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Jüdische Gemeinde Hannover
K.d.ö.R.
MICHAEL KREBS
1. Vorsitzender
GESCHICHTE
UND RELIGION
Im zweiten Jahrtausend v.
Chr. beginnt die Geschichte des jüdischen Volkes. Von den Wüsten-
und Steppengebieten des Landes Kanaan drangen nomadische Stämme in
das fruchtbare Land am Mittelmeer und ließen sich dort nieder. Sie
glaubten an einen Gott, der als einziger verehrt werden will und mit ihnen
in eine enge Beziehung tritt, die nicht an Kultorte und Heiligtümer
gebunden, sondern auf die Menschen gerichtet ist. Der Glaube Israels ordnete
alle Lebensbereiche seinem Gott "JAHWE" als Schöpfer und Herrn der
Welt unter. Aus den 12 Stämmen im Lande Kanaan, das sie jetzt „Land
Israel“ nannten, wurde ein Volk, das vor allem durch die gemeinsame Religion
verbunden war. Hier zeigte sich bereits die für die jüdische
Geschichte grundlegende Zusammengehörigkeit von Religion, Volk und
Land. Der Gott Israels wurde als der eine Gott, der Herr und Schöpfer
der Welt bekannt und angebetet. Der Bund, den Gott mit Israel geschlossen
hat, findet seine Entsprechung in der "THORA". Thora bedeutet Lehre,
die Weisung, nach der Israel als Volk des Bundes sein Leben gestalten soll.
Der Mittelpunkt des geistigen und religiösen Lebens war Jerusalem.
Dort stand der Tempel, in dem der Opferkult vollzogen und die Jahresfeste
gefeiert wurden.
Babylonisches Exil
Nach der Vernichtung des
Nordreiches „Israel“ (721 v. Chr.) und des Südreiches „Juda“ (erste
Zerstörung des Tempels in Jerusalem 586 v. Chr.) begann für ein
Teil der Israeliten eine 7 Jahrzehnte dauernde Verbannung (Babylonisches
Exil). Sie mußten unter einer Bevölkerung leben, deren Religion
zutiefst verschieden zu ihrer eigenen war. Dieser Einfluß bewirkte,
daß viele der überlieferten Traditionen neu durchdacht wurden.
Auch die Formen des Gottesdienstes änderten sich. Opferlose Formen
gewannen größere Bedeutung. Zweifellos entstand im Exil der
Wort- und Gebetsgottesdienst.
Rückkehr und Wiederaufbau
des Tempels
Ein Teil der Israeliten kehrte
ab 538 v. Chr. aus dem Babylonischen Exil nach Jerusalem zurück. Der
Tempel wurde wieder aufgebaut und die im Exil entwickelten strengen Vorstellungen
von der Reinheit der jüdischen Religion allgemein verbindlich gemacht.
Der andere Teil der Israeliten blieb im Exil zurück und setzte
dort sein von ihm entwickeltes eigenes Leben fort. Der Thora wurde durch
einen feierlichen Rechtsakt eine zentrale Bedeutung für Israel gegeben
- für den religiösen Bereich und das gesamte Leben des Volkes.
Verbreitung des Hellenismus
Eine neue Krise brachte die
hellenistische Zeit nach den Siegen Alexanders des Großen mit der
Verbreitung hellenistischen Geistes und Kultur mit sich. Auch in Israel
fanden diese Tendenzen starken Widerhall. Unter Alexander dem Großen
herrschte religiöse Freiheit. Aber seine Nachfolger, die Seleukiden
strebten die kulturell-religiöse Unterwerfung an und verlangten von
den Juden die Anerkennung der Vielgötterwelt. Da die Juden ihren monotheistischen
Glauben verteidigten, waren Verfolgungen das Ergebnis.
Makkabäer-Aufstand
Im Jahre 165 v. Chr. kam
es zum Aufstand der Juden unter Führung der Makkabäer. Damit
erhielt das Judentum eine politische Richtung und wurde als eine religiös-nationale
Gemeinschaft neu definiert.
Römische Zerstörung
Mit der Zerstörung des
Tempels bereiteten die Römer im Jahre 70 n. Chr. der jüdischen
nationalen Selbständigkeit ein Ende. Die Römer verboten den Juden
das Betreten der Stadt Jerusalem bei Todesstrafe. Nun zeigten die Juden,
daß sie in den Jahrhunderten der Wechselbeziehung zwischen Jerusalem
und dem Exil eine neue Selbständigkeit entwickelt hatten. Die Synagoge
hatte sich als eigenständige Institution mit einem opferlosen Gottesdienst
entwickelt. Es gab nicht nur im Exil, sondern auch im Lande selbst zahlreiche
Synagogen, in denen der Gottesdienst weitergeführt werden konnte.
Konfrontation zwischen
Christen- und Judentum
Im 2. und 3. Jahrhundert
lebten Juden verstreut über das gesamte römische Reich.
Der christliche Einfluß auf das römische Reich wurde im 4. Jahrhundert
immer bedeutender. Es kam zu immer stärkerer Konfrontation zwischen
Christen- und Judentum.
Judentum und Islam
Die Juden wurden unter dem
Islam, der sich seit dem 7. Jahrhundert immer weiter ausdehnte, geduldet.
Das babylonische und nordafrikanische Juden-tum konnte sich behaupten.
In Spanien erlebte das Judentum unter islamischer Herrschaft eine Blütezeit.
Verfolgung
In Frankreich lebten Juden
nahezu ungehindert bis zur Zeit der Kreuzzüge, als sie im westlichen
Europa verfolgt und vertrieben wurden. In Ost- und Westeuropa blieb das
Schicksal immer abhängig von der Gnade oder Ungnade des jeweiligen
Herrschers. Im 19. Jahrhundert brachten die Auswirkungen der französischen
Revolution eine allmähliche Besserung der rechtlichen und sozialen
Lage für die Juden in Westeuropa. Die Juden in Osteuropa waren dagegen
immer wieder grausamen Verfolgungen ausgesetzt. Die Juden in Polen und
Russland stammten zumeist aus Deutschland.
Zionismus
Bedingt durch diese bedrückenden
Verhältnisse in Osteuropa entwickelte sich im 19. Jahrhundert ein
moderner jüdischer Nationalismus. Es kam zur Ansiedlung von Juden
aus dem zaristischen Rußland. Der Gedanke des Zionismus gewann unter
dem Druck des modernen Antisemitismus auch in Westeuropa an Bedeutung.
Nationalsozialistische
Vernichtung
Eine Fluchtbewegung der Juden
aus dem deutschen Machtbereich in alle Welt setzte in den 30er Jahren
nach dem Beginn des Nationalsozialismus ein. Bis 1945 wurden etwa 6 Millionen
Juden, die sich dieser Schreckensherrschaft nicht entziehen konnten, umgebracht.
In Deutschland lebten bis 1933 etwa 600 000 Juden.
Staat Israel
Im Jahre 1948 wurde ein Neuanfang
in der Geschichte der Juden mit der Proklamierung des unabhängigen
Staates Israel gesetzt. Ein großer Prozentsatz der in den Lagern
noch überlebenden Juden wanderten unter großen Schwierigkeiten
in den Jahren von 1945 - 1951 nach Palästina/Israel aus.
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RELIGIÖSE
FESTE - RELIGIÖSES LEBEN
Purim (Losfest)
Dieses Fest wird zum Gedenken
an eine Rettung aus Todesnot gefeiert. Im 5. Jahrhundert vor der christlichen
Zeitrechnung befand sich das jüdische Volk im Exil im persischen Reich.
Der persische Minister Haman plante die Vernichtung der Juden in diesem
Reich. Durch ihre Fürsprache beim König Ahasverus (Ahasverausch
hebr. für Xerxes) konnte die jüdische Königin Esther diesen
grausamen Plan verhindern. Esther, die Nichte des jüdischen Gelehrten
Mordechai, wurde Königin von Persien. Ihr Gatte war König Ahasverus.
Das Fest wird ähnlich gefeiert wie Karneval, mit Musik, Tanz, Verkleiden,
Umzügen, gutem Essen und Trinken.
Pessach
Mit diesem Fest, das ein
Höhepunkt jüdischen Lebens ist, wird der wunderbaren Befreiung
der Juden aus Ägypten durch Gottes Hilfe gedacht. Die Juden mußten
als Sklaven arbeiten. Gott befreite sein Volk aus dieser Knechtschaft und
führte es durch die Wüste in ein neues Land. Der Ewige führte
die israelischen Sklaven trockenen Fußes durch das Rote Meer. Die
ägyptische Armee wurde vernichtet. Gefeiert wird Pessach von der jüdischen
Familie mit einem rituellen Essen, dem Seder-Mahl. An die Knechtschaft
wird mit symbolischen Speisen erinnert und aus einem Buch (Haggada) wird
die Geschichte der Befreiung vorgetragen mit den dazugehörenden Gebeten
und Psalmen. Während des Essens wird viermal vom Wein getrunken und
damit daran erinnert, wie Mose von Gott die bevorstehende Befreiung verhießen
wurde. Auch das Singen volkstümlicher Lieder gehört zu dieser
Feier. An Pessach werden besonders reich ausgestaltete Gottesdienste gehalten.
Das christliche Osterfest als Feier der Auferstehung Jesu bewahrt den Zusammenhang
zum Pessachfest u. a. durch seinen Termin. Außerdem bestehen Zusammenhänge
zwischen Abendmahl und Pessachmahl, z. B. in der Verwendung von ungesäuertem
Brot als Oblaten.
Jom Ha'azma'ut (Unabhängigkeitstag)
An diesem Tag wird das Wiedererstehen
des Staates Israel im Jahre 1948, fast 2000 Jahre nach der Zerstörung
des letzten jüdischen Staates im Jahre 70 durch die Römer, gefeiert.
Schawuot (Wochenfest)
Dieses Fest großer
Freude wurde ursprünglich als Erntefest 50 Tage (7 Wochen) nach Pessach
gefeiert. Es erinnert an Mose und den Empfang der Gesetzestafeln auf dem
Gebirge Sinai. Die Thorarollen (Gesetzesrollen) und der Thoraschrein (Schrank
der Aufbewahrung) werden mit Blumen geschmückt. Es ist das Fest, das
an die Übergabe der 10 Gebote des Ewigen Gottes an Moses und die Israeliten
erinnert.
Rosch Haschana (Jüdischer
Neujahrstag)
Der "Tischri" (September/Oktober)
ist der Monat der hohen Feiertage. Er beginnt mit dem Neujahrsfest, das
zwei Tage gefeiert wird. Der Neujahrstag wird als ein Tag angesehen, an
dem Gott sich erinnert und das Tun des Menschen richtet. Zum Ritus des
Gottesdienstes von Rosch Haschana gehört das Blasen eines Widderhorns
(Schofarhorn) - zur Erinnerung an den Widder, der an Isaaks Stelle von
Abraham geopfert wurde. An diesem Fest wird jeder Jude von dem Ewigen gerichtet,
z. B. ob er im kommenden Jahr leben oder sterben soll
Jom Kippur (Versöhnungstag)
Für Juden ist JOM KIPPUR
der höchste und persönlichste Feiertag. Er gilt als strengster
Fastentag als Abschluß der Selbstbesinnung und wird mit größtem
Ernst begangen: Viele Beter tragen bei dem den ganzen Tag über währenden
Gottesdienst ihre weißen Sterbegewänder. Kennzeichen der Gottesdienste
sind die Sündenbekenntnisse und Bitten um göttliche Vergebung.
Ein charakteristischer Gesang des Versöhnungstages ist das „Kol Nidre“,
ein Gebet um Auflösung von unerfüllbaren religiösen Gelübden.
An Jom Kippur wird der Richterspruch, der am Neujahr ergangen ist, besiegelt.
Sukkot (Laubhüttenfest)
Dieses Fest hält die
Erinnerung an die Zeit der Wüstenwanderung wach, als das Volk Israel
in Zelten oder schnell errichteten Hütten - Laubhütten - leben
mußte. In diesen Tagen werden von den jüdischen Familien Laubhütten
ohne festes Dach gebaut, in denen man sieben Tage lang unter freiem Himmel
wohnt. Von den Betenden in der Synagoge werden Feststräuße aus
vier verschiedenen Pflanzen- arten (Palme, Myrthe, Bachweide und einer
Zitrusfrucht) feierlich geschwenkt.
Chanukka (Tempelweihe,
Lichterfest)
Dieses Fest erinnert an die
Wiedereinweihung des jüdischen Tempels in Jerusalem im Jahre 164 v.
Chr. zur Zeit der Makkabäer. Jeden Abend wird ein Licht mehr am achtarmigen
Chanukkaleuchter angezündet, bis zum Schluß alle 8 Lichter brennen.
Dieses Fest wird acht Tage (November/Dezember) gefeiert, weil sich bei
der Tempeleinweihung nur ein unversehrtes Krüglein mit Öl fand,
das aber - wie durch ein Wunder - acht Tage lang brannte.
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RELIGIÖSE
ERZIEHUNG - RELIGIÖSE BRÄUCHE
Bar Mizwah / Bat Mizwah
Zu den religiösen Erziehungsaufgaben
der Eltern gehört die Einweisung des Kindes in das Leben unter den
Weisungen der Thora. Die Gemeinde sorgt für den Religionsunterricht.
Der jüdische Knabe wird mit 13 Jahren religionsmündig und ist
damit verpflichtet, alle Gebote der Thora einzuhalten, er wird ein „Sohn
der Pflicht“ (hebr. Bar Mizwah). Er zählt bei der Mindestzahl von
zehn Gottesdienstbesuchern mit. Am Schabbat nach seinem 13. Geburtstag
wird er zum ersten Mal im Synagogengottesdienst zur Thoralesung aufgerufen.
Diesem Gottesdienst schließt sich in religiösen Familien ein
festliches Mahl an, bei dem der Bar Mizwah einen Vortrag hält. Mit
12 Jahren werden jüdische Mädchen religionsmündig und so
„Tochter der Pflicht“. Auch die Bat-Mizwah-Feier findet in der Synagoge
statt.
Eheschließung
Die Eheschließung ist
eines der wichtigsten Feste im Leben des Juden. Erst durch die Eheschließung
werden Juden vollwertige Mitglieder des Gottesvolkes. In früheren
Zeiten ging der Heirat die Verlobung voraus. Die Braut galt damals schon
als Ehefrau, und Untreue konnte streng bestraft werden. Heute sind Verlobung
und Hochzeit in einer Zeremonie miteinander verbunden. Die Trauung findet
unter den Trauhimmel, der „Chuppa“, einem von vier Stangen getragenen Baldachin,
statt. Dieses ist das Symbol für das Heim des Ehepaares, das sie als
Heiligtum betrachten sollen. Über dem Wein und über dem Brautstand
wird der Segensspruch gesprochen. Danach trinken Bräutigam und Braut
vom Wein. Durch die Erklärung des Bräutigams - in Gegenwart von
mindestens zwei Zeugen - wird die Ehe geschlossen. Der Bräutigam steckt
der Braut den Ring an den zweiten Finger der rechten Hand. Daraufhin
wird der vorher geschlossene Ehe- vertrag vorgelesen, und der Bräutigam
verspricht seiner Frau, sie zu ehren, für sie zu arbeiten und für
ihren Unterhalt zu sorgen. Die „sieben Segenssprüche der Eheschließung“
folgen. Die Trauung endet mit dem Zerbrechen eines Glases als Erinnerung
an den zerstörten Tempel und mit den Glückwünschen der Anwesenden.
Das Judentum kennt nicht das beiderseitige Eheversprechen wie in der christlichen
Trauung. Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Scheidung erlaubt. Hier
bedarf es, wie bei der Heirat, einer schriftlichen Urkunde, die nur von
einem Senat von drei Rabbinern erlangt werden kann.
Gottesdienstbesuche in
der Synagoge
Ein Gottesdienst in der Synagoge
darf nur stattfinden, wenn mindestens zehn männliche Besucher daran
teilnehmen.
Tod und Begräbnis
Der Tod gehört für
den Juden als Selbstverständlichkeit zum Leben. Wer den Tod bewußt
nahen sieht, bereitet sich auf das Sterben vor, indem er seine Angelegenheit
in Ordnung bringt. Beim Eintreten des Todes bekennen die Anwesen- den zusammen
mit dem Sterbenden den Glauben an die Einzigkeit Gottes. Der Leichnam wird
auf die Erde gelegt und ein Licht angezündet. Nach der Waschung wird
er in ein schlichtes, leinenes Totenhemd gekleidet. Bei allen Beisetzungsverrichtungen
helfen Mitglieder der Heiligen Bruderschaft (hebr. Chevra Kadischa), die
es in den meisten Gemeinden gibt. Die Beerdigung darf nicht am Schabbat
oder an jüdischen Feiertagen erfolgen. Die Anwesenden werfen je drei
Schaufeln Erde auf den Sarg. Das wichtigste Gebet ist das Kaddisch, das
Gottes Namen preist. Totenkleid, ein schlichter Sarg, Verzicht auf Blumenschmuck
und prunkvolle Grabmäler sollen bezeugen, daß im Tode alle gleich
sind. Elf Monate nach dem Tod (Jahrzeit) wird der Grabstein gesetzt und
zu jeder folgenden Jahrzeit des Toten erneut gedacht. In dieser Zeremonie
ist die Gegenwart zehn jüdischer Männer erforderlich.
Kopfbedeckung
Nicht nur Juden, alle semitischen
Völker beten mit Kopfbedeckung. In der Heiligen Schrift lesen wir
von einer Mütze beim Cohen (Priester). Die Kopfbedeckung gilt als
Zeichen der Gottesfurcht und Bescheidenheit.
Sitzordnung in der Synagoge
Frauen und Männer sitzen
in der Synagoge nicht zusammen. Der Grund liegt darin, daß man eine
evtl. Ablenkung während des Gebetes befürchtet. Frauen sind bei
den Gottesdiensten zugegen, aber nicht aktiv tätig.
Was bedeutet „koscher"?
Der Begriff „koscher" bedeutet
„rein“ und bezieht sich auf Nahrungsmittel und deren Zubereitung nach den
Speisevorschriften des jüdischen Glaubens. Schwei-nefleisch ist nicht
erlaubt als Nahrungsmittel. Die weiteren Speisevorschriften sind in allen
Einzelheiten in der Thora aufgeführt und werden den Juden in deren
Gebetshäusern mehrmals im Jahr vorgelesen.
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GESCHICHTE
DER JUDEN IN HANNOVER
In Hannover leben Juden seit
700 Jahren. Sie stellten stets eine Minderheit innerhalb der Stadtgemeinde
dar und hielten an ihren traditionellen, rituell vorgeschriebenen Lebensformen
fest (z. B. Heiligung des Schabbath, Einhaltung bestimmter Speisegesetze).
Dadurch wurden sie zu Außenseitern. Jüdische Einwohner in Hannover
durften nur nach einem besonderen Rechtsstatus leben mit ausdrücklicher
Genehmigung der Obrigkeit - also als Fremde ohne die Rechte der anderen
Einwohner. Zwar tolerierte man im 17. Jahrhundert des Judentum als Religion,
aber grenzte die Juden weiterhin gesellschaftlich aus. Obwohl vorwiegend
in Handels- und Finanzberufen tätig, existierte bis zur Mitte des
19. Jahrhunderts die jüdische Minderheit am Rande der Gesellschaft.
Die erste Erbauung einer Synagoge im Jahre 1703 erfolgte auf einem für
die Öffentlichkeit unsichtbaren Platz im Hinterhof. Die eigenständige
jüdische Kultur wurde in dieser Abgeschiedenheit aufrechterhalten.
Im Königreich Hannover wurde das Ausnahmerecht aufgehoben, und die
Juden wurden gesetzlich den anderen Bewohnern gleichgestellt. Aber die
Juden blieben auch nach ihrer Gleichstellung die Minderheit. Die kommenden
Jahre bis zur Nazizeit brachten zwar einen sozialen Aufstieg des Judentums
in der bürgerlichen Gesellschaft, aber durch die Formen antiliberaler
und antidemokratischer Bewegungen entwickelte sich ein neuer Antisemitismus
und grenzte die Juden damit erneut aus. In den Jahren 1864 - 1870 wurde
eine neue Synagoge auf einem zentralen Platz in Nachbarschaft zu den Hauptkirchen
Hannovers errichtet. Dieser Bau von Edwin Oppler im "deutschen" Stil des
Historismus (zerstört beim Progrom am 9. und 10.11.1938) war Symbol
des Selbstbewußtseins und der Anerkennung der Juden und wirkte stilbildend
für den Bau von Synagogen im Kaiserreich. Ab 1933 wurden die Juden
unter Ausnahmerecht gestellt. Ausweisung, Verfolgung und Massenmord waren
das Ergebnis. Die Jüdische Gemeinde Hannover wurde vernichtet. 1945
besetzten amerikanische Truppen Hannover. Zu dieser Zeit befanden sich
noch ca. 20 - 30 von den ursprünglichen Mitgliedern der Jüdischen
Gemeinde Hannover in der Stadt. Mutige Menschen leisteten den Juden, die
aus den Konzentrationslagern zurückkamen, erste Hilfe mit Geld und
zusätzlichen Lebensmittelkarten. Viele der ehemaligen jüdischen
Häftlinge bedurften ärztlicher Hilfe, Beistand und Beratung.
Am 10. August 1945 wurde die Genehmigung zur Gründung einer jüdischen
Gemeinde von der englischen Besatzungsmacht zugestellt. Mit Hilfe jüdischer
Organisationen und der Niedersächsischen Landesregierung konnte die
soziale Betreuung der Mitglieder gewährleistet werden.
1953 wurde ein jüdisches
Altersheim in der Haeckelstraße 6 eingeweiht. Im Laufe der nachfolgenden
Jahre wurden weitere in Hannover ansässige Juden als Gemeindemitglieder
aufgenommen. Ab 1957 fand wieder ein geregelter Religionsunterricht für
die jüdischen Kinder statt. Als nächste Schritte erfolgte die
Errichtung eines neuen jüdischen Gemeindezentrums in der Haeckelstraße
10 mit Wohnhochhaus, Saal für kulturelle Zwecke, Schulräume,
Gemeindebüro und Klubräume. Der Neubau einer Synagoge wurde beschlossen.
Diese Synagoge wurde am 10. November 1963 eingeweiht.
Innerhalb der vergangenen
20 Monate wurde das Gemeindeleben insbesondere in den Bereichen Jugend-,
Kultur-,Sozial und Seniorenarbeit erheblich ausgebaut. Die Mitgliederzahl
ist von seinerzeit fast 900 auf nunmehr 3000 angestiegen und wächst
weiterhin.
Erster Vorsitzender der
Jüdischen Gemeinde Hannover KdöR ist z. Zt. Herr Klaus Kuhne;
zusammen mit den Vorstandskolleginnen Frau Natalia Kontsour und Frau Bärbel
Thierkopf leitet er seit dem 25.03.1999 die Gemeinde.
Gottesdienst
Gottesdienst findet regelmäßig
wöchentlich am Freitag um 18.30 Uhr (19.00 Uhr Sommerzeit) und am
Samstag um 9.10 Uhr (9.00 Uhr Sommerzeit) statt.
Hannover hat 3 jüdische
Friedhöfe
In der Mitte des 16. Jahrhunderts
erwarben die Juden Hannovers zur Beisetzung ihrer Toten einen Sandhügel
vor den Toren der Stadt Hannover und zwar an der heutigen Oberstraße,
um den im Jahre 1740 eine Mauer gezogen wurde, der vor Grabschändungen
und Beschädigungen schützen sollte. Heute sind noch etwa 700
Grabsteine erhalten. Der Friedhof An der Strangriede wurde von 1858 - 1864
errichtet und war von 1864 - 1924 der Friedhof der hannoverschen Juden.
Heute ist er mit seinen mehr als 2.600 erhaltenen Grabstätten des
bedeutendste Zeugnis des hannoverschen Judentums. Auf dem Friedhof wurden
3.500 Menschen begraben. Bedingt durch die Belegung aller vorhandenen Gräber
wurde im Jahre 1923 ein großes Stück Land zum Bau eines neuen
Friedhofs an der Burgwedeler Straße in Bothfeld erworben. Dieser
Friedhof wurde 1924 als Neuer Jüdischer Friedhof Bothfeld eingeweiht
und dient noch heute für die Aufnahme der verstorbenen Juden von Hannover.
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INTERRELIGIÖSER
DIALOG UND FRIEDENSVERSTÄNDNIS
Demokratie lebt, wenn sie
der humanen Entfaltung der Gesellschaft dienen soll, von der Verantwortung
des Bürgers für das Gemeinwesen. Juden und Deutsche - worüber
können wir sprechen, wie können wir aus der Vergangenheit lernen?
Die europäische und jüdische Bevölkerung war lange innig
miteinander verbunden. Die Verbundenheit wurde durch ein furchtbares Verbrechen
zerstört. Doch aus dieser Verbindung gingen Nachkommen hervor mit
europäischen und jüdischen Erbanlagen. Diese enthalten die gemeinsame
Grundlage für eine gegenseitige schöpferische Beeinflussung der
Zukunft. Die Hoffnung liegt hier besonders in einer Stärkung des Dialogs
untereinander.
Die Bereitschaft zur Offenheit
und Toleranz ist die Grundlage eines echten und dauerhaften Friedens. Es
besteht in der jetzigen Welt die dringende Notwendigkeit zur umfangreichen
Toleranz zum Schutze des Menschen, seiner Sicherheit und Würde. Wer
die eigene Würde bewahrt sehen möchte, darf die seines Mitmenschen
nicht verletzen. Nur wer sich die Höhen und Tiefen der eigenen Geschichte
bewußt macht, kann frei von falschen Schuldkomplexen „Brücken
über Blut und Asche bauen“. Statt Gleichgültigkeit - Mut zur
Verantwortung. Dieses Thema der Gesellschaften für christlich-jüdische
Zusammenarbeit gilt menschenweit für allen Einsatz in Gesellschaft,
Kirche und Politik. Die Kräfte der Versöhnung aller Religionen
müssen aktiv werden und zeigen, daß sie die Mehrheit sind.
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KONTAKTADRESSEN
JÜDISCHE GEMEINDE HANNOVER
K.d.ö.R.
Herr Michael Krebs - 1.
Vorsitzender
Haeckelstr. 10
30173 Hannover
Tel.: (05 11) 81 04 72
FAX: (05 11) 85 29 83
eMail: info@jg-hannover.de
Internet: http://www.jg-hannover.de
JÜDISCHE GEMEINDE GÖTTINGEN
e. V.
Herr Harald Jüttner
- 1. Vorsitzende
Postfach 11 02 39
37047 Göttingen
Tel.: (05 51) 4 28
83
FAX: (05 51) 48 76 70
ZENTRALWOHLFAHRTSTELLE DER
JUDEN IN DEUTSCHLAND
Oranienburger Str. 31
10117 Berlin
Tel.: (030) 2 82 68
INTERNATIONALER RAT DER CHRISTEN
UND JUDEN e. V. (ICCJ)
Martin Buber Haus
Werléstr. 2
Postfach 1 29
64646 Heppenheim
Tel.: (0 62 52) 50 41
QUELLENNACHWEIS
UND LITERATUR
Baumann, Arnulf H. (Hrsg.):
WAS JEDER VOM JUDENTUM WISSEN MUSS,
Gütersloh 1983.
Landeshauptstadt Hannover
u. Jüdische Gemeinde Hannover e.V. (Hrsg.):
LEBEN UND SCHICKSAL. ZUR
EINWEIHUNG DER SYNAGOGE IN HANNOVER,
Hannover 1963.
Rendtorff, Rolf (Hrsg.):
Arbeitsbuch CHRISTEN UND JUDEN,
Gütersloh 1979
Schulze, Peter: JUDEN
IN HANNOVER,
Hannover 1989
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[ JUDENTUM
| Jüdische Gemeinde Hannover K.d.ö.R.
| Liberale Jüdische Gemeinde Hannover e.V.
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