").

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Mahayana

500 Jahre nach dem Tode des Buddha entstand eine ganz neu Richtung des Buddhismus, das Mahayana (= großes Fahrzeug), das sich dann in ganz Ostasien (China, Korea, Japan, Vietnam u.a.) ausbreitete. Ziel ist jetzt nicht mehr unmittelbarer Eingang ins Nirvana, sondern ein Bodhisattva (Sanskr. = Erleuchtungswesen) zu werden, d.h. freiwillig wiedergeboren zu werden, um anderen Menschen im Daseinskreislauf zu helfen. Im Mahayana kam auch die Lehre von den transzendenten Buddhas (z.B. Amitabha = unendliches Licht) und Bodhisattvas (z.B. Avalokiteschvara = der Herr, der mitleidsvoll herabblickt) auf. Durch Erlösungshilfe entstand jetzt eine, wenn auch andersgeartete, Parallelität zu anderen Weltreligionen.

In der Folge spaltete sich das Mahayana in verschiedene Richtungen auf. Erwähnt seien hier der "Reine Land"-Buddhismus und der Zen-Buddhismus (China, vor allem Japan). 

Vajrayana

Als Teil des Mahayana entstand wiederum 500 Jahre später das Vajrayana (Diamantfahrzeug) in Indien und kam um 750 durch Padmasambhava nach Tibet, später auch in die Mongolei und China. Diese Richtung, heute auch "Tibetischer Buddhismus" genannt, ist inzwischen die in Europa und Amerika verbreitetste Form des Buddhismus. Einige wichtige Begriffe des Vajrayana sind: der Lama ("Höherstehende"), der wichtig als Lehrer ist (daher auch Lamaismus), Tantra (= Leitfaden). Das sind esoterische Überlieferungen, für die Einweihungen gegeben werden müssen. Ferner "Yidam" (= Meditationsgottheit). Das Diamantfahrzeug, das durch das "dritte Drehen des Rades der Lehre" entstand, ist die umfangreichste buddhistische Lehre.

Zusammenfassend ist zu sagen, daß der Buddhismus, diese ungemein facettenreiche Lehre, sowohl gleichzeitig Religion, Philosophie und Psychologie ist.
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DAS BUDDHISTISCHE KLOSTER VIEN GIAC IN HANNOVER

In Hannover entstand zu Anfang der neunziger Jahre eines der größten buddhistischen Klöster Europas, das vietnamesische "Vien Giac" (= vollkommene Erleuchtung) unter dem Abt Thich Nhu Dien. Es ist eine Kloster der in China entstandenen "Reines Land"- Schule, das gleichwohl auf den in Indien entstandenen Kult des Amitabha-Buddha (vietnames.: Ayida Phat) zurückgeht. Die Adresse: Karlsruher Str. 6, 30519 Hannover (Stadtteil Mittelfeld). Die Schule des Reinen Landes" strebt neben dem Bodhisattva-Ideal nicht den unmittelbaren Eingang ins Nirvana an, sondern die Wiedergeburt im "Reinen Land" (Sukhavati) des Buddha Amitabha, das transzendental vorgestellt wird.
 
Ab 1978 kamen zahlreiche Flüchtlinge aus Vietnam in Niedersachsen an. Thich Nhu Dien gründete dann eine provisorische "Pagode", bis 1990 das jetzige Kloster mit seiner eindrucksvollen Gebetshalle mit den wundervollen Statuen und dem Turm (= Pagode) gebaut wurde, in dem sich 10.000 keine Buddhastatuen befinden. Vien Giac ist nicht nur religiöser, sondern allgemein kultureller Mittelpunkt der in Deutschland und den angrenzenden Ländern lebenden Vietnamesen. Höhepunkte des Jahres sind die drei Feste Tet (Neujahr), Vesakh (Buddhas Geburtstag) und 
und Ullambana (Gedenken an Eltern und Ahnen). In Vien Giac finden täglich zwei Zeremonien statt, außerdem vierzehntägliche Zeremonien und Belehrungen.

Das Kloster und der Tempel zogen jedoch auch viele Deutsche an, von denen etliche "Zuflucht nahmen", d.h. Buddhisten wurden. Es gibt Seminare in Deutsch. Das Kloster ist auch Besichtigungsobjekt für Gruppen aus ganz Deutschland geworden, daher finden viele Führungen und Vorträge statt. Der Abt pflegt Verbindungen zu christlichen Kirchen, es waren neben zahlreichen buddhistischen Mönchen aus Asien schon christliche Seelsorger bis hinauf zum Bischof zu Gast. Auch der Dalai Lama besuchte 1995 das Kloster Vien Giac und hielt eine Lehrrede. Somit ist Vien 
Giac ein Zentrum des Buddhismus für ganz Europa. 
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KONTAKTADRESSE

Buddhistisches Kloster 
Vien Giac
Karlsruher Str. 6 
30519 Hannover 
(Stadtteil Mittelfeld)
Tel.:  ( 0511) 87 96 30
Fax.: ( 0511) 87 90 963

Internetadressen:
Homepage: www.viengiac.de
eMail: viengiactu@viengiac.de
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LITERATUR

Dien, Thich Nhu:
KLOSTER PAGOGE VIEN GIAC
(Vietnamnesisch-Buddhistisches Sozio-Kulturzentrum in der Bundesrepublik Deutschland),
Hannover 1995
(Eigenverlag Kloster Vien Giac)

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letzte Aktualisierung: 4. Juli 1999

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E-mail: ewirth@religionen-in-hannover.de
Ansprechpartner: Dipl.-Theol. Ewald Wirth M.A.