 |
.Das
buddhistische Kloster "Vien Giac" in Hannover
LOTHAR RIEDER
KURZER
ÜBERBLICK ÜBER LEHRE UND GESCHICHTE DES BUDDHISMUS
Als es um 600-500 v. Chr.
in Indien zu zahlreichen Reformbewegungen des im Opferkult erstarrten Brahmanismus
kam, entstand auch eine Bewegung, die man später nach ihrem Urheber
Buddha (d.h. der Erwachte) Buddhismus nannte. Der Buddha wurde im Jahre
563 v. Chr. (neuerdings setzen Forscher die Geburt etwa 150- 220 Jahre
später an) als Siddharta (Zielverwirklicher) aus der Familie Gotama
in Lumbini geboren, Sohn eines dem König von Kosala tributpflichtigen
Fürsten einer Adelsrepublik aus dem Stamm der Shakyas (= Löwen),
weshalb der Buddha auch Shakyamuni (Weiser aus dem Löwengeschlecht)
genannt wird. Als er dem Leiden der Welt in Form von Alter, Krankheit
und Tod begegnet war, wurde er des Lebens als Prinz überdrüssig
und verließ Palast, Gattin und Sohn, u, als Wanderasket die Wahrheit
hinter den Dingen zu suchen. Doch Studien bei zwei Meistern (sanskr. Guru)
sowie strenge Askese fruchteten nichts; erst als er Meditation übte,
kam er unter einem Bodhibaum bei Bodhgaya zur Erleuchtung. Im Gazellenhain
von Sarnath (bei Benares) hielt er seine erste Lehrrede und zog fortan
45 Jahre lehrend durch Indien,
wobei er eine große Zahl von Mönchs- und Laien-anhängern
um sich sammelte.
Was hatte der Buddha erkannt?
 |
Die
vier "Edlen Wahrheiten": die Wahrheit vom leiden, seiner Entstehung, seiner
Aufhebung und dem Weg dazu: den "Edlen Achtfachen Pfad": rechte/r/s Erkenntnis,
Entschluß, Rede, Handeln, Lebenserwerb, Anstrengung, Achtsamkeit,
Meditation. Aufhebung der Geistesgifte Gier, Haß und Verblendung
führt zum Nirvana: der es zu Lebzeiten erreicht, ist ein Heiliger
(Arhat). Die drei Säulen des Buddhismus sind Ethik (Shilas, keine
Gebote, sondern sittliche Empfehlungen), Meditation (im Laufe der Zeit
entstanden etliche Formen) und Weisheit (Philosophie und vor allem Intuition).
das nachtodliche Paranirvana wurde vom Buddha nicht näher definiert
und wird deshalb verschieden ausgelegt, es ist jedoch kein Paradies im
Sinne anderer Religionen.
Der Buddhismus kennt keinen
Schöpfergott, u.a. deshalb, weil die Ursache eines Weltsystems das
Karma einer vorhergehenden Welt ist. Karma (sanskr. Handlung) ist ein zentraler
Begriff des Buddhismus, der auch die Wiedergeburt (sanskr. Samsara = Kreislauf)
bestimmt. |
Im Unterschied zu anderen Lehren
wird die Wiedergeburt jedoch nicht als "Wanderung einer unsterblichen
Seele" angesehen, sondern als Bewußtseinsfolge (Kausalnexus) angenommen,
wie er in der "Entstehung in Abhängigkeit" dargelegt ist. Die Wiedergeburt
kann in sechs verschiedenen Welt-systemen erfolgen, also nicht nur als
Mensch auf der Erde.
| Hinayana
Bald nach dem Tode des Buddha
(mit 80 Jahren) spaltete sich der Buddhismus in 22 Schulen, die aber alle
zum sog. Hinayana" (= kleines Fahrzeug) gehörten. Von diesen Schulen
existiert heute nur noch das Theravada (Lehre der Älteren), vornehmlich
in Sri Lanka, Burma, Thailand, Loas und Kambodscha. Diese Schule war es,
die zuerst in Europa bekannt wurde durch Übersetzungen aus dem Pali.
Die ersten Anhänger des Buddhismus in Europa waren Gelehrte, Dichter,
Philosophen (Schopenhauer: "Ich bin ein Buddhaist"). |
|
.
Mahayana
500 Jahre nach dem Tode des
Buddha entstand eine ganz neu Richtung des Buddhismus, das Mahayana (=
großes Fahrzeug), das sich dann in ganz Ostasien (China, Korea, Japan,
Vietnam u.a.) ausbreitete. Ziel ist jetzt nicht mehr unmittelbarer Eingang
ins Nirvana, sondern ein Bodhisattva (Sanskr. = Erleuchtungswesen) zu werden,
d.h. freiwillig wiedergeboren zu werden, um anderen Menschen im Daseinskreislauf
zu helfen. Im Mahayana kam auch die Lehre von den transzendenten Buddhas
(z.B. Amitabha = unendliches Licht) und Bodhisattvas (z.B. Avalokiteschvara
= der Herr, der mitleidsvoll herabblickt) auf. Durch Erlösungshilfe
entstand jetzt eine, wenn auch andersgeartete, Parallelität zu anderen
Weltreligionen.
In der Folge spaltete sich
das Mahayana in verschiedene Richtungen auf. Erwähnt seien hier der
"Reine Land"-Buddhismus und der Zen-Buddhismus (China, vor allem Japan).
Vajrayana
Als Teil des Mahayana entstand
wiederum 500 Jahre später das Vajrayana (Diamantfahrzeug) in Indien
und kam um 750 durch Padmasambhava nach Tibet, später auch in die
Mongolei und China. Diese Richtung, heute auch "Tibetischer Buddhismus"
genannt, ist inzwischen die in Europa und Amerika verbreitetste Form des
Buddhismus. Einige wichtige Begriffe des Vajrayana sind: der Lama ("Höherstehende"),
der wichtig als Lehrer ist (daher auch Lamaismus), Tantra (= Leitfaden).
Das sind esoterische Überlieferungen, für die Einweihungen gegeben
werden müssen. Ferner "Yidam" (= Meditationsgottheit). Das Diamantfahrzeug,
das durch das "dritte Drehen des Rades der Lehre" entstand, ist die umfangreichste
buddhistische Lehre.
Zusammenfassend ist zu sagen,
daß der Buddhismus, diese ungemein facettenreiche Lehre, sowohl gleichzeitig
Religion, Philosophie und Psychologie ist.
zurück
DAS
BUDDHISTISCHE KLOSTER VIEN GIAC IN HANNOVER
In Hannover entstand zu Anfang
der neunziger Jahre eines der größten buddhistischen Klöster
Europas, das vietnamesische "Vien Giac" (= vollkommene Erleuchtung) unter
dem Abt Thich Nhu Dien. Es ist eine Kloster der in China entstandenen "Reines
Land"- Schule, das gleichwohl auf den in Indien entstandenen Kult des Amitabha-Buddha
(vietnames.: Ayida Phat) zurückgeht. Die Adresse: Karlsruher Str.
6, 30519 Hannover (Stadtteil Mittelfeld). Die Schule des Reinen Landes"
strebt neben dem Bodhisattva-Ideal nicht den unmittelbaren Eingang ins
Nirvana an, sondern die Wiedergeburt im "Reinen Land" (Sukhavati) des Buddha
Amitabha, das transzendental vorgestellt wird.
 |
Ab 1978 kamen zahlreiche
Flüchtlinge aus Vietnam in Niedersachsen an. Thich Nhu Dien gründete
dann eine provisorische "Pagode", bis 1990 das jetzige Kloster mit seiner
eindrucksvollen Gebetshalle mit den wundervollen Statuen und dem Turm (=
Pagode) gebaut wurde, in dem sich 10.000 keine Buddhastatuen befinden.
Vien Giac ist nicht nur religiöser, sondern allgemein kultureller
Mittelpunkt der in Deutschland und den angrenzenden Ländern lebenden
Vietnamesen. Höhepunkte des Jahres sind die drei Feste Tet (Neujahr),
Vesakh (Buddhas Geburtstag) und |
und Ullambana (Gedenken an Eltern
und Ahnen). In Vien Giac finden täglich zwei Zeremonien statt, außerdem
vierzehntägliche Zeremonien und Belehrungen.
Das Kloster und der Tempel
zogen jedoch auch viele Deutsche an, von denen etliche "Zuflucht nahmen",
d.h. Buddhisten wurden. Es gibt Seminare in Deutsch. Das Kloster ist auch
Besichtigungsobjekt für Gruppen aus ganz Deutschland geworden, daher
finden viele Führungen und Vorträge statt. Der Abt pflegt Verbindungen
zu christlichen Kirchen, es waren neben zahlreichen buddhistischen Mönchen
aus Asien schon christliche Seelsorger bis hinauf zum Bischof zu Gast.
Auch der Dalai Lama besuchte 1995 das Kloster Vien Giac und hielt eine
Lehrrede. Somit ist Vien
Giac ein Zentrum des Buddhismus
für ganz Europa.
zurück
KONTAKTADRESSE
Buddhistisches Kloster
Vien Giac
Karlsruher Str. 6
30519 Hannover
(Stadtteil Mittelfeld)
Tel.: ( 0511) 87 96
30
Fax.: ( 0511) 87 90 963
Internetadressen:
Homepage: www.viengiac.de
eMail: viengiactu@viengiac.de
zurück
LITERATUR
Dien, Thich Nhu:
KLOSTER PAGOGE VIEN GIAC
(Vietnamnesisch-Buddhistisches
Sozio-Kulturzentrum in der Bundesrepublik Deutschland),
Hannover 1995
(Eigenverlag Kloster Vien
Giac)
zurück
|