RELIGIONEN IN HANNOVER

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Jüdische Gemeinde Hannover  K.d.ö.R.

MICHAEL KREBS 
1. Vorsitzender
Autoren:
Dr. LEO KOHN / ALFRED MARKS / 
Ergänzungen 2000:
KLAUS KUNE

Geschichte und Religion
Religiöse Feste - Religiöses Leben
Religiöse Erziehung - Religiöse Bräuche
Geschichte der Juden in Hannover
Interreligiöser Dialog und Friedensverständnis
Kontaktadressen
Quellennachweis und Literatur
Internet: http://www.jg-hannover.de

    ...Synagoge
            Foto: Ewald Wirth, 2002 .

GESCHICHTE UND RELIGION

Im zweiten Jahrtausend v. Chr. beginnt die Geschichte des jüdischen Volkes.  Von den Wüsten- und Steppengebieten des Landes Kanaan drangen nomadische Stämme in das fruchtbare Land am Mittelmeer und ließen sich dort nieder. Sie glaubten an einen Gott, der als einziger verehrt werden will und mit ihnen in eine enge Beziehung tritt, die nicht an Kultorte und Heiligtümer gebunden, sondern auf die Menschen gerichtet ist. Der Glaube Israels ordnete alle Lebensbereiche seinem Gott "JAHWE" als Schöpfer und Herrn der Welt unter. Aus den 12 Stämmen im Lande Kanaan, das sie jetzt „Land Israel“ nannten, wurde ein Volk, das vor allem durch die gemeinsame Religion verbunden war. Hier zeigte sich bereits die für die jüdische Geschichte grundlegende Zusammengehörigkeit von Religion, Volk und Land. Der Gott Israels wurde als der eine Gott, der Herr und Schöpfer der Welt bekannt und angebetet. Der Bund, den Gott mit Israel geschlossen hat, findet seine Entsprechung in der  "THORA". Thora bedeutet Lehre, die Weisung, nach der Israel als Volk des Bundes sein Leben gestalten soll. Der Mittelpunkt des geistigen und religiösen Lebens war Jerusalem. Dort stand der Tempel, in dem der Opferkult vollzogen und die Jahresfeste gefeiert wurden.

Babylonisches Exil

Nach der Vernichtung des Nordreiches „Israel“ (721 v. Chr.) und des Südreiches „Juda“ (erste Zerstörung des Tempels in Jerusalem 586 v. Chr.) begann für ein Teil der Israeliten eine 7 Jahrzehnte dauernde Verbannung (Babylonisches Exil). Sie mußten unter einer Bevölkerung leben, deren Religion zutiefst verschieden zu ihrer eigenen war. Dieser Einfluß bewirkte, daß viele der überlieferten Traditionen neu durchdacht wurden. Auch die Formen des Gottesdienstes änderten sich. Opferlose Formen gewannen größere Bedeutung. Zweifellos entstand im Exil der Wort- und Gebetsgottesdienst.

Rückkehr und Wiederaufbau des Tempels

Ein Teil der Israeliten kehrte ab 538 v. Chr. aus dem Babylonischen Exil nach Jerusalem zurück. Der Tempel wurde wieder aufgebaut und die im Exil entwickelten strengen Vorstellungen von der Reinheit der jüdischen Religion allgemein verbindlich gemacht. Der andere Teil der Israeliten blieb im Exil zurück  und setzte dort sein von ihm entwickeltes eigenes Leben fort. Der Thora wurde durch einen feierlichen Rechtsakt eine zentrale Bedeutung für Israel gegeben - für den religiösen Bereich und das gesamte Leben des Volkes.

Verbreitung des Hellenismus

Eine neue Krise brachte die hellenistische Zeit nach den Siegen Alexanders des Großen mit der Verbreitung hellenistischen Geistes und Kultur mit sich. Auch in Israel fanden diese Tendenzen starken Widerhall. Unter Alexander dem Großen herrschte religiöse Freiheit. Aber seine Nachfolger, die Seleukiden strebten die kulturell-religiöse Unterwerfung an und verlangten von den Juden die Anerkennung der Vielgötterwelt. Da die Juden ihren monotheistischen Glauben verteidigten, waren Verfolgungen das Ergebnis. 

Makkabäer-Aufstand

Im Jahre 165 v. Chr. kam es zum Aufstand der Juden unter Führung der Makkabäer. Damit erhielt das Judentum eine politische Richtung und wurde als eine religiös-nationale Gemeinschaft neu definiert.

Römische Zerstörung

Mit der Zerstörung des Tempels bereiteten die Römer im Jahre 70 n. Chr. der jüdischen nationalen Selbständigkeit ein Ende. Die Römer verboten den Juden das Betreten der Stadt Jerusalem bei Todesstrafe. Nun zeigten die Juden, daß sie in den Jahrhunderten der Wechselbeziehung zwischen Jerusalem und dem Exil eine neue Selbständigkeit entwickelt hatten. Die Synagoge hatte sich als eigenständige Institution mit einem opferlosen Gottesdienst entwickelt. Es gab nicht nur im Exil, sondern auch im Lande selbst zahlreiche Synagogen, in denen der Gottesdienst weitergeführt werden konnte. 

Konfrontation zwischen Christen- und Judentum

Im 2. und 3. Jahrhundert lebten Juden verstreut über das gesamte römische Reich.  Der christliche Einfluß auf das römische Reich wurde im 4. Jahrhundert immer bedeutender. Es kam zu immer stärkerer Konfrontation zwischen Christen- und Judentum. 

Judentum und Islam

Die Juden wurden unter dem Islam, der sich seit dem 7. Jahrhundert immer weiter ausdehnte, geduldet. Das babylonische und nordafrikanische Juden-tum konnte sich behaupten. In Spanien erlebte das Judentum unter islamischer Herrschaft eine Blütezeit.

Verfolgung

In Frankreich lebten Juden nahezu ungehindert bis zur Zeit der Kreuzzüge, als sie im westlichen Europa verfolgt und vertrieben wurden. In Ost- und Westeuropa blieb das Schicksal immer abhängig von der Gnade oder Ungnade des jeweiligen Herrschers. Im 19. Jahrhundert brachten die Auswirkungen der französischen Revolution eine allmähliche Besserung der rechtlichen und sozialen Lage für die Juden in Westeuropa. Die Juden in Osteuropa waren dagegen immer wieder grausamen Verfolgungen ausgesetzt. Die Juden in Polen und Russland stammten zumeist aus Deutschland.

Zionismus

Bedingt durch diese bedrückenden Verhältnisse in Osteuropa entwickelte sich im 19. Jahrhundert ein moderner jüdischer Nationalismus. Es kam zur Ansiedlung von Juden aus dem zaristischen Rußland. Der Gedanke des Zionismus gewann unter dem Druck des modernen Antisemitismus auch in Westeuropa an Bedeutung. 

Nationalsozialistische Vernichtung

Eine Fluchtbewegung der Juden aus dem deutschen Machtbereich in alle Welt setzte in  den 30er Jahren nach dem Beginn des Nationalsozialismus ein. Bis 1945 wurden etwa 6 Millionen Juden, die sich dieser Schreckensherrschaft nicht entziehen konnten, umgebracht. In Deutschland lebten bis 1933 etwa 600 000 Juden.

Staat Israel

Im Jahre 1948 wurde ein Neuanfang in der Geschichte der Juden mit der Proklamierung des unabhängigen Staates Israel gesetzt. Ein großer Prozentsatz der in den Lagern noch überlebenden Juden wanderten unter großen Schwierigkeiten in den Jahren von 1945 - 1951 nach Palästina/Israel aus.                                                                                                                           zurück
 

RELIGIÖSE FESTE - RELIGIÖSES LEBEN

Purim   (Losfest)

Dieses Fest wird zum Gedenken an eine Rettung aus Todesnot gefeiert. Im 5. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung befand sich das jüdische Volk im Exil im persischen Reich. Der persische Minister Haman plante die Vernichtung der Juden in diesem Reich. Durch ihre Fürsprache beim König  Ahasverus (Ahasverausch hebr. für Xerxes) konnte die jüdische Königin Esther diesen grausamen Plan verhindern. Esther, die Nichte des jüdischen Gelehrten Mordechai, wurde Königin von Persien. Ihr Gatte war König Ahasverus. Das Fest wird ähnlich gefeiert wie Karneval, mit Musik, Tanz, Verkleiden, Umzügen, gutem Essen und Trinken.

Pessach

Mit diesem Fest, das ein Höhepunkt jüdischen Lebens ist, wird der wunderbaren Befreiung der Juden aus Ägypten durch Gottes Hilfe gedacht. Die Juden mußten als Sklaven arbeiten. Gott befreite sein Volk aus dieser Knechtschaft und führte es durch die Wüste in ein neues Land. Der Ewige führte die israelischen Sklaven trockenen Fußes durch das Rote Meer. Die ägyptische Armee wurde vernichtet. Gefeiert wird Pessach von der jüdischen Familie mit einem rituellen Essen, dem Seder-Mahl. An die Knechtschaft wird mit symbolischen Speisen erinnert und aus einem Buch (Haggada) wird die Geschichte der Befreiung vorgetragen mit den dazugehörenden Gebeten und Psalmen. Während des Essens wird viermal vom Wein getrunken und damit daran erinnert, wie Mose von Gott die bevorstehende Befreiung verhießen wurde. Auch das Singen volkstümlicher Lieder gehört zu dieser Feier. An Pessach werden besonders reich ausgestaltete Gottesdienste gehalten. Das christliche Osterfest als Feier der Auferstehung Jesu bewahrt den Zusammenhang zum Pessachfest u. a. durch seinen Termin. Außerdem bestehen Zusammenhänge zwischen Abendmahl und Pessachmahl, z. B. in der Verwendung von ungesäuertem Brot als Oblaten.

Jom Ha'azma'ut (Unabhängigkeitstag)

An diesem Tag wird das Wiedererstehen des Staates Israel im Jahre 1948, fast 2000 Jahre nach der Zerstörung des letzten jüdischen Staates im Jahre 70 durch die Römer, gefeiert.

Schawuot (Wochenfest)

Dieses Fest großer Freude wurde ursprünglich als Erntefest 50 Tage (7 Wochen) nach Pessach gefeiert. Es erinnert an Mose und den Empfang der Gesetzestafeln auf dem Gebirge Sinai. Die Thorarollen (Gesetzesrollen) und der Thoraschrein (Schrank der Aufbewahrung) werden mit Blumen geschmückt. Es ist das Fest, das an die Übergabe der 10 Gebote des Ewigen Gottes an Moses und die Israeliten erinnert.

Rosch Haschana (Jüdischer Neujahrstag)

Der "Tischri" (September/Oktober) ist der Monat der hohen Feiertage. Er beginnt mit dem Neujahrsfest, das zwei Tage gefeiert wird. Der Neujahrstag wird als ein Tag angesehen, an dem Gott sich erinnert und das Tun des Menschen richtet. Zum Ritus des Gottesdienstes von Rosch Haschana gehört das Blasen eines Widderhorns (Schofarhorn) - zur Erinnerung an den Widder, der an Isaaks Stelle von Abraham geopfert wurde. An diesem Fest wird jeder Jude von dem Ewigen gerichtet, z. B. ob er im kommenden Jahr leben oder sterben soll

Jom Kippur (Versöhnungstag)

Für Juden ist JOM KIPPUR der höchste und persönlichste Feiertag. Er gilt als strengster Fastentag als Abschluß der Selbstbesinnung und wird mit größtem Ernst begangen: Viele Beter tragen bei dem den ganzen Tag über währenden Gottesdienst ihre weißen Sterbegewänder. Kennzeichen der Gottesdienste sind die Sündenbekenntnisse und Bitten um göttliche Vergebung. Ein charakteristischer Gesang des Versöhnungstages ist das „Kol Nidre“, ein Gebet um Auflösung von unerfüllbaren religiösen Gelübden. An Jom Kippur wird der Richterspruch, der am Neujahr ergangen ist, besiegelt.

Sukkot (Laubhüttenfest)

Dieses Fest hält die Erinnerung an die Zeit der Wüstenwanderung wach, als das Volk Israel in Zelten oder schnell errichteten Hütten - Laubhütten - leben mußte. In diesen Tagen werden von den jüdischen Familien Laubhütten ohne festes Dach gebaut, in denen man sieben Tage lang unter freiem Himmel wohnt. Von den Betenden in der Synagoge werden Feststräuße aus vier verschiedenen Pflanzen- arten (Palme, Myrthe, Bachweide und einer Zitrusfrucht) feierlich geschwenkt.

Chanukka (Tempelweihe, Lichterfest)

Dieses Fest erinnert an die Wiedereinweihung des jüdischen Tempels in Jerusalem im Jahre 164 v. Chr. zur Zeit der Makkabäer. Jeden Abend wird ein Licht mehr am achtarmigen Chanukkaleuchter angezündet, bis zum Schluß alle 8 Lichter brennen. Dieses Fest wird acht Tage (November/Dezember) gefeiert, weil sich bei der Tempeleinweihung nur ein unversehrtes Krüglein mit Öl fand, das aber - wie durch ein Wunder - acht Tage lang brannte.                                                                                                                    zurück
 

RELIGIÖSE ERZIEHUNG - RELIGIÖSE BRÄUCHE

Bar Mizwah / Bat Mizwah

Zu den religiösen Erziehungsaufgaben der Eltern gehört die Einweisung des Kindes in das Leben unter den Weisungen der Thora. Die Gemeinde sorgt für den Religionsunterricht. Der jüdische Knabe wird mit 13 Jahren religionsmündig und ist damit verpflichtet, alle Gebote der Thora einzuhalten, er wird ein „Sohn der Pflicht“ (hebr. Bar Mizwah). Er zählt bei der Mindestzahl von zehn Gottesdienstbesuchern mit. Am Schabbat nach seinem 13. Geburtstag wird er zum ersten Mal im Synagogengottesdienst zur Thoralesung aufgerufen. Diesem Gottesdienst schließt sich in religiösen Familien ein festliches Mahl an, bei dem der Bar Mizwah einen Vortrag hält. Mit 12 Jahren werden jüdische Mädchen religionsmündig und so „Tochter der Pflicht“. Auch die Bat-Mizwah-Feier  findet in der Synagoge statt.

Eheschließung

Die Eheschließung ist eines der wichtigsten Feste im Leben des Juden. Erst durch die Eheschließung werden Juden vollwertige Mitglieder des Gottesvolkes. In früheren Zeiten ging der Heirat die Verlobung voraus. Die Braut galt damals schon als Ehefrau, und Untreue konnte streng bestraft werden. Heute sind Verlobung und Hochzeit in einer Zeremonie miteinander verbunden. Die Trauung findet unter den Trauhimmel, der „Chuppa“, einem von vier Stangen getragenen Baldachin, statt. Dieses ist das Symbol für das Heim des Ehepaares, das sie als Heiligtum betrachten sollen. Über dem Wein und über dem Brautstand wird der Segensspruch gesprochen. Danach trinken Bräutigam und Braut vom Wein. Durch die Erklärung des Bräutigams - in Gegenwart von mindestens zwei Zeugen - wird die Ehe geschlossen. Der Bräutigam steckt der Braut den Ring an den  zweiten Finger der rechten Hand. Daraufhin wird der vorher geschlossene Ehe- vertrag vorgelesen, und der Bräutigam verspricht seiner Frau, sie zu ehren, für sie zu arbeiten und für ihren Unterhalt zu sorgen. Die „sieben Segenssprüche der Eheschließung“ folgen. Die Trauung endet mit dem Zerbrechen eines Glases als Erinnerung an den zerstörten Tempel und mit den Glückwünschen der Anwesenden. Das Judentum kennt nicht das beiderseitige Eheversprechen wie in der christlichen Trauung. Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Scheidung erlaubt. Hier bedarf es, wie bei der Heirat, einer schriftlichen Urkunde, die nur von einem Senat von drei Rabbinern erlangt werden kann. 

Gottesdienstbesuche in der Synagoge

Ein Gottesdienst in der Synagoge darf nur stattfinden, wenn mindestens zehn männliche Besucher daran teilnehmen.

Tod und Begräbnis

Der Tod gehört für den Juden als Selbstverständlichkeit zum Leben. Wer den Tod bewußt nahen sieht, bereitet sich auf das Sterben vor, indem er seine Angelegenheit in Ordnung bringt. Beim Eintreten des Todes bekennen die Anwesen- den zusammen mit dem Sterbenden den Glauben an die Einzigkeit Gottes. Der Leichnam wird auf die Erde gelegt und ein Licht angezündet. Nach der Waschung wird er in ein schlichtes, leinenes Totenhemd gekleidet. Bei allen Beisetzungsverrichtungen helfen Mitglieder der Heiligen Bruderschaft (hebr. Chevra Kadischa), die es in den meisten Gemeinden gibt. Die Beerdigung darf nicht am Schabbat oder an jüdischen Feiertagen erfolgen. Die Anwesenden werfen je drei Schaufeln Erde auf den Sarg. Das wichtigste Gebet ist das Kaddisch, das Gottes Namen preist. Totenkleid, ein schlichter Sarg, Verzicht auf Blumenschmuck und prunkvolle Grabmäler sollen bezeugen, daß im Tode alle gleich sind. Elf Monate nach dem Tod (Jahrzeit) wird der Grabstein gesetzt und zu jeder folgenden Jahrzeit des Toten erneut gedacht. In dieser Zeremonie ist die Gegenwart zehn  jüdischer Männer erforderlich.

Kopfbedeckung

Nicht nur Juden, alle semitischen Völker beten mit Kopfbedeckung. In der Heiligen Schrift lesen wir von einer Mütze beim Cohen (Priester). Die Kopfbedeckung gilt als Zeichen der Gottesfurcht und Bescheidenheit.

Sitzordnung in der Synagoge

Frauen und Männer sitzen in der Synagoge nicht zusammen. Der Grund liegt darin, daß man eine evtl. Ablenkung während des Gebetes befürchtet. Frauen sind bei den Gottesdiensten zugegen, aber nicht aktiv tätig.

Was bedeutet  koscher"?

Der Begriff „koscher" bedeutet „rein“ und bezieht sich auf Nahrungsmittel und deren Zubereitung nach den Speisevorschriften des jüdischen Glaubens. Schwei-nefleisch ist nicht erlaubt als Nahrungsmittel. Die weiteren Speisevorschriften sind in allen Einzelheiten in der Thora aufgeführt und werden den Juden in deren Gebetshäusern mehrmals im Jahr vorgelesen.                zurück
 

GESCHICHTE DER JUDEN IN HANNOVER

In Hannover leben Juden seit 700 Jahren. Sie stellten stets eine Minderheit innerhalb der Stadtgemeinde dar und hielten an ihren traditionellen, rituell vorgeschriebenen Lebensformen fest (z. B. Heiligung des Schabbath, Einhaltung bestimmter Speisegesetze). Dadurch wurden sie zu Außenseitern. Jüdische Einwohner in Hannover durften nur nach einem besonderen Rechtsstatus leben mit ausdrücklicher Genehmigung der Obrigkeit - also als Fremde ohne die Rechte der anderen Einwohner. Zwar tolerierte man im 17. Jahrhundert des Judentum als Religion, aber grenzte die Juden weiterhin gesellschaftlich aus. Obwohl vorwiegend in Handels- und Finanzberufen tätig, existierte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die jüdische Minderheit am Rande der Gesellschaft. Die erste Erbauung einer Synagoge im Jahre 1703 erfolgte auf einem für die Öffentlichkeit unsichtbaren Platz im Hinterhof. Die eigenständige jüdische Kultur wurde in dieser Abgeschiedenheit aufrechterhalten. Im Königreich Hannover wurde das Ausnahmerecht aufgehoben, und die Juden wurden gesetzlich den anderen Bewohnern gleichgestellt. Aber die Juden blieben auch nach ihrer Gleichstellung die Minderheit. Die kommenden Jahre bis zur Nazizeit brachten zwar einen sozialen Aufstieg des Judentums in der bürgerlichen Gesellschaft, aber durch die Formen antiliberaler und antidemokratischer Bewegungen entwickelte sich ein neuer Antisemitismus und grenzte die Juden damit erneut aus. In den Jahren 1864 - 1870 wurde eine neue Synagoge auf einem zentralen Platz in Nachbarschaft zu den Hauptkirchen Hannovers errichtet. Dieser Bau von Edwin Oppler im "deutschen" Stil des Historismus (zerstört beim Progrom am 9. und 10.11.1938) war Symbol des Selbstbewußtseins und der Anerkennung der Juden und wirkte stilbildend für den Bau von Synagogen im Kaiserreich. Ab 1933 wurden die Juden unter Ausnahmerecht gestellt. Ausweisung, Verfolgung und Massenmord waren das Ergebnis. Die Jüdische Gemeinde Hannover wurde vernichtet. 1945 besetzten amerikanische Truppen Hannover. Zu dieser Zeit befanden sich noch ca. 20 - 30 von den ursprünglichen Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde Hannover in der Stadt. Mutige Menschen leisteten den Juden, die aus den Konzentrationslagern zurückkamen, erste Hilfe mit Geld und zusätzlichen Lebensmittelkarten. Viele der ehemaligen jüdischen Häftlinge bedurften ärztlicher Hilfe, Beistand und Beratung. Am 10. August 1945 wurde die Genehmigung zur Gründung einer jüdischen Gemeinde von der englischen Besatzungsmacht zugestellt. Mit Hilfe jüdischer Organisationen und der Niedersächsischen Landesregierung konnte die soziale Betreuung der Mitglieder gewährleistet werden.
1953 wurde ein jüdisches Altersheim in der Haeckelstraße 6 eingeweiht. Im Laufe der nachfolgenden Jahre wurden weitere in Hannover ansässige Juden als Gemeindemitglieder aufgenommen. Ab 1957 fand wieder ein geregelter Religionsunterricht für die jüdischen Kinder statt. Als nächste Schritte erfolgte die Errichtung eines neuen jüdischen Gemeindezentrums in der Haeckelstraße 10 mit Wohnhochhaus, Saal für kulturelle Zwecke, Schulräume, Gemeindebüro und Klubräume. Der Neubau einer Synagoge wurde beschlossen. Diese Synagoge wurde am 10. November 1963 eingeweiht. 
Innerhalb der vergangenen 20 Monate wurde das Gemeindeleben insbesondere in den Bereichen Jugend-, Kultur-,Sozial und Seniorenarbeit erheblich ausgebaut. Die Mitgliederzahl ist von seinerzeit fast 900 auf nunmehr 3000 angestiegen und wächst weiterhin. 
Erster Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hannover KdöR ist z. Zt. Herr Klaus Kuhne; zusammen mit den Vorstandskolleginnen Frau Natalia Kontsour und Frau Bärbel Thierkopf leitet er seit dem 25.03.1999 die Gemeinde.
 

Gottesdienst

Gottesdienst findet regelmäßig wöchentlich am Freitag um 18.30 Uhr (19.00 Uhr Sommerzeit) und am Samstag um 9.10 Uhr (9.00 Uhr Sommerzeit) statt.

Hannover hat 3 jüdische Friedhöfe

In der Mitte des 16. Jahrhunderts erwarben die Juden Hannovers zur Beisetzung ihrer Toten einen Sandhügel vor den Toren der Stadt Hannover und zwar an der heutigen Oberstraße, um den im Jahre 1740 eine Mauer gezogen wurde, der vor Grabschändungen und Beschädigungen schützen sollte. Heute sind noch etwa 700 Grabsteine erhalten. Der Friedhof An der Strangriede wurde von 1858 - 1864 errichtet und war von 1864 - 1924 der Friedhof der hannoverschen Juden. Heute ist er mit seinen mehr als 2.600 erhaltenen Grabstätten des bedeutendste Zeugnis des hannoverschen Judentums. Auf dem Friedhof wurden 3.500 Menschen begraben. Bedingt durch die Belegung aller vorhandenen Gräber wurde im Jahre 1923 ein großes Stück Land zum Bau eines neuen Friedhofs an der Burgwedeler Straße in Bothfeld erworben. Dieser Friedhof wurde 1924 als Neuer Jüdischer Friedhof Bothfeld eingeweiht und dient noch heute für die Aufnahme der verstorbenen Juden von Hannover.                                                                                                                   zurück
 

INTERRELIGIÖSER DIALOG UND FRIEDENSVERSTÄNDNIS

Demokratie lebt, wenn sie der humanen Entfaltung der Gesellschaft dienen soll, von der Verantwortung des Bürgers für das Gemeinwesen. Juden und Deutsche - worüber können wir sprechen, wie können wir aus der Vergangenheit lernen? Die europäische und jüdische Bevölkerung war lange innig miteinander verbunden. Die Verbundenheit wurde durch ein furchtbares Verbrechen zerstört. Doch aus dieser Verbindung gingen Nachkommen hervor mit europäischen und jüdischen Erbanlagen. Diese enthalten die gemeinsame Grundlage für eine gegenseitige schöpferische Beeinflussung der Zukunft. Die Hoffnung liegt hier besonders in einer Stärkung des Dialogs untereinander.

Die Bereitschaft zur Offenheit und Toleranz ist die Grundlage eines echten und dauerhaften Friedens. Es besteht in der jetzigen Welt die dringende Notwendigkeit zur umfangreichen Toleranz zum Schutze des Menschen, seiner Sicherheit und Würde. Wer die eigene Würde bewahrt sehen möchte, darf die seines Mitmenschen nicht verletzen. Nur wer sich die Höhen und Tiefen der eigenen Geschichte bewußt macht, kann frei von falschen Schuldkomplexen „Brücken über Blut und Asche bauen“. Statt Gleichgültigkeit - Mut zur Verantwortung. Dieses Thema der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit gilt menschenweit für allen Einsatz in Gesellschaft, Kirche und Politik. Die Kräfte der Versöhnung aller Religionen müssen aktiv werden und zeigen, daß sie die Mehrheit sind. 
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KONTAKTADRESSEN

JÜDISCHE GEMEINDE HANNOVER K.d.ö.R.
Herr Michael Krebs - 1. Vorsitzender
Haeckelstr. 10
30173 Hannover
Tel.: (05 11) 81 04 72
FAX: (05 11) 85 29 83
eMail: info@jg-hannover.de
Internet: http://www.jg-hannover.de

JÜDISCHE GEMEINDE GÖTTINGEN   e. V.
Herr  Harald Jüttner - 1. Vorsitzende
Postfach 11 02 39
37047 Göttingen
Tel.:  (05 51) 4 28 83
FAX: (05 51) 48 76 70

ZENTRALWOHLFAHRTSTELLE DER JUDEN IN DEUTSCHLAND
Oranienburger Str. 31
10117 Berlin
Tel.: (030) 2 82 68 

INTERNATIONALER RAT DER CHRISTEN UND JUDEN e. V. (ICCJ)
Martin Buber Haus
Werléstr. 2
Postfach 1 29
64646 Heppenheim
Tel.: (0 62 52) 50 41 

QUELLENNACHWEIS UND LITERATUR

Baumann, Arnulf H. (Hrsg.): WAS JEDER VOM JUDENTUM WISSEN MUSS,
Gütersloh 1983.

Landeshauptstadt Hannover u. Jüdische Gemeinde Hannover e.V. (Hrsg.):
LEBEN UND SCHICKSAL. ZUR EINWEIHUNG DER SYNAGOGE IN HANNOVER, 
Hannover 1963.

Rendtorff, Rolf (Hrsg.): Arbeitsbuch CHRISTEN UND JUDEN, 
Gütersloh 1979

Schulze, Peter: JUDEN  IN  HANNOVER, 
Hannover 1989                                                                                                 zurück


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Letzte Aktualisierung: 9. November 2004

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E-mail: ewirth@religionen-in-hannover.de
Ansprechpartner: Dipl.-Theol. Ewald Wirth M.A.