RELIGIONEN IN HANNOVER
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Bahá’i-Gemeinde Hannover e.V.

ALI FARIDI 
 
Die Religionsgemeinschaft der Bahá'i
Geschichte
Gottesbegriff, Offenbarung
Der Bund Gottes
Das Menschenbild
Die Religion in der Welt
Der Weltfriede als Aufgabe und Verheißung
Verwaltung
Finanzen
Eintritt - Austritt
Das Gemeindeleben der Bahá'i in Hannover
Die Bahá'i in Deutschland
Die internationale Stellung der 
    Bahá'i-Weltgemeinde
Kontaktadresse
Literatur
Bahá'i-Haus der Andacht
Hogheim-Langenhein 

 

DIE RELIGIONSGEMEINSCHAFT DER BAHÁ'I

Die Bahá‘í-Religion ist die jüngste der Weltreligionen. Gestiftet in Persien um die Mitte des 19. Jahrhunderts durch Bahá‘u‘lláh (arab.: „Herrlichkeit Gottes“), lehrt sie als ihre Kernbotschaft die Einheit Gottes, woraus sich die grundsätzliche Einheit der Gottesoffenbarer und die prinzipielle Einheit der Menschheit ergibt. Bahá‘u‘lláh steht in der Reihe der großen Gottesboten wie Abraham, Moses, Christus und Muhammad. Heute befinden sich Bahá‘í (d.h. Anhänger Bahá‘u‘lláhs) in allen Ländern der Welt.
Die wichtigste heilige Schrift der Bahá‘í, in der die Grundlagen der Lehren Bahá'u'lláhs verankert sind, heißt Kitáb-i-Aqdas (das Heiligste Buch), dessen erste autorisierte englische Übersetzung 1993 erschien. Die deutsche Fassung ist in Vorbereitung. Auszüge aus dem Kitáb-i-Aqdas sind bereits in den Textzusammenstellungen „Ährenlese“ und „Botschaften aus ‚Akká“ zugänglich.
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GESCHICHTE

Die Prophezeiungen bezüglich der Wiederkehr eines Religionsstifters sowohl der Bibel als auch des Koran konzentrierten sich auf eine Zeitspanne in der Mitte des 19. Jahrhunderts. 1844 erhob Seyyid Mirza Ali Muhammad (1819-1850), genannt der „El Báb“ (arab.: das Tor) den Anspruch, der Verheißene zu sein. Gleichzeitig betonte er seine Funktion als Wegbereiter eines ihm folgenden Religionsstifters. Mirza Hussayn Ali (1817 - 1892) bekannte sich schon bald zum Báb und vertrat seine Sache mutig gegenüber den erbitterten Widerständen der moslemischen Geistlichen. 1863 erklärte er sich als der Verheißene aller Religionen und trug seitdem den Titel „Bahá‘u‘lláh“. Zeit seines Lebens mußte er Verbannungen und Verfolgungen erdulden und blieb bis zu seinem Tode ein Gefangener des Osmanischen Reiches, wohin er aus Persien verbannt worden war. Seinen Anspruch richtete er in zahlreichen Briefen und Appellen an die Völker und politischen und geistlichen Führer der damaligen Zeit, auch an Kaiser Wilhelm I.: „O König von Berlin! (...) O Ufer des Rheins! Wir sehen euch mit Blut bedeckt, da die Schwerter der Vergeltung gegen euch gezückt wurden; und es soll noch einmal geschehen. Und wir hören das Wehklagen Berlins, obgleich es heute in sichtbarem Ruhme erstrahlt“ ('Ahdu'I-Bahá: ANSPRACHEN IN PARIS, 
Hofheim/Taunus 1973, S. 247). 

Testamentarisch ernannte er seinen ältesten Sohn ‚Abdu‘l-Bahá (1844 - 1921) zu seinem Nachfolger und autorisierten Interpreten seiner zahlreichen Schriften. ‚Abdu‘l-Bahá unternahm bis kurz vor Beginn des I. Weltkrieges zahlreiche Reisen nach Europa und Nordamerika, um die Lehren seines Vaters und die Gedanken des Friedens zu verbreiten. Nach seinem Tode übernahm Shoghi Effendi (1897-1957), ‚Abdu‘l-Bahás Enkel, gemäß dem Testament Abdu‘l-Bahás die Führung der Gemeinde. Er übersetzte große Teile der Schriften Bahá‘u‘lláhs ins Englische, verfaßte eigene Werke zur Geschichte der Bahá‘í-Religion und legte den Grundstein für das Weltzentrum des Bahá'í-Glaubens im Heiligen Land, förderte die weltweite Verbreitung der Lehren und gab Richtlinien für den Aufbau der administrativen Ordnung des Glaubens heraus. 1963 wurde das Universale Haus der Gerechtigkeit, laut dem „Buch der Gesetze“ Bahá‘u‘lláhs das höchste Gremium der Bahá‘í-Religion, errichtet. Es hat seinen Sitz in Haifa, Israel.
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GOTTESBEGRIFF, OFFENBARUNG

Bahá‘u‘lláh verkündet den Glauben an den einen Gott. Dem Menschen als Geschöpf Gottes ist es nicht möglich, von seinem Schöpfer eine „Vorstellung“ zu haben, wie es auch einem Bild nicht möglich ist, sich einen Begriff von seinem Maler zu machen. Zwar können Gott alle edlen Attribute zugeschrieben werden , er ist damit aber nicht in seinem Wesen erkannt . Wenn wir Gott als den Inbegriff Güte, der Gerechtigkeit, Großmut, Gnade, Milde, Vergebung und Vergeltung, der Allwissenheit, Allweisheit und Allmacht bezeichnen, so bringen wir damit nur zum Ausdruck, daß er keine Unvollkommenheiten besitzt, ohne ihn damit bestimmt zu haben.

Es gibt nur einen Gott, von dem alle Religionsstifter ihre Botschaft erhalten haben. Gottesboten wie Abraham, Moses, Buddha, Krischna, Zoroaster, Jesus, Muhammad und Bahá‘u‘lláh haben die Menschheitsgeschichte und die Entwicklung der Menschheit in unvergleichlich stärkerem Maße und dauerhafter beeinflußt als irgendeine andere große Persönlichkeit. Sie haben in einer Weise Verbindung zu Gott, die sich unserem Verständnis entzieht, sind aber für uns Menschen der einzig mögliche Zugang zu Gott. Sie übermitteln den Menschen den Willen Gottes und verkünden Seine Gesetze und Gebote. Sie sind die Stellvertreter Gottes auf Erden, seine Offenbarer. Der Rang jedes einzelnen von ihnen übersteigt weit die Stufe des Menschen. Sie alle sprechen aber zu uns in der Sprache des Menschen und übermitteln uns das „Wort Gottes“ in einer uns zugänglichen Form, die allerdings in ihrer Bedeutungsvielfalt unausschöpflich ist. Bahá‘u‘lláh verpflichtet jeden Menschen zum Studium des Wortes Gottes.

Die Gottesoffenbarer, erklärt Bahá'u'lláh, verfügen über zwei Seinsbereiche, eine menschliche, geboren von einer Menschenfrau und eine geistige, geboren aus dem Heiligen Geist. Die menschliche Stufe haben sie mit allen Menschen gemeinsam, bedürfen der Nahrung und des Schlafes, erfahren Freude und Leid, erleben Gesundheit und Krankheit. Ihre geistige Stufe hebt sie über die Menschenwelt und unser Verstehen hinaus. Hier sprechen sie mit göttlicher Autorität, verfügen über alles Wissen und verleihen der ganzen Menschheit geistige Impulse. Jeder von Ihnen hat auf seinen Vorgänger Bezug genommen und auf seinen Nachfolger hingewiesen (Bahá'u'Iláh:
ÄHRENLESE, 3. Aufl., Hofheim/Taunus 1980, S. 61).
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DER BUND GOTTES

Seit Menschengedenken hat Gott mit den Menschen einen „Bund“ geschlossen, von dem mehrere Aspekte erkennbar sind. Da ist zunächst der umfassende Bund, in dem der Schöpfer und Erhalter der Menschheit seiner Liebe und Gerechtigkeit versichert. Übermittelt wird dieser Bund durch die Offenbarer, ein Vorgang, der z. B. mit den Namen Moses, Christus, Muhammad verbunden ist. Bahá‘u‘lláh hat mit seinen Anhängern einen weiteren Bund geschlossen, indem er sie darauf verpflichtet, nach seinem Hinscheiden sich ‚Abdu‘l-Bahá, seinem ältesten Sohn als dem „Mittelpunkt des Bundes“ zuzuwenden.
Mit diesem Bund wurde die Grundlage für die Glaubenseinigkeit der Bahá'í gelegt. Auf dieser Basis gründen weitere Einrichtungen, welche die Gewähr dafür bieten, daß der Glaube nicht in Sekten zersplittern wird.
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DAS MENSCHENBILD

Aus der Tatsache, daß Gott die Menschen erschaffen hat und liebt, ergibt sich die Pflicht der Anerkennung und Anbetung Gottes. Dies ist der höchste Sinn des Menschenlebens. Während das Tier durch Instinkte gelenkt wird, was es ihm unmöglich macht, „gut“ oder „böse“ zu handeln, ist der Mensch mit einer vernunftbegabten Seele und mit Entscheidungsfreiheit ausgestattet. Er ist auch nicht den gesellschaftlichen Zwängen wahllos ausgeliefert, sondern kann sich immer „auch anders“ entscheiden. Wenn er sich gemäß dem Willen Gottes entscheidet, kann er zur erhabensten Stufe aufsteigen; wenn er seinen niederen Neigungen erlaubt, die Oberhand zu gewinnen, wird er unter die Stufe des Tieres sinken, nämlich bewußt böse handeln. Um den „rechten Pfad“ zu betreten, bedarf es mehr als der Anwendung der menschlichen Vernunft, die vor Irrtum nicht schützt. Der Mensch braucht die Erleuchtung durch die „Sonne der Wahrheit“, den Logos, den Gottesoffenbarer. "Liebe Mich, damit Ich dich liebe. Wenn du Mich nicht liebst, kann Meine Liebe dich niemals erreichen" (Bahá'u'Iláh: VERBORGENE WORTE, Hofheim/Taunus 1978, S. 9). 

Analog dem vorgeburtlichen Leben, aus dem heraus wir ja schon einmal "gestorben" sind, und in dem wir uns auf dieses Leben vorbereitet haben, ist auch das Leben in dieser vergänglichen Welt eine Vorbereitung auf eine weitere Entwicklung in der geistigen Welt, losgelöst von den materiellen Verhaftungen. Jede Art von Reinkarnation wird von Bahá‘u‘lláh ausgeschlossen. Die Zahl der jenseitigen Welten Gottes ist unendlich. Dort erfolgt unsere Weiterentwicklung in einer Weise, die uns hier unzugänglich ist. Sie erfolgt durch göttliche Gnade gemäß der Aussage "das Meer Deiner Vergebung ist unendlich".
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DIE RELIGION IN DER WELT

Die Lehre von der fortschreitenden Gottesoffenbarung und der mystischen Einheit aller Religionen ist der theologische Angelpunkt der Botschaft Bahá‘u‘lláhs, der sich in seinem umfangreichen, in persischer und arabischer Sprache verfaßten Schriften zu allen Aspekten menschlicher Existenz geäußert hat. Dieser theologische Universalismus spiegelt sich in Bahá‘u‘lláhs ausdrücklichem Gebot an seine Gemeinde, die Religion, deren eigentlicher Zweck Liebe, Harmonie und Friede unter den Menschen ist, nicht zur Ursache von Zwietracht, Feindschaft und Haß zu machen, und den Anhängern aller Religionen in Brüderlichkeit und Liebe zu begegnen; er spiegelt sich auch in seinen nachdrücklichen Warnungen vor Fanatismus und vor Unterdrückung des anders Denkenden.
Die heutige Forderung nach einem Dialog der Weltreligionen als Voraussetzung dauerhaften Friedens finden wir schon bei ihm nachdrücklich formuliert (Bahá'u'Iláh: VERBORGENE WORTE, Hofheim/Taunus 1978, S. 194; 4, 'Abdu'I-Bahá: BRIEFE UND BOTSCHAFTEN, Hofheim/Taunus 1992. 35). Über den erzieherischen Charakter der Religion sagt ‚Abdu‘l-Bahá: „Religion ist im übrigen keine Ansammlung von Glaubenssätzen oder Bräuchen; Religion ist die Lehre Gottes, des Herren, eine Lehre, die das Leben der Menschheit begründet, dem Verstand erhabene Gedanken eingibt, den Charakter veredelt und den Grundstock legt für des Menschen ewige Ehre“ ('Abdu'I-Bahá: BRIEFE UND BOTSCHAFTEN, Hofheim/Taunus 1992, S. 66).

Bahá'u'lláh betont die Gleichwertigkeit aller Menschen im geistigen Sinne. Menschenrechte sind nach der Bahá‘í-Lehre universell gültig. Sie dürfen nicht durch kulturelle, religiöse oder politische Anschauungen relativiert oder verwehrt werden.
Gott schuf die ganze Menschheit mit seiner unendlichen Liebe aus demselben Stamm und verlieh ihr die „einzigartige Auszeichnung, Würde und Fähigkeit, Ihn zu erkennen und zu lieben“.
„Die Gleichwertigkeit aller Menschen begründet nach Bahá'í-Auffassung ihre Einheit, entsagt jedoch allen Versuchen der Gleichmacherei. Seine Lösung ist Einheit in der Mannigfaltigkeit.“ (Shoghi Effendi: DIE WELTORDNUNG BAHÁ'U'LLÁHS, Hofheim/Taunus 1977, S. 67ff).

Bahá'u'lláh fordert die Menschen auf, eine universale Sprache anzunehmen, die weltweit neben der Muttersprache Anwendung findet. „Der Tag naht, da alle Völker der Welt eine universale Sprache und eine einheitliche Schrift annehmen werden. Wenn dies erreicht ist, wird es für jeden Menschen, in welche Stadt er auch reisen mag, sein, als betrete er sein eigenes Heim.“ (Bahá'u'Iláh: ÄHRENLESE, 3. Aufl., Hofheim/Taunus 1980, S. 218).

Die Sprachbarriere ist eine der stärksten Ursachen von Abneigung und Mißtrauen unter den Völkern. Zudem entstehen durch Übersetzungsflut und Mißverständnisse weltweit beachtliche wirtschaftliche Verluste. Eine weltweite Einigung auf eine Welthilfssprache würde einerseits alle diese Barrieren und Mißstände beseitigen und andererseits allen Menschen mehr Zeit zur Pflege der eigenen Muttersprachen einräumen. Nach Bahá'u'lláh werden Künste, Wissenschaften und alle Arbeit, die im Dienst am Menschen verrichtet werden, als Gottesdienst betrachtet. „Der Mensch soll sich selbst erkennen und unterscheiden, was zu Erhöhung und Erniedrigung, zu Ruhm und Schande, zu Reichtum und Armut führt. Wenn der Mensch die Stufe der Erfüllung und seine Reife erlangt hat, bedarf er des Wohlstandes. Wohlstand, den er durch Handwerk und Beruf erwirbt, ist (...) lobens- und empfehlenswert“. Übermäßiger Reichtum und Armut jedoch sollen nach den Lehren Bahá'u'lláhs überwunden werden ('Ahdu'I-Bahá: ANSPRACHEN IN PARIS, Hofheim/Taunus 1973, S. 120).

„Die von den gelehrten Größen der Kunst und der Wissenschaft so oft gepriesene Zivilisation“, schreibt Bahá'u'lláh, „wird großes Unglück über die Menschen bringen, wenn man ihr gestattet, die Grenzen der Mäßigung zu überschreiten. (...) Ins Übermaß gesteigert, wird sich die Zivilisation als eine ebenso ergiebige Quelle des Unglücks erweisen, wie sie, in den Schranken der Mäßigung gehalten, eine Quelle des Guten war.“ (Shoghi Effendi: DIE WELTORDNUNG BAHÁ'U'LLÁHS, Hofheim/Taunus 1977, S. 281)
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DER WELTFRIEDE ALS AUFGABE UND VERHEISSUNG

Der Weltfriede ist die vordringliche Aufgabe und gleichzeitig Verheißung Bahá‘u‘lláhs. „Die Zeit muß kommen, da die gebieterische Notwendigkeit für die Abhaltung einer ausgedehnten, allumfassenden Versammlung der Menschen weltweit erkannt wird. Die Herrscher und Könige der Erde müssen ihr unbedingt beiwohnen, an ihren Beratungen teilnehmen und solche Mittel und Wege erörtern, die den Grund zum Größten Weltfrieden unter den Menschen legen. Ein solcher Friede erfordert es, daß die Großmächte sich um die Ruhe der Völker der Erde willen zu völliger Aussöhnung untereinander entschließen“ (Bahá'u'Iláh: ÄHRENLESE, 3. Aufl., Hofheim/Taunus 1980, S. 217). Erst wenn die Menschheit befriedet ist, wenn die Extreme von Armut und Reichtum beseitigt sind, die Menschheit als eine Einheit, ja als eine einzige Familie gesehen und verstanden wird und eine neue Weltordnung errichtet worden ist, kann die Menschheit als ganzes „eine immer fortschreitende Kultur vorantragen“ und den eigentlichen Sinn ihres Daseins verwirklichen, der in einer zunehmenden Vergeistigung besteht und nicht etwa in immer weiterem Anhäufen von materiellen Gütern. „Das Wohlergehen der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begründet ist“ (Shoghi Effendi: DIE WELTORDNUNG BAHÁ'U'LLÁHS, Hofheim/Taunus 1977, S. 295). Über die Religion als gesellschaftsbildende Kraft sagt Bahá'u'lláh: „Religion ist das wichtigste Mittel zur Begründung von Ordnung in der Welt und zur Befriedigung aller, die darin wohnen“ (Shoghi Effendi: DIE WELTORDNUNG BAHÁ'U'LLÁHS, Hofheim/Taunus 1977, S. 269).

Bahá‘í bejahen einen gesunden Patriotismus, lehnen jedoch den ungezügelten Nationalismus ab und pflegen den Gedanken der Weltbürgerschaft „Es rühme sich nicht, wer sein Vaterland liebt, sondern wer die ganze Welt liebt. Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger“ (Bahá'u'IIáh: BOTSCHAFTEN AUS 'AKKÁ, Hofheim/Taunus 1982, S. 193).

Die Bahá‘í wirken gleichzeitig für eine neue Weltordnung und einen neuen, nämlich der Menschheit dienenden Menschen. Beide Prozesse bedingen einander, greifen daher ineinander, verstärken sich gegenseitig, erfahren in diesem Aufbau auch Rückschläge, machen aber beständige Fortschritte. Das ersehnte Reich des Friedens wird nicht durch einen kosmischen Eingriff Gottes errichtet werden, sondern es bedarf des beharrlichen Wirkens der Menschen gemäß dem göttlichen Plan. Das hohe Ziel wird  um so eher erreicht werden, je schneller die Menschen alte Vorurteile ablegen, sich dem göttlichen Willen unterordnen und die von Gott vorgesehenen Schritte ihrer weiteren Entwicklung gehen. Die Bahá‘í sehen das nicht als eine Utopie, sondern als reale Zukunftsperspektiven.

Einige weitere Grundsätze, Gebote und Verbote

Das tägliche Gebet und Lesen in den heiligen Schriften
Fasten
Verbot berauschender Mittel
Verbot von Askese und Möchtum
Verbot von Verleumdung und übler Nachrede
Ächtung des Rassismus als ein Haupthindernis für den Frieden
Förderung der Kunst, Wissenschaft, Landwirtschaft und des Handwerks
Verpflichtung zur Erziehung der Kinder und Hervorhebung der Stellung der Lehrer
moralische Erziehung
Erhaltung der Natur und ihrer Hilfsquellen
weltweite Abrüstung
Gebot der Einehe, Förderung der Eintracht in der Familie und Verpflichtung der Kinder zur Achtung und Liebe ihren Eltern gegenüber
Harmonie zwischen Religion und Wissenschaft
globale Ansätze zur Lösung der Weltwirtschafts- und Umweltproblematik
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VERWALTUNG

Die Leitung der Gemeinde wird auf örtlicher, nationaler und internationaler Ebene von Körperschaften, den „Geistigen Räten“, wahrgenommen, die aus jeweils neun Personen bestehen. Diese Institutionen werden in demokratischer Weise gewählt, sind aber nicht ihrer Wählerschaft, sondern nur Gott verantwortlich. Bei der allgemeinen, freien und geheimen Wahl gibt es keine Kandidaten, keine Parteien, keine Wahlpropaganda oder andersartige Beeinflussung. Die Amtsperiode auf der lokalen und internationalen Eben beträgt ein Jahr. Die Mitgliedschaft ist ehrenamtlich. Das oberste Organ, das Universale Haus der Gerechtigkeit mit Sitz in Haifa/Israel, wird von den Mitgliedern aller Nationalen Geistigen Räte auf fünf Jahre gewählt. Einzelne Mitglieder genießen keinerlei Entscheidungsbefugnis oder Autorität, sondern nur die Körperschaften.
Entscheidungen werden in diesen Gremien im Geiste des Gebetes nach Beratung getroffen, der Bahá‘u‘lláh besondere Bedeutung beimißt. Voraussetzungen sind hierbei u.a. „Reinheit der Beweggründe, Loslösung von allem außer Gott, Bescheidenheit, Demut unter Seinen Geliebten, Geduld, Ausdauer in Schwierigkeiten und Dienstbereitschaft an Seiner erhabenen Schwelle.“  ('Abdu'I-Bahá: BRIEFE UND BOTSCHAFTEN, Hofheim/Taunus 1992, S. 43). 

Da es keine Parteien gibt, geht es nicht um die Durchsetzung der eigenen Meinung, sondern um die bestmöglichen Entscheidung. Dies ist, so die Überzeugung der Bahá‘í, unter göttlichem Beistand bei kreativer Beratung einem Gremium in höherem Maße möglich als einer Einzelperson.
Den gewählten Institutionen steht in der Bahá'í-Verwaltungsordnung ein vom Universalen Haus der Gerechtigkeit „ernannter Zweig“ gegenüber, das „Berateramt“, dessen Mitglieder einzeln den gewählten Institutionen beratend zur Seite stehen.
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FINANZEN

Das Finanzaufkommen der Bahá'í-Gemeinden basiert auf zwei Quellen: Spenden und Huqúqu'lláh (arab.: „Rechte Gottes“). Das Huqúqu'lláh beträgt 19% des Einkommens nach Abzug der Ausgaben für den Lebensunterhalt.
Erwähnenswert ist die Freiwilligkeit und die Geheimhaltung bei der Abgabe. Bahá'u'lláh hat keine Institution zur Kontrolle, Nachfrage oder Forderung dieser Abgaben vorgesehen.

Zum Bahá'í-Fonds dürfen Bahá'í beitragen.
Die Finanzmittel aus dem Bahá'í-Fonds werden hauptsächlich verwendet für:
Lehre und Verkündigung
Bahá'í-Entwicklungsprojekte, die weltweit für Bedürftige ohne Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit ins Leben gerufen werden
Unterstützung der bedürftigen Bahá'í
Unterstützung der von Unglück und Katastrophen heimgesuchten Menschen
Die Aufrechterhaltung der Bahá'í-Institutionen.
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EINTRITT - AUSTRITT

In der Bahá'í-Religion gibt es keinen Klerus und keine ausgeprägten Formen von Zeremonien. Der Eintritt in den Bahá'í-Glauben ist in dem Moment vollzogen, sobald sich eine Person entschließt, Bahá'u'lláh als Offenbarer Gottes für unser Zeitalter anzuerkennen. Der Austritt ist vollzogen, wenn sie diese Auffassung nicht mehr vertritt.
Die Unterschrift unter eine Erklärungskarte dient der Verbindung mit der Bahá'í-Gemeinde und der Gewährleistung des Wahlrechts.
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DAS GEMEINDELEBEN DER BAHÁ'I IN HANNOVER

Von den ca. 4000 Bahá'í in Deutschland leben etwa 40 Personen in Hannover. Einen Geistigen Rat (e. V.) gibt es hier seit 1957.
Mittelpunkt des Gemeindelebens ist das Neunzehntagefest, welches zu Beginn jedes Bahá'í-Monats (von 19 Tagen Dauer) stattfindet. Es versammelt alle Bahá‘í eines Ortes zu Gebet, Lesung der Schriften, Beratung der Gemeindeaktivitäten und Gemeinschaft mit anderen. Zusätzlich treffen sich Bahá‘í zwecks Austausch von Ansichten und Ideen zu gemeinsamen Studienkreisen, richten Klassen für religiöse Erziehung der Kinder und Jugendliche ein, veranstalten regionale oder nationale Jugendtreffen oder 4-8tägige Ferienkurse, in denen die Teilnehmer sich mit religiösen, sozialen und kulturellen Themen befassen.
Die Bahá'í in Hannover sind aktiv an verschiedenen interreligiösen Institutionen beteiligt und gestalten ihre Veranstaltungen mit.
Die jugendlichen Bahá'í aus Hannover treffen sich regelmäßig zu selbstorganisierten kulturellen und geselligen Veranstaltungen, die auch ihr geistiges Wachstum fördern.
Im Sommer 1995 bemalten ca. 15 jugendliche Bahá'í aus Hannover und anderen Städten die Wand eines Spielplatzes mit einem vom Bahá'u'lláh-Zitat „Die Erde ist ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger“ inspirierten „Friedenspuzzle“. Die Hannoveraner konnten diese Aktion in den wichtigsten hannoverschen Tages- und Wochenzeitungen nachlesen. Das Ergebnis ist an der überdachten Sitzbank am Kinderspielplatz Eilenriede, Nähe Emmichplatz, zu sehen.
Es gibt ebenfalls eine kleine Bahá'í-Studentengruppe, die hin und wieder Vortrags- und Diskussionsrunden veranstaltet.
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DIE BEHÁ'I IN DEUTSCHLAND

Der erste Bahá'í in Deutschland war der deutsch-amerikanische Zahnarzt Dr. Edwin Fischer, der sich 1904 in Stuttgart niederließ.
Als 1913 ‚Abdu‘l-Bahá Deutschland besuchte, gab es bereits zahlreiche deutsche Bahá'í, und mehrere Bahá'í-Schriften lagen in deutscher Übersetzung vor.
1923 war die Geburtsstunde des ersten geistigen „Nationalrats“ für Deutschland (später umbenannt in „Nationaler Geistiger Rat“).
Mai 1937 wurde der Bahá'í-Glaube und seine administrative Einrichtung durch die Nationalsozialisten (wegen „pazifistischer Umtriebe“) verboten. Viele Bahá'í wurden verhört und inhaftiert. Es fanden öffentliche Prozesse vor den Sondergerichten statt. In den meisten Fällen blieb es bei Geld- und kurzen Gefängnisstrafen.
Das Leid einiger Bahá'í jüdischer Abstammung war jedoch unbeschreiblich groß. Sie wurden 1941 deportiert und ihr Schicksal blieb unbekannt. Bis zum letzten Augenblick vor ihrer Deportation kümmerten sich viele Bahá'í liebevoll um sie.
Bald nach Beendigung des Krieges wurde das Verbot aufgehoben, so daß 1946 der Nationale Geistige Rat wieder gewählt werden konnte.
Mit dem Bau des ersten europäischen Hauses der Andacht 1962 in Langenhain am Taunus ging für europäische Bahá'í ein seit langem herbeigesehnter Wunsch in Erfüllung. In diesem Tempel finden regelmäßig Andachten mit Gebeten und Lesungen aus heiligen Schriften verschiedener Religionen statt, an denen jeder teilnehmen kann.
Anläßlich der weltweiten 100-Jahres-Feier der Verkündung Bahá'u'lláhs an die Herrscher der Welt 1967 fand eine der sechs großen internationalen Bahá'í-Konferenzen in Frankfurt am Main statt, an der 1700 Bahá'í aus ganz Europa teilnahmen.
In der Paulskirche zu Frankfurt am Main fand am 26. Mai 1992 eine Gedenkfeier zum 100. Jahrestag des Hinscheidens Bahá'u'lláhs mit über 900 Teilnehmern statt. Über den Verlauf dieser Veranstaltung ist im Bahá'í-Verlag eine 60-seitige Dokumentation erschienen. Zu den bedeutenden Persönlichkeiten, die Grußworte an die Teilnehmer richteten, gehörten Bundeskanzler Helmut Kohl und der Ehrenvorsitzende der SPD Willy Brandt.
Aus dem Grußwort von Prof. Dr. Karl-Friedrich Freiherr v. Weizsäcker stammen folgende Worte: „Ich habe große Bewunderung für Bahá'u'lláh, dessen 100. Todestag Sie soeben feiern. Ich glaube, daß das, was er als den Auftrag an die Religionen ausgedrückt hat, genau der Wahrheit entspricht.“
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DIE INTERNATIONALE STELLUNG DER BAHÁ'I-WELTGEMEINDE

Derzeit hat die Bahá'í-Religion weltweit etwa sieben Millionen Mitglieder. Die größte Bahá'í-Gemeinde existiert in Indien.
1970 erhielt die internationale Bahá'í-Gemeinde „beratenden Status“ im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen.
1973 erhielt sie die Mitgliedschaft im Umweltprogramm UNEP und 1976 den beratenden Status bei UNICEF.
Derzeit arbeitet die „Internationale Bahá'í-Gemeinde“ unter anderem bei folgenden Programmen der Vereinigten Nationen mit: Menschenrechte, soziale Entwicklung, Status der Frau, Umwelt, Welternährung, entwicklungsbezogene Wissenschaft und Technik, Drogenprobleme, Jugend und Familie. Ebenfalls arbeiten Bahá'í mit dem Weltparlament der Religionen zusammen.
In den letzten Jahren initiierte die Bahá'í-Weltgemeinschaft über 1300 Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsprojekte in der dritten Welt.
In der Bahá'í-Weltgemeinde sind 2100 ethnische Gruppen an über 110000 Orten vertreten.
Es gibt über 20000 örtliche Geistige Räte und 162 Nationale Geistige Räte.
Das Schrifttum der Bahá'í ist in über 800 Sprachen übersetzt.
Tempel der Bahá'í (Häuser der Andacht) gibt es bisher in Chicago (USA), Panama City (Panama), Campala (Uganda), Frankfurt am Main / Langenhain (Deutschland), Sidney (Australien), Neu Delhi (Indien) und in Westsamoa.
Vom 23. Bis zum 26. November 1992 fand in New York der zweite Bahá'í-Weltkongreß mit 27000 Teilnehmern aus 170 Ländern statt. Am letzten Tag wurde der Weltkongreß über Fernsehsatelliten mit neun gleichzeitig stattfindenden Konferenzen auf allen fünf Kontinenten live verbunden.
Zum vierzigjährigen Bestehen der Vereinten Nationen und zum internationalen Jahr des Friedens richtete das höchste Gremium der Bahá'í, das Universale Haus der Gerechtigkeit, eine Friedensbotschaft an die Völker der Welt: „Weltfriede ist nicht nur möglich, sondern unausweichlich“. Diese Botschaft wurde der Mehrheit der Herrscher der Welt und zahlreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ausgehändigt. Der Text der Botschaft ist beim Bahá'í-Verlag und versehen mit einem Vorwort von dem Mitbegründer des „Club of Rome“ Ervin Laszlo beim Horizonte-Verlag erschienen.
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KONTAKTADRESSE

Ali Faridi
Schaufelder Straße 36
30167 Hannover
Tel./Fax.: ( 0511) 71 62 45

Internet
Homepage: www.hannover.bahai.de/
eMail: ali.faridi@gmx.de
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LITERATUR

'Abdu'I-Bahá:
BRIEFE UND BOTSCHAFTEN, 
Hofheim/Taunus 1992

'Ahdu'I-Bahá:
ANSPRACHEN IN PARIS, 
Hofheim/Taunus 1973

Bahá'i-Verlag (Hrsg.):
GEBETE, 
Hofheim/Taunus 1996

Bahá'i-Verlag (Hrsg.):
GÖTTLICHE LEBENSkUNST, 
Hofheim/Taunus 1971

Bahá'u'Iláh:
ÄHRENLESE,
3. Aufl., Hofheim/Taunus 1980

Bahá'u'IIáh:
BOTSCHAFTEN AUS 'AKKÁ, 
Hofheim/Taunus 1982

Bahá'u'Iláh:
VERBORGENE WORTE, 
Hofheim/Taunus 1978

Shoghi Effendi:
DIE WELTORDNUNG
BAHÁ'U'LLÁHS,
Hofheim/Taunus 1977
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letzte Aktualisierung: 30. April 2007

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E-mail: ewirth@religionen-in-hannover.de
Ansprechpartner: Dipl.-Theol. Ewald Wirth M.A.