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Alt-Katholische Kirche
GEORG GEILEN / OLIVER KAISER (Aktualisierung
Januar 2007)
GESCHICHTE
Unsere Entstehung geht zurück
in das Jahr 1870, als beim 1. Vatikanischen Konzil in Rom zwei neue Lehren
beschlossen wurden:
1. Der Papst ist unfehlbar,
wenn er neue Glaubens- und Morallehren offiziell verkündet.
2. Der Papst hat unmittelbare
Befehlsgewalt über alle Christen.
Viele hielten damals diese
neue Lehrmeinung für unvereinbar mit dem Zeugnis der Bibel und mit
dem Glauben der alten Kirche, darunter auch über fünfzig Bischöfe.
Wer seinen Zweifel öffentlich ausdrückte, wurde von der römisch-katholischen
Kirche exkommuniziert. Die so Ausgeschlossenen gründeten notgedrungen
eigene katholische Gemeinden. So entstand die Alt-Katholische Kirche, die
mit ihrem Namen auf die alte, d.h. ursprüngliche Kirche der ersten
Jahrhunderte Bezug nimmt. Bereits in den ersten Jahren ihres Entstehens
nahmen die Alt-Katholiken weitreichende Reformen der Kirche vor und versuchten
dabei stets, sich auf den Geist und die Tradition der alten Kirche zurückzubesinnen.
Dazu gehörte insbesondere die synodale Struktur, in der
alle Gemeindemitglieder volles Mitspracherecht haben bis hin zur Wahl des
Bischofs. Bis heute ist sie diesen Weg gegangen.
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DIE
ALT-KATHOLISCHE KIRCHE
Geschwisterlichkeit ist das
Element, daß die Alt-Katholische Kirche durchzieht. Sie will den
Geist, der in jedem Menschen sichtbar und erfahrbar werden kann, auf einem
gemeinsamen Weg aufeinander abstimmen und so Gottes Willen in dieser Zeit
sichtbar und erfahrbar machen. Das bedeutet für sie als Kirche die
Verkündigung der frohen Botschaft Jesu und die Nachfolge aus seinem
Geist. Haltungen wie Befehlen, Regieren, Verurteilen, Exkommunizieren,
Ausgrenzen, Bestrafen, Drohen mit kirchlichen oder göttlichen Strafen
sind ihr deshalb fremd. Denn in einer geschwisterlichen Kirche ist kein
Platz für Angstmacherei. Der Geist der Freiheit und Verantwortung,
der Entscheidung und persönlichen Konsequenz aus dem Gewissen des
einzelnen heraus ist in dieser Kirche entscheidend, auch wenn es dann manchmal
mühe-voll und beschwerlich ist, zu gemeinsamen (synodalen)
Entscheidungen zu kommen, denen jeder einzelne zustimmen kann. Es ist sicher
leichter, Anordnungen und Gesetzen zu folgen als der eigenen Gewissensentscheidung.
Doch nur in ihr findet der Christ zur Freiheit, die stets nur Gebundenheit
an Gott und an seine Botschaft durch Jesus Christus sein kann.
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GLAUBENSBEKENNTNIS
Die Alt-Katholiken fühlen
sich der alten Kirche verpflichtet - darauf bezieht sich auch das „alt“
in ihrem Namen. Getreu dieser Verpflichtung haben sie deshalb kein neues
oder eigenes Glaubensbekenntnis aufgestellt, beziehen sie sich nicht auf
neue Offenbarungen oder Propheten. Ihre Bekenntnisgrundlage
ist vielmehr der Glaube der ganzen Kirche, wie er in den ursprünglichen
Glaubensbekenntnissen der alten, jedoch eigentlich jungen, frühen
Kirche und bis heute in den beiden Glaubensbekenntnissen zum Ausdruck kommt,
die den christlichen Kirchen gemeinsam sind, sowie in der Zustimmung zu
den allgemeinen und von allen anerkannten Konzilien des ersten Jahrtausends
als die Kirche noch eins und nicht getrennt war. Dazu gehört auch
die Zustimmung zu den Glaubenssätzen der alten Kirche und den Konzilien
(Dogmen), wenngleich es in der Alt-Katholischen Kirche undenkbar ist, daß
es zu einem Meinungsstreit darüber kommt, ob die Jungfrauengeburt
Jesu theologisch oder biologisch zu glauben oder zu verstehen ist. Denn
für die Alt-Katholische Kirche ist es selbstverständlich, daß
der Glaube und insbesondere auch die Glaubensaussagen (Dogmen),
die zeitbedingt sind, in die heutige Sprache und in das Verständnis
unserer Zeit interpretiert werden müssen. Inhalt unseres Glaubens
ist es, in Freiheit und Verantwortung, doch zugleich auch in Bindung an
die frühe, ungeteilte Kirche Christi zu sein. Das erschöpft sich
nicht im verstandesmäßigen Bejahen dessen, was unsere Kirche
als Glaubenslehre vorlegt. Das bedeutet auch nicht das Gehorchen gegenüber
den Anweisungen von oben, von Kirchenleitungen oder sogenannten hierarchischen
Institutionen. Es geht vielmehr um die eigene Entscheidung und das Handeln
aus eigener Entscheidung, verantwortet vor dem eigenen Gewissen und vor
Gott und seinem Gebot der Liebe, wies in Jesus sichtbar und erfahrbar geworden
ist.
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PRAKTISCHE
KONSEQUENZEN
Für die Alt-Katholiken
ist es undenkbar,
daß ein Mensch, der
in seiner Ehe gescheitert ist, von der Gemeinschaft ausgeschlossen wird.
Er hat nach wie vor alle Rechte und Pflichten wie jeder andere auch. Aber
er erfährt auch die konkrete Vergebung und Versöhnung mit Gott
bis hin zur Möglichkeit einer erneuten kirchlichen Eheschließung
und damit der Erfahrung, daß Gottes Segen auch auf einem neuen Weg
mit einem Partner ihm nicht verwehrt oder durch Kirchengesetze versagt
wird.
Für die Alt-Katholiken
ist es undenkbar,
daß Menschen gezwungen
werden, öffentlich oder geheim vor einem Priester ihre Schuld zu bekennen,
weil ihnen nur dann Vergebung oder Versöhnung zuteil würde, oder
daß ihnen sogar die erbetene Versöhnung verweigert wird. Wir
nehmen vielmehr die eigene Gewissensentscheidung und Verantwortung
ernst und feiern gemeinsam Versöhnung zum Beginn des Gottesdienstes,
damit der einzelne erfahren kann, daß er von Gott und seinen Mitmenschen
angenommen ist, sichtbar dann im Friedensgruß, den wir während
des Gottesdienstes austauschen.
Für die Alt-Katholiken
ist es undenkbar,
daß Menschen wegen
einer vielleicht anderen Lebensgestaltung aus der Gemeinschaft ausgegrenzt
werden oder daß ihr Handeln unter Strafe gestellt oder mit einer
Strafandrohung versehen bzw. verurteilt wird. Jesu Botschaft und Praxis
läßt nicht zu, daß z.B. Homosexuelle nicht gleichwertige
Mitglieder der Gemeinde sein könnten. Sie läßt nicht zu,
daß Menschen, die sich
- aus welchen Gründen
auch immer - zu einer Abtreibung eines ungeborenen Kindes entschieden haben
- aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden (selbstverständlich setzen
wir uns mit allen Kräften für das Lebensrecht der Kinder ein
- der geborenen wie auch der ungeborenen). Für sie ist es undenkbar,
daß Formen der Empfängnisverhütung untersagt bzw. vorgeschrieben
werden; auch hier nimmt sie die Gewissensentscheidung des einzelnen ernst.
Sie läßt nicht
zu, daß Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechtes
diskriminiert oder von Ämtern ausgeschlossen werden, so die Frauen
vom Dienst in der Kirche. Seit Mai 1994 sind Frauen auch zum Amt der Priesterin
und Bischöfin in der Alt-Katholischen Kirche zugelassen.
Für die Alt-Katholiken
ist es undenkbar,
daß Menschen von der
Teilnahme am Mahl Jesu ausgeschlossen werden, weil sie nicht unserer Kirche
angehören. Jesus selbst ist es doch, der zu diesem Mahl einlädt,
nicht eine Kirche oder eine Konfession. Auch versuchen wir nicht, Ehepartner
oder Familienmitglieder, die unserer Kirche nicht angehören, mit Gewalt
oder Drohungen zum Übertritt zu bewegen; hier nehmen wir die eigene
und freie Entscheidung des einzelnen ebenso ernst, selbst auf die Gefahr
hin, daß unsere Kirche weiterhin zahlenmäßig sehr klein
bleibt.
Für die Alt-Katholiken
ist es undenkbar,
Menschen nur unter der Bedingung
bzw. dem Zwang der Ehelosigkeit (Zölibat) mit einem Dienst zu beauftragen.
Die verantwortliche und freie Entscheidung eines Menschen für einen
solchen Dienst kann und darf nicht durch kirchliche Bedingungen eingeschränkt
werden.
Für die Alt-Katholiken
ist es undenkbar,
daß ihre Kirche von
oben her regiert oder verwaltet wird. Was alle angeht, wird vielmehr von
allen gemeinsam beraten und entschieden. Dazu gehören die Mitverantwortung
für das Leben der konkreten Pfarrgemeinde, für die Wahl eines
Leiters der Gemeinde (Pfarrer/-in), doch auch für das Leben der gesamten
Kirche durch die Wahl von Gemeindevertretern für die Synode, in der
die Leitlinien unseres kirchlichen Lebens und Handelns festgelegt werden
und von der auch der Bischof, gemeinsam mit einer ständigen Vertretung
der Synode zur Leitung der Kirche, gewählt wird.
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ALT-KATHOLISCHE
GEMEINDEN
Heute gibt es in der Bundesrepublik
rund 25.000 Alt-Katholiken in 50 Pfarrgemeinden und 150 Filialgemeinden.
Alt-katholische Kirchen gibt es darüber hinaus in den Niederlanden,
in der Schweiz, in Österreich, Polen, USA und Kanada. Mit diesen anderen
Alt-Katholischen Kirchen sind wir seit 1889 in der ,,Utrechter-Union" verbunden.
Ebenfalls besteht seit 1965 volle Kirchengemeinschaft mit der Philippinischen
romunabhängigen Kirche, die rund zwei Millionen Mitglieder zählt.
Wenn sich die Alt-Katholische Kirche als ,,Kirche für Christen heute"
bezeichnet, so nicht aus Überheblichkeit, sondern weil sie damit ein
Zeichen sein will in unserer Welt: eine katholische Reformkirche, die sich
bemüht, Kirche für die Menschen der Gegenwart zu sein, auch wenn
ihr dies vielleicht nicht immer gelingt und sie zahlenmäßig
klein und unbekannt ist. Doch ein wenig ist der Traum bereits Wirklichkeit
geworden; daß die Alt-Katholische Kirche eine katholische Kirche
,,von unten" ist, in der Menschen in Freiheit und Verantwortung leben können.
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ÖKUMENE
Die Alt-Katholische Kirche
hat sich von ihrem Anfang in der Ökumene engagiert. So gab es bereits
1873/74 Unionskonferenzen, an denen anglikanische, evangelische und orthodoxe
Vertreter teilnahmen; die Alt-Katholische Kirche zählt auch zu den
Mitbegründern des Ökumenischen Rates der Kirchen; seit 1931 steht
sie mit der anglikanischen Kirchengemeinschaft in voller Sakramentsgemeinschaft.
Mit der Orthodoxen Kirche gab es ebenfalls Unionsverhandlungen, die mittlerweile
zum Abschluß gekommen sind und bei denen einer Sakramentsgemeinschaft
nichts mehr im Wege steht. Mit der evangelischen Kirche kam es 1985 zu
einer Vereinbarung zur gegenseitigen Einladung zur Teilnahme an der Feier
der Eucharistie; hier werden derzeit weitergehende Gespräche geführt.
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ALT-KATHOLISCHE
PFARRGEMEINDE IN HANNOVER
Der Pfarrbezirk der Alt-Katholischen
Pfarrgemeinde Hannover-Niedersachsen umfaßt - wie es der Name schon
deutlich macht -das gesamte Bundesland Niedersachsen. In der Ökumene
sind wir Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in
Bremen, Osnabrück, Hannover und in der ACK Niedersachsen.
Gottesdienst
Hannover: jeden
Sonntag, 11.00 Uhr, Feier der hl. Eucharistie im alt-kath. Gemeindezentrum
in der Brabeckstr. 24, 30559 Hannover-Kirchrode
Osnabrück:
jeden 2. und 4. Sonntag im Monat, 18.00 Uhr, Feier der hl. Eucharistie
in der Taufkapelle der ev. Bonnuskirche, Obere Martinistraße
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KONTAKTADRESSEN
Katholisches Pfarramt der
Alt-Katholiken Hannover
- Niedersachsen
Brabeckstr. 24
30559 Hannover
Tel.: ( 0511) 66 45 08
Internet:
Homepage: www.alt-katholisch-hannover.de
eMail: hannover@alt-katholisch.de
Katholisches Bistum der
Alt-Katholiken in Deutschland
Gregor-Mendel-Straße
28
53115 Bonn
Tel.: ( 0228) 23 22 85
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LITERATUR
Küry, Urs:
ALTKATHOLISCHE KIRCHE
( = Die Kirchen der Welt,
Bd. III, hrsg. v. Christian Oeyen),
Frankfurt/Main, 3. Aufl.,
1982
Schulte, Johann Friedrich
von:
DER ALTKATHOLIZISMUS,
Aalen 1965 (Neudruck)
Minde, Hans-Jürgen van
der:
FÜR EIN
OFFENES CHRISTENTUM,
München 1994
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