RELIGIONEN IN HANNOVER

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Alt-Katholische Kirche

GEORG GEILEN / OLIVER KAISER (Aktualisierung Januar 2007)
 
Geschichte
Die Alt-Katholische Kirche
Glaubensbekenntnis
Praktische Konsequenzen
Alt-Katholische Gemeinden
Ökumene
Alt-Katholische Pfarrgemeinde in Hannover
Kontaktadressen
Literatur
           Johann Joseph Ignaz von Dollinger 
        (1799-1890) 

GESCHICHTE

Unsere Entstehung geht zurück in das Jahr 1870, als beim 1. Vatikanischen Konzil in Rom zwei neue Lehren beschlossen wurden:
1. Der Papst ist unfehlbar, wenn er neue Glaubens- und Morallehren offiziell verkündet.
2. Der Papst hat unmittelbare Befehlsgewalt über alle Christen.
Viele hielten damals diese neue Lehrmeinung für unvereinbar mit dem Zeugnis der Bibel und mit dem Glauben der alten Kirche, darunter auch über fünfzig Bischöfe. Wer seinen Zweifel öffentlich ausdrückte, wurde von der römisch-katholischen Kirche exkommuniziert. Die so Ausgeschlossenen gründeten notgedrungen eigene katholische Gemeinden. So entstand die Alt-Katholische Kirche, die mit ihrem Namen auf die alte, d.h. ursprüngliche Kirche der ersten Jahrhunderte Bezug nimmt. Bereits in den ersten Jahren ihres Entstehens nahmen die Alt-Katholiken weitreichende Reformen der Kirche vor und versuchten dabei stets, sich auf den Geist und die Tradition der alten Kirche zurückzubesinnen. Dazu gehörte insbesondere  die  synodale Struktur, in der alle Gemeindemitglieder volles Mitspracherecht haben bis hin zur Wahl des Bischofs. Bis heute ist sie diesen Weg gegangen.
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DIE ALT-KATHOLISCHE KIRCHE

Geschwisterlichkeit ist das Element, daß die Alt-Katholische Kirche durchzieht. Sie will den Geist, der in jedem Menschen sichtbar und erfahrbar werden kann, auf einem gemeinsamen Weg aufeinander abstimmen und so Gottes Willen in dieser Zeit sichtbar und erfahrbar machen. Das bedeutet für sie als Kirche die Verkündigung der frohen Botschaft Jesu und die Nachfolge aus seinem Geist. Haltungen wie Befehlen, Regieren, Verurteilen, Exkommunizieren, Ausgrenzen, Bestrafen, Drohen mit kirchlichen oder göttlichen Strafen sind ihr deshalb fremd. Denn in einer geschwisterlichen Kirche ist kein Platz für Angstmacherei. Der Geist der Freiheit und Verantwortung, der Entscheidung und persönlichen Konsequenz aus dem Gewissen des einzelnen heraus ist in dieser Kirche entscheidend, auch wenn es dann manchmal mühe-voll und beschwerlich ist, zu gemeinsamen  (synodalen)  Entscheidungen zu kommen, denen jeder einzelne zustimmen kann. Es ist sicher leichter, Anordnungen und Gesetzen zu folgen als der eigenen Gewissensentscheidung. Doch nur in ihr findet der Christ zur Freiheit, die stets nur Gebundenheit an Gott und an seine Botschaft durch Jesus Christus sein kann.
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GLAUBENSBEKENNTNIS

Die Alt-Katholiken fühlen sich der alten Kirche verpflichtet - darauf bezieht sich auch das „alt“ in ihrem Namen. Getreu dieser Verpflichtung haben sie deshalb kein neues oder eigenes Glaubensbekenntnis aufgestellt, beziehen sie sich nicht auf neue Offenbarungen oder Propheten. Ihre  Bekenntnisgrundlage  ist vielmehr der Glaube der ganzen Kirche, wie er in den ursprünglichen  Glaubensbekenntnissen der alten, jedoch eigentlich jungen, frühen Kirche und bis heute in den beiden Glaubensbekenntnissen zum Ausdruck kommt, die den christlichen Kirchen gemeinsam sind, sowie in der Zustimmung zu den allgemeinen und von allen anerkannten Konzilien des ersten Jahrtausends als die Kirche noch eins und nicht getrennt war. Dazu gehört auch die Zustimmung zu den Glaubenssätzen der alten Kirche und den Konzilien (Dogmen), wenngleich es in der Alt-Katholischen Kirche undenkbar ist, daß es zu einem Meinungsstreit darüber kommt, ob die Jungfrauengeburt Jesu theologisch oder biologisch zu glauben oder zu verstehen ist. Denn für die Alt-Katholische Kirche ist es selbstverständlich, daß der Glaube und insbesondere auch  die  Glaubensaussagen (Dogmen), die zeitbedingt sind, in die heutige Sprache und in das Verständnis unserer Zeit interpretiert werden müssen. Inhalt unseres Glaubens ist es, in Freiheit und Verantwortung, doch zugleich auch in Bindung an die frühe, ungeteilte Kirche Christi zu sein. Das erschöpft sich nicht im verstandesmäßigen Bejahen dessen, was unsere Kirche als Glaubenslehre vorlegt. Das bedeutet auch nicht das Gehorchen gegenüber den Anweisungen von oben, von Kirchenleitungen oder sogenannten hierarchischen Institutionen. Es geht vielmehr um die eigene Entscheidung und das Handeln aus eigener Entscheidung, verantwortet vor dem eigenen Gewissen und vor Gott und seinem Gebot der Liebe, wies in Jesus sichtbar und erfahrbar geworden ist.
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PRAKTISCHE KONSEQUENZEN

Für die Alt-Katholiken ist es undenkbar,
daß ein Mensch, der in seiner Ehe gescheitert ist, von der Gemeinschaft ausgeschlossen wird. Er hat nach wie vor alle Rechte und Pflichten wie jeder andere auch. Aber er erfährt auch die konkrete Vergebung und Versöhnung mit Gott bis hin zur Möglichkeit einer erneuten kirchlichen Eheschließung und damit der Erfahrung, daß Gottes Segen auch auf einem neuen Weg mit einem Partner ihm nicht verwehrt oder durch Kirchengesetze versagt wird.

Für die Alt-Katholiken ist es undenkbar,
daß Menschen gezwungen werden, öffentlich oder geheim vor einem Priester ihre Schuld zu bekennen, weil ihnen nur dann Vergebung oder Versöhnung zuteil würde, oder daß ihnen sogar die erbetene Versöhnung verweigert wird. Wir nehmen vielmehr die eigene  Gewissensentscheidung und Verantwortung ernst und feiern gemeinsam Versöhnung zum Beginn des Gottesdienstes, damit der einzelne erfahren kann, daß er von Gott und seinen Mitmenschen  angenommen  ist, sichtbar dann im Friedensgruß, den wir während des Gottesdienstes austauschen.

Für die Alt-Katholiken ist es undenkbar,
daß Menschen wegen einer vielleicht anderen Lebensgestaltung aus der Gemeinschaft ausgegrenzt werden oder daß ihr Handeln unter Strafe gestellt oder mit einer Strafandrohung versehen bzw. verurteilt wird. Jesu Botschaft und Praxis läßt nicht zu, daß z.B. Homosexuelle nicht gleichwertige Mitglieder der Gemeinde sein könnten. Sie läßt nicht zu, daß Menschen, die sich
- aus welchen Gründen auch immer - zu einer Abtreibung eines ungeborenen Kindes entschieden haben - aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden (selbstverständlich setzen wir uns mit allen Kräften für das Lebensrecht der Kinder ein - der geborenen wie auch der ungeborenen). Für sie ist es undenkbar, daß Formen der Empfängnisverhütung untersagt bzw. vorgeschrieben werden; auch hier nimmt sie die Gewissensentscheidung des einzelnen ernst.
Sie läßt nicht zu, daß Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechtes diskriminiert oder von Ämtern ausgeschlossen werden, so die Frauen vom Dienst in der Kirche. Seit Mai 1994 sind Frauen auch zum Amt der Priesterin und Bischöfin in der Alt-Katholischen Kirche zugelassen.

Für die Alt-Katholiken ist es undenkbar,
daß Menschen von der Teilnahme am Mahl Jesu ausgeschlossen werden, weil sie nicht unserer Kirche angehören. Jesus selbst ist es doch, der zu diesem Mahl einlädt, nicht eine Kirche oder eine Konfession. Auch versuchen wir nicht, Ehepartner oder Familienmitglieder, die unserer Kirche nicht angehören, mit Gewalt oder Drohungen zum Übertritt zu bewegen; hier nehmen wir die eigene und freie Entscheidung des einzelnen ebenso ernst, selbst auf die Gefahr hin, daß unsere Kirche weiterhin zahlenmäßig sehr klein bleibt.

Für die Alt-Katholiken ist es undenkbar,
Menschen nur unter der Bedingung bzw. dem Zwang der Ehelosigkeit (Zölibat) mit einem Dienst zu beauftragen. Die verantwortliche und freie Entscheidung eines Menschen für einen solchen Dienst kann und darf nicht durch kirchliche Bedingungen eingeschränkt werden.

Für die Alt-Katholiken ist es undenkbar,
daß ihre Kirche von oben her regiert oder verwaltet wird. Was alle angeht, wird vielmehr von allen gemeinsam beraten und entschieden. Dazu gehören die Mitverantwortung für das Leben der konkreten Pfarrgemeinde, für die Wahl eines Leiters der Gemeinde (Pfarrer/-in), doch auch für das Leben der gesamten Kirche durch die Wahl von Gemeindevertretern für die Synode, in der die Leitlinien unseres kirchlichen Lebens und Handelns festgelegt werden und von der auch der Bischof, gemeinsam mit einer ständigen Vertretung der Synode zur Leitung der Kirche, gewählt wird.
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ALT-KATHOLISCHE GEMEINDEN

Heute gibt es in der Bundesrepublik rund 25.000 Alt-Katholiken in 50 Pfarrgemeinden und 150 Filialgemeinden. Alt-katholische Kirchen gibt es darüber hinaus in den Niederlanden, in der Schweiz, in Österreich, Polen, USA und Kanada. Mit diesen anderen Alt-Katholischen Kirchen sind wir seit 1889 in der ,,Utrechter-Union" verbunden. Ebenfalls besteht seit 1965 volle Kirchengemeinschaft mit der Philippinischen romunabhängigen Kirche, die rund zwei Millionen Mitglieder zählt. Wenn sich die Alt-Katholische Kirche als ,,Kirche für Christen heute" bezeichnet, so nicht aus Überheblichkeit, sondern weil sie damit ein Zeichen sein will in unserer Welt: eine katholische Reformkirche, die sich bemüht, Kirche für die Menschen der Gegenwart zu sein, auch wenn ihr dies vielleicht nicht immer gelingt und sie zahlenmäßig klein und unbekannt ist. Doch ein wenig ist der Traum bereits Wirklichkeit geworden; daß die Alt-Katholische Kirche eine katholische Kirche ,,von unten" ist, in der Menschen in Freiheit und Verantwortung leben können.
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ÖKUMENE

Die Alt-Katholische Kirche hat sich von ihrem Anfang in der Ökumene engagiert. So gab es bereits 1873/74 Unionskonferenzen, an denen anglikanische, evangelische und orthodoxe Vertreter teilnahmen; die Alt-Katholische Kirche zählt auch zu den Mitbegründern des Ökumenischen Rates der Kirchen; seit 1931 steht sie mit der anglikanischen Kirchengemeinschaft in voller Sakramentsgemeinschaft. Mit der Orthodoxen Kirche gab es ebenfalls Unionsverhandlungen, die mittlerweile zum Abschluß gekommen sind und bei denen einer Sakramentsgemeinschaft nichts mehr im Wege steht. Mit der evangelischen Kirche kam es 1985 zu einer Vereinbarung zur gegenseitigen Einladung zur Teilnahme an der Feier der Eucharistie; hier werden derzeit weitergehende Gespräche geführt.
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ALT-KATHOLISCHE PFARRGEMEINDE IN HANNOVER

Der Pfarrbezirk der Alt-Katholischen Pfarrgemeinde Hannover-Niedersachsen umfaßt - wie es der Name schon deutlich macht -das gesamte Bundesland Niedersachsen. In der Ökumene sind wir Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Bremen, Osnabrück, Hannover und in der ACK Niedersachsen.
 

Gottesdienst

Hannover: jeden Sonntag, 11.00 Uhr, Feier der hl. Eucharistie im alt-kath. Gemeindezentrum in der Brabeckstr. 24, 30559 Hannover-Kirchrode

Osnabrück: jeden 2. und 4. Sonntag im Monat, 18.00 Uhr, Feier der hl. Eucharistie in der Taufkapelle der ev. Bonnuskirche, Obere Martinistraße   

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KONTAKTADRESSEN

Katholisches Pfarramt der 
Alt-Katholiken Hannover - Niedersachsen 
Brabeckstr. 24
30559 Hannover 
Tel.: ( 0511) 66 45 08 

Internet: 
Homepage: www.alt-katholisch-hannover.de 
eMail: hannover@alt-katholisch.de
 
Katholisches Bistum der
Alt-Katholiken in Deutschland
Gregor-Mendel-Straße 28
53115 Bonn
Tel.: ( 0228) 23 22 85
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LITERATUR

Küry, Urs:
ALTKATHOLISCHE KIRCHE
( = Die Kirchen der Welt, Bd. III, hrsg. v. Christian Oeyen),
Frankfurt/Main, 3. Aufl., 1982

Schulte, Johann Friedrich von:
DER ALTKATHOLIZISMUS, 
Aalen 1965 (Neudruck)

Minde, Hans-Jürgen van der:
FÜR  EIN  OFFENES  CHRISTENTUM,
München 1994
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letzte Aktualisierung: 06. Januar 2007

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Ansprechpartner: Dipl.-Theol. Ewald Wirth M.A.